WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Schuldenkrise "Die Euro-Zone wird in dieser Form keinen Bestand haben"

Euro-Kritiker Frank Schäffler (FDP) und Vermögensverwalter Max Otte fordern den Euro-Austritt Griechenlands und ein Ende der Rettungspolitik zu Lasten der Sparer. Zudem verrät Otte, warum jetzt ein günstiger Zeitpunkt zum Goldkauf ist.

Raus mit dem Griechenland-Euro aus der Währungsunion? Frank Schäffler und Max Otte plädieren für eine

WirtschaftsWoche Online: Herr Schäffler, Sie kommentieren die Entwicklungen in der Euro-Zone oft mit einem ironischen „Alles wird gut“. Müssen sie den ironischen Unterton bald weglassen, schließlich gibt es erste Erfolgsmeldungen aus Griechenland?

Frank Schäffler Quelle: dapd

Frank Schäffler: Ich würde mich freuen, wenn es Griechenland bald wieder besser gehen würde. Aber das sehe ich überhaupt nicht. Was für Erfolgsmeldungen gibt es denn? Griechenland behauptet, Ende des Jahres wieder einen ausgeglichen Primärhaushalt vorweisen zu können. Ob das tatsächlich der Fall ist, wird man sehen. Ich bin mir da nicht so sicher. Doch selbst wenn dem so ist, ist das längst keine Trendwende. Denn die Kosten für die  Zinszahlungen, sowie die Etats von Kommunen, Regionen und Sozialversicherung werden im Primärhaushalt nicht berücksichtigt. Unterm Strich steigen die Schulden des Landes weiter, bis zum Ende des Jahres auf über 170 Prozent der Wirtschaftsleistung. Diese Last kann Griechenland niemals tragen. Hinzu kommt: Die Wirtschaft schrumpft ununterbrochen weiter – und auch die Hilfsgelder aus dem zweiten Rettungspaket werden aller Voraussicht nach nicht reichen.

Herr Otte, schafft Griechenland die Wende – oder droht das Land zu scheitern?

Wirtschaftsprofessor Max Otte Quelle: dpa

Max Otte: Griechenland droht nicht zu scheitern, es ist längst gescheitert. Die Wirtschaftsleistung des Landes ist seit dem Ausbruch der Krise um 25 Prozent zurückgegangen. Die Mittelschicht verarmt. In Thessaloniki bringen Eltern zum Teil ihre Kinder ins Waisenhaus weil sie sie nicht mehr ernähren können. Es ist ein Drama, was in dem Land passiert.

Frank Schäffler: Genau deswegen müssen wir Griechenland die Chance für einen Neuanfang geben. Wenn die Wirtschaft in einem Land wegbricht und keiner mehr investiert, dann können sie den Niedergang durch Transferzahlungen verlangsamen. Aber die Mittel, die nötig sind, werden sie auf Dauer nicht stemmen können. Wir brauchen eine atmungsaktive Währungsunion. Wenn ein Teil der Länder um einen zweistelligen Bereich schrumpft, während wirtschaftlich starke Nationen wachsen, wird der Spannungsbogen immer größer. Das wird man auf Dauer nicht ausgleichen können.

Zu den Personen

Max Otte: Hinzu kommt: Die ganzen Rettungsmilliarden der Euro-Partner haben den Menschen in Griechenland überhaupt nichts gebracht. Die griechischen Staatsschulden lagen zu Beginn der Euro-Krise zum Großteil im eigenen Land. Als der Staat kurz davor war, seine Schulden nicht mehr bedienen zu können, kamen die Banken, der größte Geldgeber der Regierung, ins Wanken. Doch wem gehören die Banken? Den zehn großen, milliardenschweren Familien, die in Griechenland seit Jahrzehnten das Sagen haben. Mit dem ersten Rettungspaket für Griechenland wurde nicht das Land gerettet, sondern die Besitzer der Banken, also: die großen Dynastien. Wer wirklich den Menschen vor Ort helfen will, der muss für einen Euro-Austritt des Landes sein. Nur so gibt es die Chance, per Abwertung die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, Investoren anzuwerben und die Menschen wieder in Arbeit zu bekommen.

