WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Schuldenkrise Teurer Euro-Deal

Seite 2/2

Inflationsgemeinschaft statt Stabilitätsunion

Passt Merkel nicht auf, wird aus der erhofften Stabilitätsunion eine Schulden- und Inflationsgemeinschaft. Quelle: REUTERS

Daher ist zu befürchten, dass die von Merkel angestrebten fiskalischen Stabilisierungsmechanismen  den Praxistest nicht bestehen werden. Gleichwohl  werden Frankreich und andere Länder im Süden Europas einen hohen Preis für ihre Zustimmung zu einer „Stabilitätsunion“ à la Merkel  fordern. Sie dürften vor allem verlangen, dass Deutschland seinen Widerstand gegen ein stärkeres Engagement der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Schuldenkrise aufgibt. Schon jetzt ist der Druck auf die Bundesregierung in diese Richtung groß.

Die Investoren an den Finanzmärkten spekulieren denn auch, dass EZB-Chef Mario Draghi nach dem EU-Gipfel am Freitag seine Zurückhaltung aufgibt und in großem Stil Staatsanleihen der Krisenländer kauft. Alternativ könnten die nationalen Zentralbanken dem  Internationalen Währungsfonds (IWF) Kredite in dreistelliger Milliardenhöhe gewähren, die dieser dann in die Krisenländer der Euro-Zone pumpt.  Auf diese Weise würden die Notenbanker kaschieren, dass sie die Krisenländer durch die Notenpresse finanzieren, die Öffentlichkeit würden sie für dumm verkaufen.

Desaströse Folgen

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ganz gleich, ob die EZB die Anleihen der Krisenländer kauft oder auf dem Umweg über den IWF frisches Geld in deren Staatshaushalte pumpt – die Folgen wären in jedem Fall desaströs. Die künstlich nach unten gedrückten Zinsen ließen die Reform- und Sparanstrengungen in den Schuldnerländern erlahmen, die Schuldenspirale drehte sich immer schneller. Mittelfristig ließe die Geldschwemme zudem die Preise auf breiter Front steigen.

    Passt die Bundesregierung nicht auf, entsteht am Ende des Brüsseler Gipfeltreffens am Freitag statt der erhofften Stabilitätsunion eine Schulden- und Inflationsgemeinschaft. Deren politische und ökonomische Halbwertzeit allerdings  dürfte wegen der zunehmenden regionalen Sezessionstendenzen über das Ende dieser Dekade nicht hinaus reichen.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%