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Schuldenkrise Ist Spanien jetzt gerettet?

Spanien bekommt bis zu 100 Milliarden Euro für die Sanierung seiner maroden Banken. Ob das reicht, weiß niemand - doch schon gilt Italien als nächster Kandidat für den Rettungsschirm.

Spaniens Baustellen
Spanien hat wie die anderen südeuropäischen Euro-Länder von den niedrigen Zinsen in der Währungsunion profitiert und einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Ähnlich wie in Irland bildete sich eine Immobilienblase, die mit einem lauten Knall platzte: Der Bausektor fiel in sich zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Quelle: REUTERS
Seit 2008 stieg die Arbeitslosenquote von knapp über zehn auf fast 25 Prozent. Bei den Jugendlichen ist fast jeder Zweite arbeitslos. Hatten bislang vor allem ungelernte Arbeitskräfte in der Bauwirtschaft und im Servicebereich ihren Job verloren, trifft es jetzt auch qualifizierte Kräfte. Nach einem schwachen Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2011 befindet sich Spaniens Wirtschaft jetzt wieder in der Rezession. In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 Prozent schrumpfen. Quelle: dpa
Das Hauptproblem: Fortbildungsprogramme und Arbeitsvermittlung wurden bislang vernachlässigt, Teilzeitverträge existierten bislang fast gar nicht. Auf Seiten der Arbeitnehmer haben sich zu viele Angestellte in komfortablen Bedingungen eingenistet. Flexibilität und Mobilität bei Stellensuchenden sind so gut wie gar nicht ausgeprägt. Quelle: REUTERS
Ausgerechnet die Hochqualifizierten bewegen sich nun – mit fatalen Folgen für Spanien. Weil Jobs und Perspektiven für Akademiker fehlen, schauen sich junge Iberer zunehmend im Ausland nach Jobs um. In Deutschland könnte sie fündig werden. Die Bundesregierung warb im vergangenen Herbst um spanische Ingenieure. Mit Erfolg. Bis zum Jahresende 2011 bewarben sich mehr als 14.000 junge Iberer um einen Job zwischen Hamburg und München. Spanien droht nun der „brain drain“. Quelle: dpa
Ein weiteres Problem: Spaniens Regierungschef legt ein hohes Reformtempo vor – doch die Kommunal- und Regionalregierungen zeigen keinerlei Sparbereitschaft. Während die Zentraladministration seit 2001 ihr Personal um 22 Prozent reduziert habe, sei die Belegschaft der autonomen Gemeinschaften um 44 Prozent und die der Gemeinden um 39 Prozent gestiegen, rechnete Antonio Beteta vor, der Staatssekretär für öffentliche Verwaltungen. Quelle: REUTERS
Höhere Sozialausgaben und sinkende Steuereinnahmen aufgrund der Rezession und der Abwanderung von Hochqualifizierende führen zwangsläufig zu einem Anstieg der Verschuldung. Die Gesamtverschuldung liegt derzeit mit knapp 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar unter dem Schnitt der Eurozone, aber diese Zahl dürfte bis 2014 rasant wachsen. Die Ratingagentur Moody’s geht davon aus, dass die Verschuldung bis Jahresende bei rund 80 Prozent des BIPs liegen wird. Quelle: dpa
Auch die Finanzmärkte sind skeptisch. Zwar haben die großzügigen Geldausleihen der Europäischen Zentralbank (EZB), bei der sich vor allem südeuropäische Banken mit Liquidität versorgt haben, auch die Renditen spanischer Staatsanleihen auf ein erträgliches Niveau gedrückt. Doch die Anleger verlangten von Spanien zuletzt wieder höhere Renditen als für Italien – ein deutliches Zeichen des Misstrauens. Quelle: REUTERS

Wie viel Geld brauchen Spaniens Banken wirklich?

