WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Schuldenkrise Notenbanken fluten globale Finanzmärkte

Seite 2/3

"Der öffentliche Sektor trägt das Risiko"

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, setzt mit seinen Kollegen ein Zeichen. Quelle: Reuters

Die Amerikaner versprechen sich nach Adams Einschätzung eine Stabilisierung des europäischen Bankensystems. Ob die Amerikaner oder die Europäer das Risiko eines Zahlungsausfalles letztlich tragen müssten, sei noch nicht ganz klar. „In jedem Fall liegt das Risiko auf der Seite des Zentralbanksystems und damit im öffentlichen Sektor.“

Die koordinierte Aktion der Währungshüter erinnert an die Hochzeiten der Finanzkrise: Im Oktober 2008, kurz nach der Pleite von Lehman Brothers, senkten die Notenbanken gemeinsam die Zinsen. Kurz zuvor hatte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers das Vertrauen in den Finanzsektor schwer erschüttert.

Chronologie der Euro-Krise
Chronologie der Euro-KriseGeschönter HaushaltAm Anfang war die Statistik: Der frisch gewählte griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou revidiert Ende Oktober 2009 die Schätzung des staatlichen Haushaltsdefizits. Statt 6 Prozent soll es nun bei 12 bis 13 Prozent liegen. Schon beim Euro-Beitritt hatte Griechenland das Defizit falsch angegeben. Quelle: AP
Erste HilfskrediteNachdem Papandreou ein Sparprogramm von 4,8 Milliarden Euro angestoßen hat, einigen sich IWF und EU am 2. Mai 2010 darauf, Griechenland Kredite über 110 Milliarden Euro bereitzustellen. Die Ratings des Landes verschlechtern sich weiter, im Land gibt es Proteste gegen die Kürzungen. Quelle: dapd
Die EZB mischt sich einWeil Investoren sich von Anleihen aus Griechenland, Portugal, Spanien und Irland trennen und niemand sie haben will, kauft die EZB am 10. Mai 2010 selbst Anleihen der betroffenen Länder. Der Tabubruch beruhigt die Märkte, sorgt aber für tiefe Verwerfungen innerhalb der Zentralbank. Quelle: dapd
Das Geld reicht nichtDie Euro-Länder einigen sich im Juni 2010 darauf, über die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) 750 Milliarden Euro für weitere Krisenhilfen bereitzustellen. 440 Milliarden Euro zahlen die Mitgliedstaaten ein, rund 240 Milliarden können davon als Kredite genutzt werden. Quelle: dapd
Irland in NotWenig später ist es so weit: Irland, das viel Geld in die Rettung seiner von der Finanzkrise gebeutelten Banken gesteckt hat, beantragt am 21. November 2010 Hilfskredite. 85 Milliarden Euro fließen, die Iren beschließen ein Sparprogramm, der Regierungschef tritt zurück, es kommt zu Neuwahlen. Quelle: dpa
Neuer FondsDie EU-Länder einigen sich am 28. November auf den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), der ab 2013 die EFSF dauerhaft ersetzen soll. Ausstattung: 700 Milliarden Euro, davon 500 Milliarden für Kredite und erstmals Bareinlagen von 80 Milliarden. Private Gläubiger sollen beteiligt werden können. Quelle: dpa
Pakt für den EuroDie EFSF hält nicht bis 2013. Im März 2011 wird das Kreditvolumen auf 440 Milliarden Euro aufgestockt, der Stabilitätsmechanismus soll verschärft und die Wirtschaftspolitik enger koordiniert werden. Wenig später zeigt sich, wie nötig das war: Portugal braucht Hilfe, 78 Milliarden Euro Kredite fließen. Quelle: REUTERS

Die Flutung der Kapitalmärkte nur einen Tag nach dem Treffen der Euro-Finanzminister zeigt, dass die Furcht Europas vor einem Kollaps weiter gewachsen ist. Mit Italien geriet die drittgrößte Volkswirtschaft Europas immer stärker in den Abwärtssog. Nachdem die Hebelwirkung des EFSF deutlich schwächer sein wird als zunächst gehofft, folgte der Hilferuf an den Internationalen Währungsfonds. Doch auch in Washington blieb die Reaktion verhalten.

An den Aktienmärkten löste die Aktion ein Kursfeuerwerk aus: Der einem deutlichen Minus am Vormittag drehte der Börsenindex mit Bekanntwerden der Notenbank-Intervention nach oben. Bis zum Nachmittag baute der Dax seine Gewinne auf plus vier Prozent aus und überwand die Marke von 6.000 Punkten, gegen 14.35 Uhr stand der Leitindex mit einem Plus von 5,1 Prozent bei 6.094 Punkten. Der Mdax stieg um 3,6 Prozent auf 8.927 Zähler. Der Technologieindex TecDAX verbesserte sich um 1,9 Prozent auf 698 Punkte.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%