Schuldenkrise Daniel Stelter empfiehlt Schuldenschnitt in Euro-Krisenländern

Exklusiv

Einen rigorosen Schuldenschnitt in den Euro-Krisenländern fordert Daniel Stelter, einer der führenden Managementberater Europas.

So ist es um die Armut in Europa bestellt
Platz 27: Am wenigsten armutsgefährdet sind die Menschen in Dänemark. Das ergab eine Studie des Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Als armutsgefährdet gilt nach einer Definition der EU, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens eines Landes zur Verfügung hat. Das IW nahm diese Definition als Grundlage für ihre Forschung, kombinierte sie jedoch noch mit weiteren Faktoren, zum Beispiel die subjektive Einkommensarmut und die Deprivation, also das, worauf Menschen aus finanziellen Gründen verzichten müssen. Heraus kam: Nur ein Prozent der Bevölkerung in Dänemark ist arm. Auf Platz 26 schafft es Luxemburg. Quelle: REUTERS
Platz 25: Immer mehr Menschen sind von Armut betroffen - egal ob in Deutschland oder europaweit. In der EU gilt fast jeder Vierte als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Die Menschen in den Niederlanden kommen dabei noch gut weg und landen auf Platz 25: Nur jeder Neunte ist armutsgefährdet. Quelle: AP
Platz 24: Schweden. Nur ein Prozent der Bevölkerung in Schweden muss erhebliche materielle Entbehrungen hinnehmen. Auf Platz 23 und 22 folgen Finnland und Österreich. Quelle: dpa
Platz 21 für Deutschland - damit liegen wir im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Besonders betroffen von Armut sind in Deutschland Migranten, Alleinerziehende und Arbeitslose. 30 Prozent der Arbeitslosen sind einkommensarm. Quelle: dpa
Platz 20: Vereintes Königreich. Die Briten gehören ins Mittelfeld - ebenso wie Frankreich (Platz 19), die Tschechischen Republik (Platz 18), Belgien (Platz 17) und Slowenien (Platz 16). Doch es gibt deutliche Unterschiede: Während die Tschechen EU-weit die niedrigste Einkommensarmutsquote hat, sind die Briten bei der subjektiven Armut vorne. Quelle: REUTERS
Platz 15 bis 13: Slowakische Republik, Malta, Spanien. Die Länder gehören in Sachen Armut in das untere Mittelfeld. Quelle: AP
Auch die Iren gehören noch ins Mittelfeld, wenn auch ins untere - und belegen im Ranking Platz 12. Etwas größer ist die Armutsgefahr für Estland (Platz 11). Quelle: dpa
Zypern belegt Platz 10 im Ranking - trotz Krise und Rettungspaket - und gehört damit noch nicht zu den unteren Plätzen. Denn es gibt Länder in Europa, wo die Armutsgefährdung noch größer ist.... Quelle: dpa
...zum Beispiel in Portugal (Platz 9), Polen (Platz 8), Italien (Platz 7), Litauen (Platz 7), Ungarn (Platz 5) und Lettland (Platz 4). Damit gehören zu der Gruppe der ärmsten Länder in der EU ausschließlich süd- und osteuropäische Staaten. Doch besagten Ländern geht es in Sachen Armut immer noch besser als den krisengebeutelten Griechen, sie belegen den traurigen Platz 3 im Ranking. Quelle: dpa
Die letzten Plätze im Ranking belegen Rumänien (Platz 2) und Bulgarien (Platz 1). Nirgendwo sonst in Europa sind die Menschen so deutlich von Armut bedroht wie in diesen beiden Ländern. Quelle: dpa

„Uns Schulden-Junkies droht der kalte Entzug: Inflation oder ein Schuldenschnitt“, sagte Stelter, der bis vor kurzem Senior Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) war, im Interview mit der WirtschaftsWoche. Laut Stelter ist der Schuldenschnitt von der Politik nicht gewünscht, weil er Geldvermögen, Lebensversicherungen und große Teile der Altersvorsorge der Bevölkerung treffen würde. „Aber der Verlust ist ja real längst eingetreten, weil die nie mehr ordentlich zurückgezahlt werden können“, so Stelter, Autor des Buches „Die Billionen-Schulden-Bombe“. Einen Schuldenschnitt hält er deshalb für das kleinere Übel. „Damit können wir bestimmen, wer welchen Anteil trägt, und der Schaden lässt sich auf einige Jahre verteilen.“
Eine Inflation dagegen würde nur die Mittelschicht treffen, die nicht in Sachwerte flüchten könne. Stelter nennt für den Schuldenschnitt eine konkrete Zahl. „In den Krisenländern 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das wären allein im Euro-Raum fünf Billionen Euro. Dann bekämen Staaten und Privatleute wieder Luft und könnten investieren und die Herausforderungen der Zukunft angehen.“

Die derzeitige Politik zur Bewältigung der Krise hält Stelter für wenig erfolgversprechend. „Es würde Jahrzehnte dauern, allein mit der aktuellen Sparpolitik die Verschuldung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Das Wachstum müsste zugleich viel höher sein. Doch leider würgt die Sparpolitik die Wirtschaft ab.“ Spanien, Italien, Portugal und Griechenland sind seiner Ansicht nach schon an der Grenze des Erträglichen. Japan könne auch nicht sparen. „Und selbst Deutschland bräuchte dringend mehr Konsum und vor allem Investitionen“, rät Stelter.

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