Nach langem Zögern hat Spanien am Wochenende um Hilfe für die Sanierung seiner maroden Banken  gerufen. Die Finanzminister der Eurozone erklärten sich bereit, dem Mittelmeer-Land bis zu 100 Milliarden Euro in Form von Krediten zur Verfügung zu stellen. Das Geld kommt aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF – und wird von der spanischen Zentralregierung an die Banken weitergegeben.

Wie viel Geld die Banken tatsächlich brauchen ist unklar. Der IWF hält mindestens 40 Milliarden Euro für nötig, die doppelte Summe aber auch für möglich. Die Ratingagentur Fitch geht von einem Kapitalbedarf in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro aus, das entspricht rund neun Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Vor allem das Institut Bankia scheint ein Fass ohne Boden zu sein. Die spanische Regierung hat bisher 15 Milliarden Euro in die Rettung von Sparkassen  gepumpt. Am 21. Juni soll eine unabhängige Studie über den Kapitalbedarf der Bankia  veröffentlicht werden. Dann sollte auch klar sein, wie viel Geld das viertgrößte Institut des Landes tatsächlich braucht.

Sollte das zugesagte Kreditlimit von 100 Milliarden Euro komplett ausgeschöpft werden, lägen die Rettungszahlungen von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) für die Euro-Pleiteländer bei 500 Milliarden Euro.

Wieso sind spanische Banken derart in Not?

Die Finanzinstitute hatten den jahrelangen Bauboom mit lockerer Kreditvergabe finanziert. Selbst Auszubildende oder Berufsstarter bekamen problemlos Geld, um sich ihr erstes Eigenheim anzuschaffen. In der Folge ist die Verschuldung der privaten Haushalte und Unternehmen auf rund 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen, so hoch wie in keinem Land der Euro-Zone. Durch das Platzen der Blase, durch Arbeitslosigkeit oder zu hohen Konsumausgaben können immer mehr Spanier ihre Kredite nicht mehr bedienen.

So könnte das Banken-Rettungspaket aussehen

Die Ökonomen der Citigroup schätzen das Volumen der am Immobilienmarkt hängenden Kredite auf eine Billion Euro. Der internationale Bankenverband Institute of International Finance warnt, den Banken könnten Verluste bis zu 260 Milliarden Euro ins Haus stehen.

Was bedeutet der Hilferuf für Spanien?

Für den spanischen Ökonomen Juan Ramos Rallo ist der Hilferuf das Eingeständnis der Regierung, die Situation nicht im Griff zu haben. „Es ist eine politische Bankrotterklärung“, so Rallo. Mit dem Schritt unter den Euro-Rettungsschirm sei Spanien endgültig in der äußersten Peripherie Europas angelangt, Seite an Seite mit Griechenland und Portugal.

Spaniens Regierung tröstet sich damit, dass sie nur ein Rettungspaket „light“ in Anspruch nimmt. Anders als Griechenland, Irland und Portugal begibt sich Spanien nicht komplett unter den Rettungsschirm, sondern stellt nur seine Banken darunter.

Das ist seit der Änderung des EFSF-Vertrags im vergangenen Jahr möglich. Die Auflagen für den Kredit beschränken sich damit auf den Bankensektor. Eine Troika, also ein Experten-Team der Europäischen Kommission, wird in Zukunft die Reform des Bankensektors überwachen. Details der Abmachung sind noch nicht bekannt. Fest steht: Die spanischen Banken brauchen eine höhere Eigenkapitalquote, zudem muss das dichte Filialnetz ausgedünnt werden. Einfluss auf die Haushaltspolitik Spaniens hat die Troika allerdings nicht.

War der Hilferuf alternativlos?

