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Schuldenkrise Euro-Retter zittern vor der Frankreich-Wahl

Der Sozialist François Hollande hat beste Chancen, die französischen Präsidentschaftswahlen im April zu gewinnen. Sollte das gelingen, will er den Fiskalpakt aufweichen, Eurobonds einführen und Unternehmen drastisch besteuern. Damit gefährdet er Frankreichs Wirtschaft – und den Euro.

Der Sozialist François Hollande will französischer Präsident werden. Sein Wahlprogramm ist in einem Wort zu beschreiben: Klassenkampf. Quelle: REUTERS

Mag sein, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy tatsächlich inzwischen so gut versteht, dass sie den extrovertierten, selbstverliebten und launischen Franzosen blind vertraut. „Ich unterstütze Nicolas Sarkozy in jeder Façon, weil wir einfach zu befreundeten Parteien miteinander gehören – egal was er tut“, erklärte sie am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Der wahre Grund für Merkels offene Unterstützung des Amtsinhabers für den bevorstehende Präsidentschaftswahlkampf ist aber ein anderer: Die Furcht vor dem Sozialisten François Hollande.

Der 57-Jährige führt in den neuesten Umfragen mit zweistelligem Vorsprung. Er punktet bei jungen Franzosen, Arbeitnehmern und Rentnern gleichermaßen – mit seinem Wahlprogramm, das in einem Wort zusammenzufassen ist: Klassenkampf.

Von Arbeitsmuffeln und fleißigen Bienchen
Entspanntes Leben: Im Vergleich zu Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und den Niederlanden landet Frankreich auf dem letzten Platz. Und zwar dann, wenn es um die jährlich geleisteten Arbeitsstunden geht. Ein vollbeschäftigter Franzose arbeitet im Schnitt 1.679 Stunden. Noch weniger als 1999. Da waren es noch 1.950 Stunden. Quelle: dapd
Geht es um die Arbeitsproduktivität - also darum, wie viel die Franzosen im Schnitt in einer Stunde erwirtschaftet - sehen die Zahlen sehr viel besser aus: Ein französischer Arbeitnehmer bringt es auf 42,60. Quelle: ap
Großbritannien liegt mit 1.856 Arbeitsstunden pro Jahr im Mittelfeld. Auch die Briten haben ihre Arbeitszeit verringert. 1999 arbeiteten sie noch 1.960 Stunden. Quelle: ap
Während die Arbeitsproduktivität der Briten 1999 noch bei 33,70 Euro lag, liegt sie nun bei 41,70 - ein Plus von 23,6 Prozent. Quelle: Reuters
Die Italiener arbeiten fast so viel wie die Deutschen - nämlich 1.813 Stunden im Jahr. Aber auch Italien hat die Stundenanzahl im Vergleich zu 1999 gesenkt. Damals arbeiteten sie noch 1.928 Stunden pro Jahr.
Bei der Arbeitsproduktivität stehen die Italiener schlecht da. Sie liegt bei 35,60 Euro pro Stunde. Immerhin ein Plus von 6,7 Prozent im Vergleich zu 1999 (33,40 Euro). Quelle: dpa
Die Niederländer liegen bei der Anzahl der jährlichen Arbeitsstunden auf dem dritten Platz - mit 1.795 Stunden. Quelle: ap

Höhere Steuern für Unternehmen und Reiche

„Unser Land braucht einen Wandel“, sagt Hollande. Er meint damit: Die Kapitalmärkte müssen stärker reguliert, Unternehmen und Reiche drastischer besteuert werden. Die Einnahmen sollen den Arbeitnehmern zugute kommen, die höhere Löhne bekommen und früher in Rente gehen sollen.

„Das ist klassische Politik der französischen Sozialisten“ sagt Tanja Börzel, Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Integration an der Freien Universität Berlin gegenüber WirtschaftsWoche Online. „Sinnvoll ist sie aber noch lange nicht. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt, da sich die französische Wirtschaft in einem katastrophalen Zustand befindet.“

Schuld daran ist auch Nicolas Sarkozy. Schließlich hat er den Niedergang der französischen Wirtschaft seit seiner Amtszeit beschleunigt – durch die Verteilung von Wohltaten. Erst spät erkannte er den dringenden Reformbedarf, den François Hollande fatalerweise in Frage stellt.

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