„Die Ängste vor einem Flächenbrand sind überzogen"

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
Francois hollande Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: dpa
José Manuel Barroso Quelle: REUTERS
Wolfgang Schäuble Quelle: AP
Martin Schulz Quelle: REUTERS
Antonis Samaras Quelle: dapd
Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Griechenland scheint den Euro-Ausstieg nicht als Chance, sondern als Gefahr zu sehen. Es gibt keine Anzeichen, dass das Land freiwillig die Währungsunion verlässt. Was können die Euro-Partner tun, um den Kreislauf von immer neuen Transferzahlungen zu stoppen?

Frank Schäffler: Es muss Austrittsmöglichkeiten geben, aber auch Ausschlussmöglichkeiten, wenn sich ein Land nicht an die Regeln, in dem Fall die Stabilitätskriterien, hält. Wenn immer einer bei Rot über die Ampel fährt, dann können die anderen nicht die Strafzettel zahlen. Die Europäischen Verträge sehen die Möglichkeit bislang nicht vor, die Euro-Zone zu verlassen. Das müssen wir ändern.

Max Otte: Ich möchte betonen: Es ist nicht unsolidarisch, jemanden aus der Währungsunion hinauszuwerfen. Eine Staatsinsolvenz ist nicht das Ende eines Landes. Das Kreditrating geht dann zunächst runter, neue Schulden werden teurer. Aber: Die Altschulden sind dann weg, der Staat hat wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten. In Südamerika haben mehrere Länder die Wende zum Guten nach einem Staatsbankrott geschafft.

Die Bundesregierung warnt vor den großen Gefahren der Pleite eines Euro-Mitgliedsstaates. Droht nach einem Euro-Exit eines Landes ein Flächenbrand und gar das Ende der Währungsunion?

Max Otte: Diese Horror-Szenarien sind lächerlich. Wie sollte der Austritt Griechenlands aus dem Euro die Gemeinschaftswährung gefährden? Griechenland steuert zwei Prozent zu der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone bei. Zwei Prozent!

Frank Schäffler: Ich halte die Ängste bei selektiven Austritten auch für überzogen. Es gibt Risiken, keine Frage. Aber die großen europäischen Banken sind besser vorbereitet, als auf die Krise von 2008. Sie haben Rücklagen gebildet und Verluste aus Griechenland-Krediten längst einkalkuliert. Vereinzelt würden Institute, insbesondere in Griechenland, sicher in Schwierigkeiten kommen. Dann müssen die Banken die Verluste abschreiben und ihre Eigentümer belangen. Sie haben ja schließlich auch jahrelang gut von den Zinsen gelebt. Sollte das nicht reichen, müssen die Banken mit dem Geld der Steuerzahler stabilisiert werden.

"Einen zweiten Schuldenschnitt für Athen wird es nicht geben"
Angesichts der anhaltenden Krise in Griechenland wird derzeit über erneute Schuldenerleichterungen für Athen diskutiert. Von einem Schuldenschnitt aber will die Regierung nichts wissen. So betont Wolfgang Schäuble (CDU) betont: "Fest steht: Einen zweiten Schuldenschnitt für Athen wird es nicht geben." Glaubhaft? Quelle: dpa
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder hat noch am 11. August einen Schuldenschnitt für das hochverschuldete Griechenland ausgeschlossen. "Wenn man Griechenland Schulden erlässt, stehen demnächst andere Länder auf der Matte und wollen auch einen Schuldenschnitt. Damit wären einige Länder Schulden los, andere müssten welche machen, weil sie ihr Geld nicht zurückbekommen. Außerdem lässt die Aussicht auf einen Schuldenschnitt die Reformbemühungen erlahmen. Das kann niemand wollen", sagte Kauder der "Bild-Zeitung". Quelle: dpa
Kanzlerin Angela Merkel sagte noch im Juli: "Griechenland ist dank der sehr reform- orientierten Regierung Samaras vorangekommen. Ich gehe davon aus, dass die Schuldentragfähigkeit auch weiterhin gegeben ist." Quelle: dpa
Mindestens genauso überzeugt zeigt sich der SPD-Herausforderer Peer Steinbrück (SPD), der wahlkampfkonform einem zweiten Schuldenschnitt für Griechenland ablehnt. "Die Folge wäre, dass es eine sehr starke Zurückhaltung geben würde, überhaupt noch in Staatsanleihen zu investieren," sagte Steinbrück. Quelle: Reuters
Rainer Brüderle, Fraktionschef der FDP-Bundestagsfraktion, hielt einen erneuten Schuldenschnitt zwar für denkbar - allerdings erst in drei Jahren: "Ein Schuldenschnitt ist nur längerfristig und nach dem Erreichen des Primärüberschusses vorstellbar. Das ist meiner Ansicht nach frühestens 2016 möglich", sagte er im November 2012. Quelle: Reuters
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte Anfang August: "Für einen Schuldenschnitt sehe ich keine Notwendigkeit. Ein solcher Schritt würde das gerade neu gewonnene Vertrauen in die Eurozone erschüttern und den Reformdruck von den Krisenländern nehmen." Quelle: dpa