Deutsche glauben nicht ans Ende der Eurokrise
Vier von fünf Bundesbürgern (81 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag der „Bild“-Zeitung. Dagegen glauben nur sieben Prozent der Befragten, die Krise sei beendet. Sorgenvoll verfolgen viele Bundesbürger die Entwicklung in Griechenland. Nur 34 Prozent sehen das Land auf dem richtigen Weg. Hingegen sind 39 Prozent davon überzeugt, dass Griechenland sich nicht ernsthaft um Reformen bemüht, die das Land wieder zukunftsfähig machen. „Für die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist die Eurokrise noch nicht vorbei. Diese Befürchtung wird auch Einfluss auf die Wahlen zum Europäischen Parlament haben“, sagte INSA-Chef Hermann Binkert der Zeitung. Quelle: dpa
Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hat Griechenland davor gewarnt, bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zu viel für frisches Kapital zu zahlen. Das hoch verschuldete Land musste als erstes unter den Rettungsschirm der Euro-Länder schlüpfen und entging nur so einem Staatsbankrott. ESM-Chef Klaus Regling sagte der Wochenzeitung "To Vima", es sei natürlich, dass Griechenland nunmehr die Märkte testen wolle. Es sollte den Investoren aber keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen. Die griechische Regierung müsse sich überlegen, welchen Preis sie bereit sei zu zahlen, sagte Regling dem Blatt. Quelle: AP
Italiens neue Regierung will sich für eine Abschwächung der EU-Haushaltsziele einsetzen. Das machten Ministerpräsident Matteo Renzi und Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan bei der Vorlage ihrer Sparpläne deutlich. Beide kündigten an, Italien werde seine im Juli beginnende EU-Präsidentschaft dazu nutzen, die Vorgaben auf den Prüfstand zu stellen. "Wir wollen mehr denn je die Richtung Europas ändern", sagte Renzi. Italien stärke aber seine Position, wenn es seine Finanzen momentan im Zaum halte. Die Äußerungen legen nahe, dass Frankreich in den Bemühungen, mehr Zeit für die Erreichung seiner Haushaltsziele zu erhalten, mit Italiens Unterstützung rechnen kann. Renzi legte Vorschläge für die Finanzierung eines 6,7 Milliarden Euro schweren Steuersenkungsprogramms vor. Ein Großteil solle durch Ausgabenkürzungen im Umfang von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet werden, sagte er vor Journalisten. 2,2 Milliarden Euro würden durch höhere Mehrwertsteuereinnahmen und Bankensteuern gedeckt. Quelle: REUTERS
Investors George Soros und Ex-Bundesbank-Chefvolkswirt Otmar Issing diskutierten an der Frankfurter Universität über die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise. Vor der Bundestagswahl hatte Soros betont: Deutschland muss seine Verantwortung für die Eurozone akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Die erste Variante bedeutet nach Soros' Lesart: Deutschland soll mehr Geld auf den Tisch legen. Inzwischen habe sich die Wahl jedoch erübrigt. „Jetzt ist die einzige Alternative für Deutschland seine dominante Position zu akzeptieren.“ Es müsse als „wohlwollender Hegemon nach Wegen suchen, die Schuldnerländer aus der Schusslinie zu bringen", fordert er. Quelle: dpa
"Keine Nation hat zwischen 2009 und 2013 weniger auf Austerität gesetzt als Deutschland", behauptet Paul Krugman und verweist auf eine Grafik. Das Problem an der Behauptung: Deutschland hat schon Anfang des Jahrtausends mit der Agenda 2010 schmerzhafte Reformen umgesetzt. Dadurch hatte Berlin einen zeitlichen Vorteil und brauchte sich in den Krisenjahren nicht verbiegen. Quelle: REUTERS
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Michael Hüther, sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher und der Leiter der europäischen wirtschaftswissenschaftlichen Denkfabrik Bruegel, Guntram B. Wolff, haben sich in der "F.A.Z." hinter das Anleihe-Kaufprogramm und die Niedrigzinspolitik der EZB gestellt. Die Debatte um die EZB-Politik werde in Deutschland „zugespitzt und mit scharfem Ton geführt“, bemängelten die drei Wissenschaftler. Dies sei schädlich, "denn einerseits scheint es so, dass die Kritik vielfach von dem Erfahrungsgrund der Bundesbank ausgeht und die Bedingungen der Geldpolitik in einer Währungsunion verkennt, und andererseits ist die europäische Krise noch nicht überwunden.“ Die Klagen der Deutschen über zu niedrige Zinsen watschten sie ab: "Es kann nicht die Aufgabe der EZB sein, die Geldpolitik auf ein einziges Land auszurichten, sondern Geldpolitik muss für die Eurozone als Ganzes umgesetzt werden." Quelle: dapd
"Der EZB-Rat sollte sich zu umfangreicheren Wertpapierkäufen durchringen", sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger tags zuvor in einem Interview. Der Ökonom, der die Bundesregierung berät, ist sich sicher: "Damit kann man dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu einem Abrutschen des Euro-Raums in die Deflation kommt." Für Bofinger haben die Hüter des Euro um EZB-Präsident Mario Draghi noch Nachholbedarf: "Im Vergleich hat die EZB bislang sehr konservativ agiert." Nicht kleckern, sondern klotzen ist deshalb wegen der mit 0,7 Prozent für den Geschmack vieler Ökonomen zu niedrigen Teuerung auch für Bofinger die Devise: "Maßnahmen wie eine weitere kleine Zinssenkung oder ein längerfristiges Versprechen, die Leitzinsen extrem niedrig zu lassen - meinetwegen auch verbunden mit einem konkreten Zeitrahmen -, sind alles nur Tropfen auf den heißen Stein in der aktuellen Lage." Quelle: dapd

