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Schuldenkrise Musterschüler Portugal steckt in der Klemme

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Die Konjunktur zieht nicht an

Zudem wurde ein neues Wettbewerbsrecht verabschiedet und diverse Berufe liberalisiert. Auch auf dem Mietmarkt griff Coelho durch. Der Markt mit extrem niedrigen Mieten und entsprechend maroden Gebäuden wurde dereguliert. Die Lohnstückkosten wurden nach unten gedrückt. Der durchschnittliche Stundenlohn in Portugal liegt mit 12,10 Euro rund 40 Prozent unter dem Wert Spaniens. Troika, Ratingagenturen und EU-Kommission loben Portugal.

Allein: Die Konjunktur zieht nicht an. Portugiesische Unternehmen leiden unter schrumpfenden Absätzen im Inland, im Hauptabnehmerland Spanien und in der Euro-Zone. Nach Schätzung der Notenbank in Lissabon wird die portugiesische Wirtschaft in diesem Jahr um drei und 2013 um weitere 1,6 Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosenquote erreichte zuletzt den Rekord von 15,9 Prozent und soll 2013 weiter auf 16,4 Prozent wachsen. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt sogar 40 Prozent.

Europa



Viele junge Portugiesen flüchten Ausland. Amtliche Zahlen gibt es nicht, Experten schätzen aber, dass 2011 und 2012 insgesamt 200.000 bis 250.000 Menschen ausgewandert sind. In den meisten Fällen sind es die Gut- und Hochqualifizierten, die gehen. Portugal droht der „brain drain“.

Passos Coelho will nun mit einem Mix aus Reformen und der Lockerung von Sparzielen das Kunststück schaffen, die Stimmung der Bevölkerung positiv zu halten, gleichzeitig aber die Geldgeber bei Laune zu halten und mögliche künftige Investoren zu gewinnen. „Die Regierung fühlt sich allen Zielen des Hilfsprogramms verpflichtet“, wirbt Coelho um Zustimmung. So glaubwürdig wie bis zum Jahreswechsel klingen die Worte aber nicht mehr.

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