Max Otte: Aber – wie Sie richtig sagen – erst nachdem die Besitzer und Großsparer belangt werden. Darüber hinaus glaube ich, dass einzelne Austritte von Euro-Krisenstaaten den Druck aus dem Kessel nehmen und gleich drei Vorteile haben. Erstens: Griechenland kann dann seinen eigenen Weg gehen und neu anfangen. Zweitens: Die Märkte bekommen signalisiert, dass Fehlverhalten einzelner Staaten von der Gemeinschaft nicht toleriert wird. Das stärkt das Vertrauen in den Euro und dürfte die Renditen purzeln lassen. Und drittens werden die europäischen Steuerzahler endlich geschont.

Frank Schäffler: Sie haben einen vierten Punkt vergessen: Wir dürfen die Gefahren nicht unterschätzen, die ein spontanes ungeordnetes Auseinanderbrechen der Euro-Zone hätte. Deshalb wäre es geradezu clever, Austritte zunächst von Euro-Mitgliedern in der Peripherie zu erlauben. Länder, die eine relativ kleine Volkswirtschaft haben. Die Gefahren könnte man deutlich besser begrenzen, als wenn gleich mehrere Staaten die Währungsunion verlassen würden. Fakt ist: Die Euro-Zone wird zwar mit allen Mitteln verteidigt, doch kann sie in dieser Form keinen dauerhaften Bestand haben. Ob die Rettungspolitiker wollen oder nicht.

