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Schuldenkrise Europa droht Zypern mit Liebesentzug

Die Finanzminister der Eurozone können sich weiter nicht zu einem Rettungspaket für die maroden zypriotischen Banken durchringen. Auch in Deutschland gibt es erheblichen Widerstand.

Einem Zeitungsbericht zufolge darf Zypern in den kommenden Wochen nicht mit den eigentlich geplanten Hilfskrediten rechnen. Quelle: dapd

Zypern kann einem Zeitungsbericht zufolge in den kommenden Wochen nicht mit Hilfskrediten rechnen. Die Euro-Finanzminister, die eigentlich am 21. Januar Milliardenhilfe für die geteilte Insel zur Stabilisierung des maroden Bankensektors bereitstellen wollten, lehnen eine schnelle Hilfe ab. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Verhandlungskriese berichtet, wollen die Kassenhüter der Mitgliedsstaaten zunächst die bevorstehende Präsidentschaftswahl abwarten, die für 17. und 24. Februar angesetzt sind.

Hintergrund: In der Euro-Zone hofft man auf einem Machtwechsel, da sich die Gespräche mit dem amtierenden kommunistischen Präsidenten Dimitris Christofias schwierig gestalteten – der bisher jede Reform- und Sparbereitschaft vermissen lässt. Dabei hat das Land im abgelaufenen Jahr ein Haushaltsdefizit von 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehäuft. Die Staatsschulden werden in diesem Jahr wohl auf über 13,5 Milliarden Euro steigen, das sind 76,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dennoch sprach sich Christofias wiederholt und mit deutlichen Worten gegen eine strenge Sparpolitik aus. "Diese Politik, die uns aus der Krise führen sollte, hat unsere Probleme nicht gelöst, im Gegenteil, sie hat sie noch verschärft", so der Präsident.

Wissenswertes über Zypern

Zyperns Staatsdiener werden damit auch weiterhin mit durchschnittlich 46.700 Euro im Jahr fast doppelt so gut entlohnt wie die Angestellten in der Privatwirtschaft. Die Personalkosten sind seit der Einführung des Euro 2008 im Staatssektor allein um 25 Prozent gestiegen. Und: Wie im Nachbarland Griechenland ist der öffentliche Dienst auf der Mittelmeer-Insel hoffnungslos aufgebläht.

Die größten Sorgen bereiten aber die Banken des Landes. Sie haben durch Fehlinvestitionen riesige Kapitallücken angehäuft. Rund ein Viertel ihrer ausgereichten Kredite gingen an Griechen, zudem halten die zypriotischen Geldinstitute in hoher Zahl griechische Staatsanleihen. Der IWF schätzt die Außenstände der zypriotischen Banken gegenüber griechischen Schuldnern – dem Staat wie privaten Kreditnehmern – Ende letzten Jahres auf 29 Milliarden Euro. Das ist gut das Eineinhalbfache der jährlichen Wirtschaftsleistung. Ob ein Großteil der Kredite jemals zurückgezahlt werden kann, ist mehr als fraglich. Die ersten Banken wackeln schon jetzt. Experten sprechen von bis zu zehn Milliarden Euro, die Zypern für die Rekapitalisierung seiner Banken braucht.

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