War der Schritt unter den Euro-Rettungsschirm alternativlos?

Nein. Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro hat Anfang vergangener Woche zwar lauthals geklagt, die Finanzmärkte gäben Spanien keinen Kredit mehr zu akzeptablen Konditionen. Doch nur wenige Tage später platzierte er erfolgreich eine neue zehnjährige Staatsanleihe zu sechs Prozent Zinsen. 2,1 Milliarden Euro nahm Spanien so ein.

Mitte der Neunzigerjahre musste Madrid Anlegern für zehnjährige Staatsanleihen deutlich mehr als zehn Prozent Zinsen zahlen – und das bei einer Staatsschuldenquote, die ähnlich hoch war wie heute. Pleite gegangen ist das Land daran nicht.

Spanien könnte seine Banken also durchaus mit eigenem Geld retten. Doch das Land will es nicht, weil es bequemer ist, die EFSF-Kredite zu Billigkonditionen in Anspruch zu nehmen. Das widerspricht den vertraglichen Grundlagen des Rettungsschirmes. Diese sehen vor, dass die EFSF-Mittel nur als Ultima Ratio abgerufen werden dürfen, wenn ein Land nachgewiesen hat, dass es seine Banken allein nicht retten kann.

Ist Spanien nun gerettet?

Mit den Hilfsmilliarden aus dem EFSF kann Spanien seine Banken zum Billigtarif retten. Ein großes Problem ist damit vorerst gebannt. Doch gerettet ist Spanien noch lange nicht.

Zuletzt machten immer mehr Anleger einen Bogen um Spanien. Auch die einheimischen Bürger haben nur noch wenig Vertrauen in den Staat. In den ersten drei Monaten 2012 zogen Investoren und Sparer knapp 100 Milliarden Euro aus Spanien ab, rund ein Zehntel des spanischen Bruttoinlandsprodukts. Geht die Kapitalflucht in dem Tempo weiter, brauchen die Banken schon bald neues, frisches Kapital.

Die spanische Arbeitsmarktreform

Auch die Konjunktur gibt keinen Anlass zur Entwarnung. Spaniens Wirtschaft steckt in der Rezession – und Hoffnung auf Besserung ist nicht in Sicht. Die Wirtschaft seines Landes werde um 1,7 Prozent zurückgehen, erklärte Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy am Wochenende. Auch die Arbeitslosigkeit, die bei fast 25 Prozent liegt, wird auf Rekordhöhe stagnieren. Fast jeder zweite junge Spanier ist arbeitslos. Immerhin: Spanien hat begonnen, den Arbeitsmarkt zu reformieren und Einstellungshindernisse abzubauen. Doch um die Wende zu schaffen, muss Spaniens Industrie innovativer und wettbewerbsfähiger werden.

