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Schuldenkrise Notenbanken fluten globale Finanzmärkte

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Freude und Skepsis an den Märkten

Die Börsen der gesamten Eurozone profitierten stark von der konzertierten Aktion. Der EuroStoxx 50, der Index der 50 bedeutendsten Aktien der Euro-Zone, stieg um satte 3,8 Prozent. Auch die Börsen in Paris, Madrid und Mailand gewannen mehr als drei Prozent hinzu. Außerhalb der Euro-Zone war der Effekt weniger stark ausgeprägt: Der wichtigste Index der Londoner Börse, der FTSE 100, musste sich im Vergleich mit einem plus von einem halben Prozentpunkt begnügen. Der Euro gewann gegenüber dem Dollar deutlich an Wert.

Die Börsen in Europa hatten am Vormittag noch auf breiter Front nachgegeben. Für Verunsicherung sorgte die Ratingagentur Standard & Poors, die am späten Dienstagabend die Bonitätsnoten von UBS AG, Citigroup Inc., Goldman Sachs Corp. und anderen Finanzinstituten herabgestuft hatte. Im Fall von Deutsche Bank AG und Credit Suisse Group AG blieb es bei einer Senkung des Ausblicks.

Analysten weiter kritisch

Analysten begrüßten das konzertierte Vorgehen in ersten Reaktionen einmütig. Dies zeige, dass die Verantwortlichen das Problem endlich angingen, sagte etwa Mark Cliffe, Chefvolkswirt der ING Group. „Zuletzt haben wirklich düstere Szenarien die Runde gemacht. Angesichts dessen ist es wirklich umso wichtiger, dass sie nun mit aggressiven Maßnahmen das Bankensystem unterstützen.“ Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel erklärte, die Notenbanken wollten vor allem eine neue Liquiditätskrise abwenden, die wie schon nach der Lehman-Pleite vor drei Jahren das globale Finanzsystem lähmen könnte: „Die Notenbanken stehen Gewehr bei Fuß. Jegliche Anzeichen einer Liquiditätskrise werden mit allen Mitteln bekämpft. Wenn Verspannungen auftreten, werden sie nachschießen.“

Doch schon am späteren Nachmittag waren von Börsenanalysten zunehmend kritische Stimmen zu hören. Giuseppe Amato etwa, Analyst bei Lang&Schwarz, bleibt skeptisch: „Der Markt mag Liquidität. Allerdings muss man abwarten, ob sich die Lage am Interbankenmarkt entspannt. Denn dies ist nur ein Herumlaborieren am Symptom, fundamental ändert sich nichts". Ähnlich sieht es Rainer Sartoris von der Großbank HSBC Trinkaus. „Die Notenbank tragen ihren Teil dazu bei, die Finanzkrise zu entschärfen. Es muss aber klar sein, dass viele Probleme damit nicht gelöst werden. Aber es wird wenigstens sichergestellt, dass die Banken genügend Dollar-Liquidität bekommen - und zwar zu besseren Konditionen als bisher über die Dollar-Tender der EZB.“

Für Junya Tanase, Chef-Devisenstratege bei JPMorgan Chase in Tokio, bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: „Das Hauptaugenmerk liegt weiter auf der Frage, woher das Geld kommt. Hierzu gab es keine neuen Informationen. Schlussendlich hängt alles davon ab, ob sich die EZB stärker in der Schuldenkrise engagiert, da sie der einzige belastbare Geldgeber ist.“

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