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Schuldenkrise Der Euro ist ein Auslaufmodell

In Europa ist die Sparpolitik gescheitert. Italien, Portugal und Spanien steuern jetzt ungebremst auf den Staatsbankrott zu. Berlin gerät unter Druck.

10 Gründe gegen den Euro
Das Portemonnaie ist schwerer geworden Quelle: dapd
Lieb gewonnene Sprichwörter sind nicht mehr gültig Quelle: AP
Eine Sammlung der im Dezember 2010 erhältlichen Ein-Euro Münzen der 17 Eurostaaten Quelle: dpa
Unser Vermögen wurde halbiert Quelle: dpa/dpaweb
Den politischen Talkshows gehen die Themen aus Quelle: REUTERS
Die Deutschen zahlen noch mit der Mark Quelle: AP
Keiner hat uns mehr lieb Quelle: dpa

Man kann es drehen und wenden wie man will - Silvio Berlusconi ist zurück an den Schalthebeln der Macht in Rom. Der designierte italienische Ministerpräsident heißt zwar Enrico Letta und ist Sozialdemokrat, aber schon dessen Onkel Gianni Letta gehört zum engsten Beraterkreis von Berlusconi. Der Cavaliere, dreifacher Premierminister und zweifach verurteilter Gesetzesbrecher, ist die Schlüsselfigur in den laufenden Verhandlungen zur Regierungsbildung. Ohne die Stimmen von Berlusconis Il Populo della Libertà (PDL) erhielte Letta keine parlamentarische Mehrheit. Das Regierungsprogramm und die Auswahl der Minister werden deshalb die Handschrift Berlusconis tragen. Ciao Reformen! Ciao Sparkurs!

Italiens größte Steuer-Eskapaden
Busfahrer in PalermoDie Hauptstadt der Autonomen Region Sizilien plante 2011 eine Serviceoffensive. 110 neue Busfahrer wurden eingestellt. Das Problem: Nicht einer von ihnen hatte einen Busführerschein. Die Stadt sprang ein und spendierte die Ausbildung. Als die Fahrer bereit waren, stellte die Stadt fest, dass es weder genug Busse, noch genug Busrouten für die ganzen Fahrer gab. Die Hälfte der neuen Angestellten sitzt nun in der Verwaltung. Einen Führerschein brauchen sie da nicht. Quelle: AP
Milch von PhantomkühenIn Italien wurde über Jahre die Milch von 300.000 Kühen verkauft, obwohl sie uralt – oder längst tot sind. In der Regel werden Kühe aussortiert und geschlachtet, wenn sie etwa acht Jahre alt sind. Sie geben dann kaum noch Milch, und viel älter würden sie ohnehin nicht. Anders in Italien. Dort stehen nach offiziellen Angaben etwa 300.000 Kühe in den Ställen und werden gemolken, berichtete der „Spiegel“. Manche müssten demnach auch mit 83 Jahren noch Milch wie zu ihren besten Zeiten produzieren. Klarer Fall von Betrug. 1,2 Milliarden Liter Milch kamen zusammen, von denen bislang niemand weiß, woher sie stammen. Den Schaden hat der Steuerzahler: Weil die nach Brüssel gemeldeten Milchmengen von italienischen Kühen regelmäßig die dem Land zugeteilte Gesamtquote überschritten, musste Rom deftige Strafen zahlen. Über die Jahre summierten sich diese angeblich auf rund vier Milliarden Euro. Quelle: dpa
Brücke nach SizilienTrotz aller Haushaltsprobleme fehlt es der Politik nicht an Visionen. Silvio Berlusconi setzt sich seit 2005 für den Bau einer Brücke über die Straße von Messina ein. Kostenpunkt: 3,9 Milliarden Euro. Mehrere regionale Politiker, aber auch die Regierung Romano Prodis, stuften das Projekt als unsinnig und umweltschädigend ein und ließen es ruhen. Berlusconi, der 2008 wieder ins Amt stürmte, nahm zurück an der Macht das Projekt wieder auf. Der Kostenplan sah inzwischen Investitionen von fast 8,5 Milliarden Euro vor. Das war Nachfolger Mario Monti zu viel. Er wollte auf den Brückenbau verzichten, fasste aber keinen Beschluss zum Baustopp, weil ansonsten eine Konventionalstrafe in Höhe von 300 Millionen Euro fällig geworden wäre. Nun soll ein chinesischer Investor das Projekt weiterführen. Quelle: dpa
Autobahn A3400 Millionen Euro an EU-Fördergelder flossen bereits in den Ausbau und die Verbesserung der Autobahn 3 in Süditalien, von Neapel nach Reggio Calabria. Wofür das Geld verwendet wurde, weiß keiner. Fest steht nur: Die Autobahn befindet sich in einem desolaten Zustand. Schlaglöcher, fehlende Fahrbahnmarkierungen und unbeleuchtete Tunnel: zeitweise durfte auf einigen Abschnitten nur mit maximal 40 Stundenkilometer über die Autobahn gefahren werden. Quelle: AP
Kirchenimmobilie in Italien Quelle: dpa
Rote Ferraris in einer Reihe Quelle: rtr
Satellitenaufnahme vom Oktoberfest Quelle: dpa

Für 2013 und 2014 rechnen Ökonomen der Citigroup mit einer Kontraktion der italienischen Wirtschaft um 1,6 Prozent und 1,2 Prozent. 2015 werde die Staatsverschuldung Italiens 142 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung erreichen. Damit würde Italien endgültig im Schuldensumpf versinken. Die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Italien stellen einmal mehr den Erfolg der Euro-Rettungsmanöver in Frage.

Wissenswertes über Italien

Ein ähnliches Fiasko wie in Italien droht in Spanien und Portugal. Spanien erwartet 2013 ein Minuswachstum von 1,3 Prozent. Die Sanierung des Haushalts wird erst einmal um zwei Jahre nach hinten verschoben. In Portugal ist die wirtschaftliche Lage inzwischen so kritisch, dass sich gar Mário Soares zu Wort meldet. Der ehemalige Premierminister und Staatspräsident fürchtet wegen der Sparpolitik einen wirtschaftlichen Kollaps seines Landes und fordert für Portugal einen Staatsbankrott nach argentinischem Vorbild. Nach Berechnungen der Citigroup wird die Staatsverschuldung von Portugal 2015 untragbare 154 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung erreichen.

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