Was bedeutet der Hilferuf für die Geberländer?

Die Forderungen der deutschen Banken und Versicherungen in Spanien
HSH Nordbank: Die HSH Nordbank ist per Stichtag 31. März mit insgesamt 176 Millionen Euro in spanischen Staatspapieren engagiert. Das umfasst laut Bank klassische Staatsanleihen ebenso wie staatlich abgesicherte Kredite an staatsnahe Betriebe. Quelle: dapd
WESTLB: Die Engagements der WestLB in Spanien (Staatsanleihen) liegen bei 727 Millionen Euro, bei der Ersten Abwicklungsanstalt EAA in Düsseldorf sind es für den gesamten öffentlichen Bereich (public finance, also Staat, Gebietskörperschaften, Kommunen) 1,18 Milliarden Euro. Quelle: dpa
NORDLB: Die Norddeutsche Landesbank war zum Ende des ersten Quartals (31. März) noch mit 499 Millionen Euro in Spanien engagiert. Details sollen voraussichtlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag bekanntgegeben werden. Quelle: dpa
BAYERNLB: Die Bayerische Landesbank hat keine spanischen Staatsanleihen in den Büchern. Allerdings summieren sich dem Geschäftsbericht 2011 zufolge die nach Spanien insgesamt vergebenen Kredite auf knapp 5,8 Milliarden Euro. Quelle: dpa
MUNICH RE: Der weltgrößte Rückversicherer ist laut Quartalsbericht in dem Land mit rund 1,4 Milliarden Euro in Staatspapieren engagiert. Weitere 4,6 Milliarden Euro stecken in Pfandbriefen. Bei spanischen Banken ist der weltgrößte Rückversicherer nur mit 14 Millionen Euro engagiert. Zur Höhe der Beteiligung etwa an spanischen Unternehmensanleihen, macht die MunichRe keine Angaben. Quelle: dpa
ALLIANZ: Die Allianz hatte zum Ende des ersten Quartals spanische Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Quelle: dpa
HRE: Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hält keine spanischen Staatspapiere, aber Papiere etwa von Kommunen oder staatsnahen Unternehmen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro. Dazu kommen 600 Millionen Euro für die Finanzierung gewerblicher Immobilien. Quelle: dapd

Was bedeutet der Hilferuf für die Geberländer?

Für die Steuerzahler der Geberländer wird die Euro-Rettung immer teurer. Allein für die avisierten 100 Milliarden für Spaniens Banken haften die deutschen Steuerzahler gemäß ihrem Anteil am EFSF von 27 Prozent mit 27 Milliarden Euro. Schlüpft Spanien komplett unter den Rettungsschirm, benötigt das Land nach Berechnungen der US-Bank JP Morgan bis zum Jahr 2014 insgesamt 350 Milliarden Euro, um Banken, laufenden Haushalt und Altschuldentilgung zu finanzieren. Verliert der Rettungsschirm wegen des Verzichts auf harte Anpassungsauflagen seine abschreckende Wirkung, ist es zudem nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Italien darunter schlüpft. Die Haftungssummen für die Geberländer, allen voran für Deutschland, werden dann auf surreale Größenordnungen steigen.

Die Finanzmärkte dürften bald erkennen, dass die Euro-Rettung Deutschland überfordert. Ein Käuferstreik bei Bundesanleihen und EFSF-Anleihen ist daher mittelfristig nicht mehr ausgeschlossen. Was das für die Währungsunion bedeutet ist klar: Entweder endet sie im kollektiven Staatsbankrott oder die EZB kauft die Anleihen in großem Stil und druckt Geld was das Zeug hält. Dann versinkt der Euro in der Hyperinflation.

