Schuldenkrise Hängepartie um griechischen Schuldenschnitt

Das Ringen über den dringend benötigten Schuldenschnitt für Griechenland geht in die entscheidende Phase. Die Euro-Finanzminister beraten gleichzeitig über Reformen der EU.

Staaten verscherbeln ihr Tafelsilber
ItalienZur Sanierung des Haushalts rechnet Italien mit Privatisierungserlösen von acht bis zehn Milliarden Euro in den nächsten beiden Jahren. Der Löwenanteil davon werde wahrscheinlich noch in diesem Jahr in die Staatskasse fließen, sagte Wirtschaftsminister Fabrizio Saccomanni am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos zu Reuters TV. Der Verkauf von Anteilen an staatlichen Unternehmen werde sich aber bis 2015 hinziehen. Einer der Schwerpunkte dabei werde der geplante Verkauf eines Anteils von 40 Prozent an der staatlichen Post sein. Dies könne vier bis fünf Milliarden Euro einbringen. Weitere Anteile an der Poste Italiane können danach schrittweise abgegeben werden. Quelle: dpa
Techniker arbeiten im Airbus Werk Finkenwerder am Leitwerk eines Flugzeugrohbaus Quelle: dapd
Kalksteinfassade eines Klosters in Portugal Quelle: gms
Flugzeuge der Linie Iberia auf dem Flughafen Madrid-Barajas Quelle: REUTERS
Touristen vor dem schiefen Turm von Pisa Quelle: dapd
Der Burren, eine 5000 Jahre alte Grabstätte in Irland Quelle: gms

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos ist zuversichtlich bei den Verhandlungen mit den Banken über einen Schuldenschnitt für sein Land. „Wir haben eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit dem Privatsektor. Wir sind bereit, das Verfahren termingerecht abzuschließen“, sagte der sozialistische Minister am Montag in Brüssel vor Beratungen mit seinen Amtskollegen des Eurogebiets. Bei den zähen Verhandlungen über einen Schuldenschnitt gab es bisher in Athen kein Ergebnis. Es geht darum, dass private Gläubiger wie Banken und Versicherungen auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten sollen. Das ist Vorbedingung für ein zweites Hilfspaket internationaler Geldgeber an Athen. Ohne ein Abkommen droht Griechenland die Staatspleite.

Seit vergangenem Mittwoch verhandelten in Athen der Chef des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos. Zuletzt hatte es optimistische Erklärungen seitens des Bankenverbandes gegeben: Elemente eines „noch nie dagewesenen freiwilligen Schuldenschnitts“ würden in die Tat umgesetzt, hieß es. Es müsse jetzt entschlossen gehandelt werden, um diesen „historischen Deal“ zu einem Ende zu bringen und Griechenland, den Euroraum und die Weltwirtschaft zu stabilisieren.

Eurogruppe muss "Gordischen Knoten" zerschlagen

Unsicher aber ist, ob die angestrebte Absichtserklärung an diesem Montag fertig sein kann. Dem Vernehmen nach hatte die griechische Seite am Freitag eine Vereinbarung mit dem Bankenverband erreicht. Die neuen griechischen Staatsanleihen, die die alten nach dem Schuldenschnitt ersetzen sollen, sollten demnach einen Zinssatz von im Durchschnitt vier Prozent haben. Dann aber sollen sich Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU indirekt in die Gespräche eingeschaltet haben. Sie hätten darauf bestanden, dass der Zinssatz auf weniger als drei Prozent fallen sollte. Anderenfalls bestehe vor allem nach Ansicht des IWF keine Möglichkeit, dass Griechenland wieder auf eigenen Beinen stehen kann, berichteten griechische Medien übereinstimmend unter Berufung auf Regierungskreise.

„Beinahe-Infarkt nach der Intervention des Internationalen Währungsfonds“, schrieb am Montag die Athener Zeitung „Ta Nea“. Den „Gordischen Knoten“ müsse nun die Eurogruppe in Brüssel zerschlagen, hieß es im griechischen Radio. Selbst wenn eine Absichtserklärung vorliegt, würde das jedoch noch nicht bedeuten, dass der Schuldenschnitt damit perfekt ist.

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