Schuldenkrise Griechenland rutscht auf niedrigste Note herunter

Die Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit für Griechenland auf 'C' gesenkt. Zuvor hatte auch Standard & Poor's das Land auf einen teilweisen Zahlungsausfall zurückgestuft.

Quelle: dapd

Moody's hat die Kreditwürdigkeit für Griechenland erneut gesenkt - dieses Mal auf die niedrigste Note. Wie die Ratingagentur am Freitagabend mitteilte, lautet die neue Einstufung C nach zuvor Ca. Das Risiko eines Zahlungsausfalls bleibe selbst nach dem Einverständnis der Banken, mehr als die Hälfte der griechischen Schulden abzuschreiben, hoch, hieß es zur Begründung.

Die Einigung zum Schuldenschnitt mit den privaten Gläubigern werde für die Investoren Verluste von schätzungsweise 70 Prozent zur Folge haben, erklärte Moody's. Nach dem Anleihetausch, der noch diesen Monat unter Dach und Fach gebracht werden soll, werde das Kreditrisiko erneut überprüft werden. Die Ratingagentur hatte die Bonität des von der Pleite bedrohten Landes bereits auf Ramschstatus gesenkt und den Ausblick mit „negativ“ angegeben, womit bereits mittelfristig eine weitere Herabstufung angedeutet worden und der Schritt daher wenig überraschend war.

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Das produzieren die Griechen
Sinkendes BIP, steigende ExporteDas griechische Bruttoinlandprodukt sank 2011 laut Internationalem Währungsfonds zum dritten Jahr in Folge – und jedes Mal wird der Rückgang größer. 2009 sank die Wirtschaftsleistung erstmals um 2,34 Prozent, vergangenes Jahr waren es schon fünf Prozent. Insgesamt trägt die Industrie nur ein Zehntel zur Wirtschaftsleistung bei. Immerhin steigen die Exporte. Lag das Saldo der griechischen Handelsbilanz laut der Welthandelsorganisation vor vier Jahren noch bei -66,2 Milliarden US-Dollar, waren es 2010 nur noch -41,76 Milliarden. Nun veröffentlichte das griechische Statistikamt, das vergangenes Jahr die Exporte um 9,4 Prozent gestiegen seien – ausgelassen haben die Statistiker dabei Mineralölprodukte und Schiffe. Doch was macht die griechische Industrie eigentlich aus? WirtschaftsWoche Online wirft anhand von kürzlich veröffentlichten Zahlen des Deutschen Instituts für Weltwirtschaft (DIW) einen Blick auf die zehn größten verarbeitenden Gewerbe Griechenlands. Quelle: dpa
10. MaschinenMaschinen haben für die griechische Produktion nicht die gleiche Bedeutung, wie in Deutschland. Sie liegen laut DIW lediglich an zehnter Stelle der griechischen Industrien. Ihr Anteil macht gerade mal zwei Prozent an der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe aus. In der gesamten Europäischen Union beträgt der Anteil 10,9 Prozent. 2010 betrugen die Exporte griechischer Maschinen 1,9 Millionen Euro, gleichzeitig wurden Maschinen im Wert von 11,5 Millionen Euro importiert. Das macht ein Saldo von -9,6 Millionen Euro. Das Bild zeigt einen BMW auf der Automesse in Athen. Quelle: AP
9. Elektrische AusrüstungenElektrische Ausrüstungen liegen für die griechische Industrie an neunter Stelle. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Griechenland macht 2,5 Prozent aus – in der EU sind es insgesamt 5,4 Prozent. Quelle: dpa
8. Chemie4,3 Prozent der griechischen Produktion sind chemische Erzeugnisse – ausgenommen ist dabei Mineralöl. In der EU beträgt der Produktionsanteil chemischer Waren generell 6,9 Prozent. Die griechischen Chemie-Ausfuhren sind 2010 laut DIW auf 2,4 Milliarden Euro gestiegen. 2009 waren es noch 2,1 Milliarden Euro. Das Handelsbilanzsaldo chemischer Erzeugnisse aus Griechenland sank somit auf -4,9 Milliarden. Quelle: dapd
7. Textilien und LederwarenBei Stoffen, Leder und Bekleidung ist der Anteil an der griechischen Produktion größer als in der Gesamt-EU. Sie stellen 4,7 Prozent der Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes, der Anteil ist generell in der EU nur 4,1 Prozent. Quelle: dpa
6. Medizin Der einzige griechische High-Tech-Zweig, der international mithalten kann, ist die griechische Pharmaindustrie, die sich hauptsächlich rund um Athen befindet und auf Generika spezialisiert ist. Pharmazeutika stellen 5,6 Prozent an der griechischen Produktion, in der EU sind es insgesamt nur 4,6 Prozent. Quelle: dpa
5. Gummi- und Kunststoffwaren, Glas, Keramik, Steine und ErdenAcht Prozent am verarbeitenden Gewerbe in Griechenland macht die Produktgruppe rund um Gummi-, Glas- und Steinprodukte aus. In der EU sind es allgemein neun Prozent. Quelle: dpa/dpaweb

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte am 27. Februar Griechenland auf das Niveau eines teilweisen Zahlungsausfalls zurückgestuft. Auch hier war die Einigung mit den privaten Gläubigern, also Banken, Versicherungen und Investmentfonds, als Begründung angegeben worden.

Moody's sieht Probleme bei Umsetzung der geplanten Reformen

Griechenlands Schulden würden für viele Jahre deutlich über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen, erklärte Moody's. Das Land dürfte zudem keinen Zugang zum privaten Markt haben, sobald das zweite Hilfspaket auslaufe, hieß es. Die Ratingagentur sieht weiterhin erhebliche Risiken bei der Umsetzung der geplanten fiskalischen und wirtschaftlichen Reformen. Die privaten Gläubiger des Landes hatten sich bereit erklärt, auf Forderungen in Höhe von 107 Milliarden Euro zu verzichten. Dazu sollen sie ihre griechischen Staatsanleihen gegen neue Papiere mit günstigeren Rückzahlungsbedingungen für das krisengeschüttelte Griechenland eintauschen.

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