„Nach zehn Jahren sind 25 Prozent ihres Vermögens weg“

Wo die Inflation zuschlägt
Die Inflation frisst das Vermögen auf. Im Dezember lag die Preissteigerungsrate zwar nur bei 2,1 Prozent, von einer Preisexplosion ist Deutschland 2012 verschont geblieben. Jedoch machen die niedrige Zinsen vielen Anleger zu schaffen. Vor einigen Jahren konnten Anleger mit dem Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen solider Schuldner noch einen realen Vermögenerhalt genieren. Heute ist dies nicht mehr möglich. Gleichzeitig schrecken die großen Schwankungen an den Aktienmärkten viele Sparer von einem Investment ab. Wir zeigen ihnen mit welchen Vermögenswerten sich die Inflation ausgleichen lässt. Quelle: dpa
GeldmarktAm Geldmarkt ist momentan nicht viel zu holen. Die Niedrigzinspolitik der EZB drückt die Renditen von Sparbuch und Tagesgeld. Im Durchschnitt erzielten Anleger mit ihrem Tagesgeldkonto eine Rendite von 0,74 Prozent. Noch schlechter fuhren Sparer mit ihrem Sparbuch. Gerade einmal 0,37 Prozent gab es im Durchschnitt. Die Inflation lässt sich damit nicht ausgleichen. In Deutschland sind beide Anlageobjekte trotzdem nach wie vor der Renner. Quelle: gms
Deutsche StaatsanleihenDeutsche Staatspapiere gelten am Markt nach wie vor als sichere Anlage. Schließlich genießt die Bundesrepublik noch immer Triple-A-Status. Die Zinsen für deutsche Bundespapiere gingen dagegen im letzten Jahr dramatisch zurück. Gerade einmal 0,45 Prozent erhielten Anleger als Zinsgutschrift. Nach Abzug der Inflation steht damit ein realer Vermögensverlust von knapp 1,5 Prozent. Quelle: dpa
UnternehmensanleihenVor einigen Jahren standen Unternehmensanleihen aus den USA und Deutschland bei Anlegern hoch im Kurs. Schließlich lag der Zinskupon weit über der Inflationsrate. Zudem lag das Insolvenzrisiko deutlich niedriger, als vor der weltweiten Banken -und Staatsschuldenkrise. Heute werfen Unternehmensanleihen im Durchschnitt 1,66 Prozent ab. Allerdings liegen die Anleihen aus Deutschland deutlich vor ihren amerikanischen Konkurrenten. Mit einer Rendite von knapp über zwei Prozent gleichen deutsche Unternehmensanleihen sogar knapp die Inflationsrate aus. Die meisten amerikanischen Firmen bieten dagegen Zinsen weit unter zwei Prozent. Quelle: dpa
Anleihen SchwellenländerBrasilien gehört zweifelsohne zu den künftigen Wirtschaftsmächten dieses Planeten. Mit steigender Bonität und Attraktivität für ausländische Investoren dürfte der Refinanzierungssatz in den kommenden Jahren deutlich sinken. Heute liegt die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aber noch bei knapp neun Prozent. Auch andere Schwellenländer bieten noch attraktive Zinssätze. Im Durchschnitt liegt dieser bei 2,29 Prozent. Quelle: dpa
Aktienmarkt - DividendenrenditeGerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger investiert sein Geld in Aktien. Und das obwohl der Dax im abgelaufenen Jahr einen seiner besten Jahre aller Zeiten hingelegte. Einen Kursgewinn von knapp 30 Prozent verbuchte der deutsche Leitindex im Jahr 2012. Neben den Kursgewinnen profitierten die Anleger auch von soliden Dividendengewinnen. Im Durchschnitt betrugen diese im Dax 2,42 Prozent und lagen damit höher als in den amerikanischen Indizes. Anleger sollten einen Blick auf Unternehmen werfen, die über Jahre hinweg konstante Dividenden zahlten. Allerdings bleiben die Kursschwankungen ein nicht zu unterschätzendes Risiko und können die Dividendenrendite gegebenenfalls weit übersteigen. Quelle: rtr
Junk-BondsGemessen am aktuellen Zinsniveau sind Anleihen mit niedriger Bonität, umgangssprachlich auch Ramsch-Anleihen oder Schrottanleihen, der absolute Rendite-Knüller. Im Durschnitt kommen die Zocker-Papiere auf eine Rendite von 3,81 Prozent. Griechische Staatsanleihen bringen momentan, abhängig von der Laufzeit, eine Rendite von bis zu 30 Prozent - diese Papiere sind aber nur sehr wagemutigen Anlegern zu empfehlen. Quelle: dapd

Momentan wird die Währungsunion in ihrer jetzigen Form durch Transferzahlungen und der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank am Leben gehalten. Zahlen die Sparer die Zeche für Undiszipliniertheiten in den südeuropäischen Ländern?

Max Otte: Das ist zweifellos so. Die Nominalzinsen liegen derzeit bei 0,5 Prozent, bestenfalls bei 1,0 Prozent. Die Inflationsrate liegt gleichzeitig bei 2,0 Prozent – offiziell. Wenn Sie mich fragen, ist die Teuerungsrate aber viel höher. Das Statische Bundesamt gewichtet ihren Warenkorb zur Berechnung der Inflation falsch. Wichtig für den Durchschnittsbürger sind doch die Kosten für Miete, Nahrungsmittel, Energie und Dienstleistungen. Deren Preise steigen doch mit mehr als zwei Prozent. Da sind sie eher bei einer Inflationsrate von 4,0 Prozent. Sprich: Unterm Strich verlieren sie im Jahr drei Prozent. Das klingt nicht nach viel. Aber nach zehn Jahren sind 25 Prozent ihres Vermögens weg.

Frank Schäffler: Wenn wir diesen Weg in der Euro-Rettung weitergehen, wird der Sparer schleichend, signifikant und kalt enteignet. Das kann fatale Folgen haben: Denn die Bürger werden sich sagen: Wozu soll ich dann noch sparen? Die Sparer, die im Alter unabhängig sein wollten, sind plötzlich abhängig vom Staat. Das wird dazu führen, dass keiner mehr spart und die Mitte der Gesellschaft auseinanderbricht. Dann wird es nicht lange dauern und die Menschen werden am System, an der Demokratie, zweifeln. Wir müssen hier und jetzt für Marktwirtschaft kämpfen.