Wie reagieren die Börsen?

Die Börsen in Europa haben auf die Hilfskredite für Spaniens Banken mit deutlicher Erleichterung reagiert. Vor allem spanische Aktien starteten eine Aufholjagd. Spaniens Börsenindex IBEX 35 kletterte um 4,2 Prozent, zeitweise lag das Plus im spanischen Bankenindex bei nahezu zehn Prozent. Auch der deutsche Börsenindex Dax konnte um 2,2 Prozent zulegen und sich wieder deutlich von der psychologisch wichtigen 6000-Punkte-Marke absetzen.

Vor allem die Aktien der spanischen  Bankengruppe Bankia, die jüngst  wegen ihrer finanziellen Schieflage zum Teil verstaatlicht worden war, schossen in der Spitze um mehr als 16 Prozent in die Höhe.  Europaweit profitierten die Bankwerte: BBVA, Barclays, BNP, Deutsche Bank und Commerzbank  stiegen zeitweise zwischen zwei und sechs Prozent.

Analysten lobten die Rettungsmilliarden für Spaniens Banken  als den richtigen Weg. Die US-Bank Goldman Sachs kommt in einer aktuellen Studie zu der Einschätzung, dass die bereit gestellte Summe geeignet sei, um die Debatte über die Kapitalausstattung der kriselnden Banken zu beenden. Kritische Stimmen, wie etwa von der Schweizer Großbank UBS, warnen dennoch: Das spanische Bankenproblem sei nur ein Symptom der Euro-Krise. Das eigentliche Problem sei ein marodierendes Bankensystem.

An den Börsen gilt die Rettungsmaßnahme für Spanien jedenfalls nicht als Befreiungsschlag in der Euro-Krise, allenfalls ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Europas Börsen honorierten das immerhin mit einem breiten Kursplus. Der europäische Index Stoxx50 stieg um 1,6 Prozent, der Index für den Euroraum EuroStoxx 50 verzeichnete ein Plus in gleicher Größenordnung. Nach den dramatischen Kursverlusten der vorigen Woche eine ersehnte Erholung, aber eben noch keine Entwarnung. Jetzt warten die Finanzmärkte gespannt auf den Wahlausgang in Griechenland am Sonntag.

Wieso wächst die Angst um Italien?

Gute Laune herrscht bei Spaniern und Italienern derzeit nur bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine. Die heimische Wirtschaft sorgt in beiden Ländern hingegen für große Sorgen. Quelle: dpa

Italiens Wirtschaft ist Anfang 2012 so stark geschrumpft wie seit drei Jahren nicht mehr. Vor allem der sinkende Privatkonsum sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 0,8 Prozent zum Vorquartal zurückging, wie das Statistikamt Istat am Montag nach endgültigen Berechungen mitteilte. Die Verbraucher gaben ein Prozent weniger aus und bremsten die Konjunktur damit deutlich. Schwung kam lediglich vom Außenhandel - das aber auch nur, weil die Exporte mit 0,6 Prozent weniger stark sanken als die Importe mit 3,6 Prozent.

Das hoch verschuldete Italien steckt mitten in der Rezession. Die drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum schrumpft seit drei Quartalen und dürfte nach Einschätzung der EU-Kommission 2012 rund 1,4 Prozent nachgeben. Die Regierung unter Mario Monti will mit hartem Sparkurs gegensteuern und verlorenes Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewinnen. Dennoch gilt vielen Experten das Land als nächster Wackelkandidat in der Schuldenkrise.

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Nach dem geplanten Hilfsantrag Spaniens für seine Banken beim Euro-Rettungsschirm dürfte der Commerzbank zufolge nun Italien verstärkt in den Fokus der Märkte rücken. „Die Konjunktur ist zu Jahresbeginn eingebrochen, und der Reformwillen der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. „So könnte auch ein Hilfsantrag Italiens nur eine Frage der Zeit sein. (mit dpa, Reuters)

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