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Schuldenkrise Taumelt Europa dem kollektiven Bankrott entgegen?

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Gigantische finanzielle Belastungen

Dax verwackelt Quelle: dapd

Gelingt es den Krisenländern nicht, ihre Wirtschaft auf Trab zu bringen und ihre Staatshaushalte zu sanieren, müssen Deutschland und die wenigen verbliebenen soliden Länder aus Nordeuropa immer mehr Geld gen Süden schaufeln – oder sie müssen ein Auseinanderbrechen der Währungsunion riskieren. Auf Deutschland kommen damit gigantische finanzielle Belastungen zu – in einer Zeit, da das Land eigentlich Überschüsse im Staatshaushalt erwirtschaften müsste, um Vorsorge für die finanziellen Belastungen durch die Alterung der Bevölkerung zu treffen. „Das Schicksal der deutschen Staatsfinanzen liegt in der Hand der Krisenländer“, urteilt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Schaffen sie es nicht, ihre Finanzen zu sanieren, ist auch Deutschlands Kreditwürdigkeit perdu.

Kein Wunder, dass die Nervosität an den Märkten zunimmt. Zwar löste das Moody’s-Votum kein Börsen-Beben aus. Den ersten Test nach dem Warnschuss der Agentur bestand der Bund mit Bravour. Am vorigen Mittwoch platzierte die Bundesfinanzagentur eine 30-jährige Bundesanleihe. Für die drei Milliarden Euro musste Finanzminister Schäuble nur 2,17 Prozent Zinsen zahlen. „Die niedrigste Rendite aller Zeiten“, jubelte die Finanzagentur; vor einem Jahr waren noch 3,43 Prozent Zinsen fällig. Ebenfalls vergangene Woche konnte die Agentur kürzerlaufende Wertpapiere sogar zu einem negativen Zinssatz losschlagen; die Anleger zahlten 0,39 Prozent, um sich deutsche Papiere ins Depot legen zu dürfen.

Grafik: Nur die Finnen sind ohne Makel Quelle: Moody's

Mit jedem Prozentpunkt weniger Zinsen spart der Bund jährlich zwei bis drei Milliarden Euro Zinsausgaben. Für die nächsten vier Jahre rechnet die Finanzagentur, die die Schulden des Bundes managt, mit jährlichen Zinslasten von 30 bis 35 Milliarden Euro – bisher hatte sie dafür rund 40 Milliarden angesetzt. Statt der eingeplanten Neuverschuldung von 32 Milliarden Euro werde der Bund deshalb 2012 wohl mit 25 Milliarden Euro auskommen, schätzt Alfred Boss vom Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Bald vorbei

Doch die Schönwetterperiode für Deutschlands Staatsfinanzen könnte bald vorbei sein. Nicht nur, dass die Euro-Krise die deutsche Konjunktur auszubremsen droht. So deutet der drastische Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex nach Ansicht von Krämer darauf hin, „dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal geschrumpft ist“. Geht der deutschen Wirtschaft die Puste aus, versiegen früher oder später auch die Steuerquellen.

Zudem ist keineswegs sicher, dass die Anleger auf längere Sicht bereit sind, Deutschland zu extrem niedrigen Zinsen Geld zu leihen. Mitte vergangener Woche zogen die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen bereits leicht auf 1,3 Prozent an. Vor der Moody’s-Entscheidung hatten sie noch bei 1,1 Prozent gelegen. Als Seismograf für die Bonität Deutschlands sind die Renditen am Anleihemarkt derzeit ohnehin nur bedingt geeignet. Sie spiegeln zu einem erheblichen Teil den Anlagenotstand infolge der weltweiten Niedrigzinspolitik der Notenbanken wider. Auch mit negativem Ausblick ist Deutschland ein sichererer Hafen als fast alle anderen Länder.

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