Was seit Jahresbeginn aus 100.000 Euro geworden ist
Silber62.510 EuroZu den größten Geldvernichtern gehörte die Anlage in Silber. Hätte man am 1. Januar 2013 100.000 Euro in Silber investiert, wäre das Investment am Ende des ersten Halbjahres nur noch 62.510 Euro wert. Silber gilt nicht nur als Schmuck- und Anlagemöglichkeit, sondern ist auch ein wichtiges Industriemetall. Schlechte Konjunkturnachrichten aus China ließen deshalb auch den Silberpreis fallen. Zudem belastete auch der Preisverfall bei Gold den Silberpreis. (Quelle: Handelsblatt, Ergebnisse gerundet, ohne Steuern und ohne Kosten für Wertpapierverkauf.)Stand: 30.06.2013 Quelle: dpa
Brasilianische Aktien73.320 EuroGroßveranstaltungen spalten das Land. Die horrenden Kosten für die Fußball-WM und die Olympischen Spiele, die in dem Land ausgetragen werden sollen, verärgern die Bevölkerung. Zumal die Regierung auf der anderen Seite die Kosten für den Nahverkehr erhöht. Brasilien erlebt 2013 einen Wachstumseinbruch. Bis Mai 2013 wuchs die Wirtschaftskraft gerade mal um 0,6 Prozent, gleichzeitig stieg die Inflationsrate auf 6,5 Prozent und die Lebensmittelpreise um 13 Prozent. Das machte brasilianische Aktien unattraktiv. Quelle: dpa
Gold74.490 EuroDer Goldpreis hat eine Talfahrt hinter sich wie lange nicht mehr. Der Preis pro Feinunze fiel sogar unter die Marke von 1.200 Dollar. An dem Edelmetall scheiden sich die Geister. Während einige Experten die mehr als 10-jährige Goldrally für beendet erklären, halten andere an ihrem Investment in Gold fest. Egal wie man die weiteren Aussichten für Gold bewertet, 2013 war es kein gutes Investment. Quelle: dpa
Namibische Aktien75.850 EuroNamibias Wirtschaft besteht zu 20 Prozent aus Bergbau. Neben Diamanten und Gold werden auch Industriemetalle wie Kupfer gefördert. Zwar gehört Namibia zu den reicheren Ländern Afrikas, hat aber eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Die sinkende Nachfrage von Rohstoffen belastet auch Namibias Unternehmen. Namibische Aktien haben im ersten Halbjahr somit aus 100.000 Euro 75.850 Euro gemacht. Quelle: dpa
Russische Aktien83.690 EuroHätte man sein Geld in russische Aktien an der Micex investiert, wäre man nicht gut gefahren. Nicht nur die Proteste gegen die Regierung, sondern auch die stotternde Wirtschaft belasten das Land. Russland ist der größte Energieproduzent der Welt. Doch außer der Energiesparte kann das Land wenig vorweisen. Russische Aktien gelten bei Investoren als unattraktiv, weil das Land mit zu vielen politischen Unsicherheiten belastet ist. Quelle: AP
Südafrikanische Aktien84.720 EuroBei der berühmten BRICS-Strategie steht das S für Südafrika. Investoren steckten viel Hoffnung in das aufstrebende Land. 2013 enttäuschte der Aktienmarkt jedoch. Während die Indizes der Industrieländer kletterten, ging es für die meisten Emerging Markets abwärts. Quelle: dpa
Kupfer85.940 EuroAnleger kündigen Rohstoffen die Treue. Das gilt auch für Kupfer. Das Industriemetall wird vor allem von China, dem rohstoffhungrigsten Land, nachgefragt. Jede Meldung über ein langsameres Wirtschaftswachstum Chinas belastete damit den Kupferpreis. Quelle: dpa

Max Otte: Es gibt noch einen zweiten Verlierer der Niedrigzinspolitik: den Mittelstand. Die niedrigen Zinsen helfen den großen Banken, den Family-Offices der Reichen, die ihr Geld nämlich nicht auf dem Sparbuch parken – und Staaten und Hedgefonds, die sich billig verschulden können. Die Folge: Die Private-Equity-Unternehmen nehmen massig Geld in die Hand und kaufen Mittelständler auf. Und dann zocken sie mit den Unternehmen und schauen mal, wie viel Geld sich dort herausziehen können. Die aktuelle Politik bestraft Kleinstrukturen und belohnt die Großen. Nicht umsonst erleben wir seit einigen Jahren eine Explosion der Zahl der Superreichen.

