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Schuldenkrise Zypern hofft auf Wachstumsschub

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Die Russen kommen

Wie im Nachbarland Griechenland ist der öffentliche Dienst auf Zypern hoffnungslos aufgebläht. Dadurch sind Kosten entstanden, die das Land eigentlich nicht tragen kann Quelle: AP

Laut einem Zeitungsbericht soll sich Zyperns Präsident Demetris Christofias nun persönlich in einem Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewandt haben. "Russland ist traditionell ein enger Partner“, erklärt Koch. Alleine in Limassol leben 50.000 Russen, viele Unternehmen haben einen Ableger auf der Insel. Und vor allem: Viele russische Bürger haben Bankkonten auf der Mittelmeerinsel. Seit im Öl- und Rohstoffboom nach der Jahrtausendwende viele Russen nach einem sicheren Platz  für ihr Geld suchten, lockte Zypern sie auch mit einfach zu erwerbendem Grundbesitz, Aufenthaltserlaubnis oder gar Staatsbürgerschaften. Einen Kollaps der Insel würden viele Exil-Russen auch ihrer Führung in Moskau ankreiden.

Ob mit Moskau oder ohne: Dank der EU-Hilfen dürfte Zyperns größtes Problem eingedämmt sein. Doch es gibt noch weitere Herausforderungen, die das Land schnellstmöglich meistern muss. So ist der demografische Wandel im laufenden Gange, doch die Politik ignoriert die Herausforderung. Die Binnenwirtschaft ist streng reguliert und bremst jede Art von Wettbewerb aus und das Renten- und Gesundheitssystem ist antiquiert und teuer.

Beamte werden fürstlich entlohnt

Zyperns Staatsdiener werden mit durchschnittlich 46.700 Euro im Jahr fast doppelt so gut entlohnt wie die Angestellten in der Privatwirtschaft. Die Personalkosten sind seit der Einführung des Euro 2008 im Staatssektor allein um 25 Prozent gestiegen. Und: Wie im Nachbarland Griechenland ist der öffentliche Dienst auf der Mittelmeer-Insel hoffnungslos aufgebläht. Dadurch sind Kosten entstanden, die das Land eigentlich nicht tragen kann.

Teuer, aber machbar - Euro ohne Griechenland

Das Haushaltsdefizit wird dieses Jahr voraussichtlich sieben Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen – die nach Prognosen des IWF im Übrigen dieses Jahr stagnieren und 2012 leicht schrumpfen dürfte. Die Staatsschulden werden in diesem Jahr wohl auf über 13,5 Milliarden Euro steigen, das sind 76,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im jüngsten Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) hieß es, die Lage der Wirtschaft der Insel sei „verwundbar und beängstigend“. Tatsache ist: Zyperns Wirtschaft wird in diesem Jahr schrumpfen. Die zypriotische Notenbank rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent. Bisher hatte die Zentralbank ein Null-Wachstum prognostiziert.

Weniger Touristen, höhere Defizite

"Durch die Krise in Europa leidet insbesondere der Tourismus-Sektor", weiß Reederei-Chef Eberhard Koch. Es kämen deutlich weniger Besucher auf die Insel als noch nach der Jahrtausendwende. Ein Problem für das kleine Land, schließlich bildet die Tourismusbranche nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle der Wirtschaft. Hinzu kommt: Die zypriotische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich 2010 in einem Handelsbilanzdefizit von 5,3 Milliarden Euro niederschlug. Die 2010 wieder stark gestiegenen Importe – Wert von 6,47 Milliarden Euro – stehen Export im Wert von gerade einmal 1,15 Milliarden Euro gegenüber. Größter Abnehmer sind die Länder der Europäischen Union, vor allem Großbritannien und Griechenland.

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