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Schuldenkrise Die griechische Tragödie

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Drastische Lohnsteigerungen

Die zehn größten Euro-Lügen
Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giorgios Papandreou Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
Mariano Rajoy Quelle: REUTERS

Die Inflation galoppierte. Nirgends in der Euro-Zone zogen die Preise schneller und steiler an. Um 3,6 Prozent verteuerten sich die Produkte zwischen dem Sommer 2001 und Juni 2002. Zum Vergleich: In der gesamten Euro-Zone lag die Inflationsrate im gleichen Zeitraum bei knapp 1,8 Prozent. Die Gewerkschaften reagierten – und setzen drastische Lohnsteigerungen durch.

Unternehmen und Notenbank warnten, zu hohe Abschlüsse könne sich das Land nicht leisten. "Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren", bat der ehemalige Chef der griechischen Zentralbank Nikolaos Garganas im August 2002 um Mäßigung. Denn: "Die Möglichkeit einer Abwertung, um den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit zu kompensieren, besteht nicht mehr."

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"Einmal ein schönes deutsches Auto besitzen"

Doch Garganas Worte verhallten, viele Griechen hatten genug vom Sparen. Immerhin habe man ja auch – wenn auch nur halbgar – vor der Euro-Einführung zurückgesteckt, um die Stabilitätskriterien nicht allzu dramatisch zu reißen, so die Mehrheitsmeinung. "Der Grieche war heiß auf den Euro. Er wollte einmal im Leben ein schönes deutsches Auto besitzen", erklärte Schlagersänger Costa Cordalis einst in der Talkshow "Menschen bei Maischberger". Die Folge: Die Löhne und damit auch die Lohnnebenkosten zogen spürbar an.

In der Gesamtwirtschaft schossen laut ifo-Institut die Lohnkosten zwischen 1999 und 2008 um sagenhafte 95 Prozent nach oben. Das sind mehr als 7,6 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland stiegen im gleichen Zeitraum die Lohnkosten um 15 Prozent.

Athens Agenda

Die Politik schaute zu. Schließlich galt es nicht nur, das Volk zu beruhigen, sondern auch die Olympischen Sommerspiele 2004 auszurichten. Halbfertige Stadien oder Autobahnen dank streikender Arbeiter: Darauf konnte man in Athen gut verzichten. Folglich durften auch die Staatsbediensteten einen großen Schluck aus der Lohnpulle nehmen. Um 94 Prozent stiegen die Lohnkosten pro Staatsbediensteten.

Unterentwickelte Industrie

Griechenland wurde teurer, ohne das die Produktivität merklich stieg. Die Wirtschaft verlor mehr und mehr ihre Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommt: Produkte, die weltweit gefragt sind und auch zu hohen Preisen abgesetzt werden können, stellten und stellen die Hellenen nicht her. Die Industrie ist im Vergleich zum Rest von Europa unterentwickelt. Nur 16 Prozent der Griechen arbeiten im verarbeitenden Gewerbe. Ihr Anteil an der gesamten Wertschöpfung liegt bei mauen 22 Prozent.

Kunden kauften woanders ein, Touristen flogen fortan lieber in die Türkei oder nach Tunesien, statt nach Athen.  

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