Herr Schäffler, wird der neu gewählte Bundestag dieser Tendenz entgegentreten?

Frank Schäffler: Dafür kämpfe ich. Umso besser mein Ergebnis ist, desto mehr Gewicht hat mein Wort in der FDP-Fraktion. Wir müssen in der neuen Legislaturperiode verhindern, dass sich die Transferunion verfestigt. Eurobonds darf es nicht geben. Aber das alleine reicht nicht. Meine Prognose: Die Kapitalisierung der Banken steht an. Man wird das Geld aus Rettungspaketen und Notkrediten also nicht mehr den Staaten geben, weil es deren Schuldenberg erhöht, sondern gibt es den Banken direkt. Ich glaube nicht, dass das dazu führt, dass die betroffenen Banken künftig besser haushalten. Wir müssen diesen Forderungen also Einhalt gebieten.

Was die FDP für die Euro-Rettung plant

Max Otte: Ich schätze Ihre Haltung und Ihren Mut. Ich fürchte aber, dass Sie sich mit Ihrer Meinung nicht durchsetzen können. Diejenigen, die im Bundestag eine andere Meinung haben, sind lautstark und verfügen über eine mächtige Lobby – Großkonzerne, die EU-Bürokratie – im Hintergrund. Auf Ihrer Seite, Herr Schäffler, sind einzig die Familienunternehmer und die Sparer. Das wird nicht reichen, um die Euro-Rettung um jeden Preis und zu Lasten der Sparer zu stoppen.

„Jetzt ist ein guter Moment, Gold zu kaufen“

Die Goldpreisprognosen der ängstlichen Analysten
Goldbarren Quelle: dpa
Goldman SachsDer Goldpreis wird im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent sinken. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Sie sehen trotz eines beschleunigten US-Wirtschaftswachstums erhöhte Abwärtsrisiken für Rohstoffe. Die Preise für Gold, Kupfer und Sojabohnen werden demnach auf das niedrigste Niveau seit 2010 sinken. Die Goldman-Sachs-Analysten gehen beim Goldpreis von einem Rückgang bis Ende nächsten Jahres auf 1050 Dollar je Unze aus. Stand: 22. November 2013 Quelle: REUTERS
Die Schweizer Bank UBS prognostiziert im Jahresdurchschnitt für 2013 einen Goldpreis von 1396 Dollar je Unze. 2014 soll dann ein Durchschnittspreis von 1435 Dollar je Unze erreicht werden. Damit nahm die Bank ihre Prognose für das laufende Jahr um neun und für das kommende Jahr um zehn Prozent zurück. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
Morgan StanleyFür 2013 geht die US-Bank nun von 1409 Dollar je Unze aus, nachdem es zuvor noch 1487 Dollar gewesen waren. Für 2014 rechnen sie mit 1313 Dollar je Unze, zuvor waren es 1563 Dollar. Für 2015 nahmen sie die Prognose von 1450 auf 1300 Dollar zurück. Stand 25. Juni 2013 Quelle: dapd
HSBCDie größte Bank der Welt senkte ihre Prognose für den Goldpreis auf einen Jahresdurchschnitt von 1396 Dollar je Unze in 2013 und 1435 Dollar für 2014. Damit senkte sie ihre alten Prognosen um neun bzw. zehn Prozent. Stand: 25. Juni 2013 Quelle: REUTERS
RBC Capital   Prognose am 1. Januar: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze) Prognose am 11. April: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze) Prognose am 28. Mai: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)   Alle Prognosen beziehen sich auf den erwarteten Goldpreis im vierten Quartal 2013. Quelle: Bloomberg; Stand: 28. Mai Quelle: REUTERS
Danske Bank Quelle: PR

Wie können Anleger ihr Geld retten?

Max Otte: Für mich gilt ganz klar die Faustformel: Sachwert schlägt Geldwert. Der Besitz von Immobilien, Edelmetalle und Aktien ist besser, als das Geld auf dem Sparbuch oder bei der Lebensversicherung zu parken. Noch einmal: In gewisser Weise ist Ihr Geld auf dem Sparbuch sicher. Eine Diskussion wie bei der Zypern-Rettung, wo über eine Beteiligung der Kleinsparer in Erwägung gezogen wurde, wird es in Deutschland nicht geben. Das wird sich keine Partei und keine Bank leisten können. Sie bekommen ihr Sparguthaben also jederzeit ausgezahlt. Die Frage ist nur: Was Ihr Geld dann noch wert ist? Sie verlieren bei Sparguthaben drei bis vier Prozent jedes Jahr.

Frank Schäffler: Wichtig ist aber der Hinweis, dass die Geldanlage nicht risikofrei ist und sie etwas von der Materie verstehen müssen. Sie müssen sich mit dem Thema beschäftigen.

Max Otte: Das stimmt. Preis und Wert fallen bei Kapitalmarktgütern auseinander. Das zu beurteilen, ist ein Profigeschäft. Grundsätzlich aber kann man sagen: Der Dax ist nicht überbewertet. Er hat aktuell einen fairen Preis – mit etwas Luft nach oben. Ein Fonds, der sich aus Dax-Werten bildet, dürfte also eine gute Anlage sein. Auch in Europa gibt es viele lohnenswerte Aktien. Gute Unternehmen aus den Peripherieländern sind teilweise grotesk unterbewertet. Schauen sie sich den Eurostoxx 50 an. Da gibt es viele Aktien mit Potenzial. Denn selbst wenn die Euro-Zone auseinanderfliegt, werden Unternehmen wie Axa, EADS, Danone oder BMW weiter existieren – und auch Gewinne machen. Auch hier bietet sich ein Indexfonds an.

So steht es um die wichtigsten Edelmetalle

Gehört auch Gold ins Portfolio?

Max Otte: Ich bin kein Goldfanatiker, aber Edelmetalle sind eine gute Ergänzung für jedes Depot. Gold war in meinen Augen auch bei einem Wert von 1800 US-Dollar je Feinunze nicht zu teuer. Jetzt liegen wir bei etwa 1350 Dollar. Wer noch kein Gold besitzt: Jetzt ist ein günstiger Moment zum Einstieg. Ihre Sparkasse wird sich darüber nicht freuen, die werden Ihr Geld lieber für Sie anlegen, aber die können alle Gold liefern. Aber bitte sehen Sie Gold nicht als alleinige Geldanlage an. Investieren Sie fünf Prozent, vielleicht auch 10 Prozent Ihres Vermögens. Aber bitte nicht alles.

Was halten Sie von einem Hauskauf – bevor der große Euro-Crash kommt?

Max Otte: Die Immobilien sind ein zweischneidiges Schwert. Generelle Aussagen sind nicht möglich. In den Ballungsräumen sind die Preise schon sehr hoch. In München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin bilden sich Blasen. Da muss man aufpassen. Hier würde ich nur zu absoluten Top-Adressen raten: Herausragende, exklusive Immobilien mit einem Top-Standort. Auch luxuriöse Ferienimmobilien können sich lohnen. Die haben natürlich ihren Preis, werden aber auch im Wert steigen. Denn die Reichen in Deutschland und in der Welt werden reicher. Und das Angebot ist begrenzt. Abseits der Universitätsstädte und Ballungsgebiete spricht viel gegen den Hauskauf: der demografische Wandel, mögliche Steuererhöhungen, eine sinkenden Mietmoral.

Frank Schäffler: Ich möchte noch einmal betonen: Einen baldigen Zusammenbruch der Euro-Zone halte ich für unwahrscheinlich. Es gibt den politischen den Rettungswillen, die Euro-Zone als Währungsraum zu verteidigen: von den Regierungen in den Nationalstaaten, von der Europäischen Union und von der Europäischen Zentralbank. Ich erwarte in den kommenden Jahren eher ein Durchwurschteln, das aber irgendwann an seine Grenzen stoßen wird. Bezahlen müssen dies die Sparer mit Inflation.

Max Otte: Ein Auseinanderfliegen der Euro-Zone ist für mich auch nicht sehr wahrscheinlich. Die schleichende Enteignung der Bürger wird sich noch eine ganze Weile fortsetzen.

Dem Autor bei Twitter folgen:

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%