Schuldenkrise IWF hilft Athen nur ein bisschen

Der Internationale Währungsfonds steuert deutlich weniger Hilfen zum Griechenlandpaket bei als noch 2010. Leidtragender ist vor allem Deutschland.

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, möchte Griechenland aus der Krise helfen - aber nicht um jeden Preis. Quelle: dapd

Der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligt sich offiziell mit 28 Milliarden Euro an dem zweiten Hilfspaket für Griechenland. Der Exekutivrat der internationalen Finanzfeuerwehr gab am Donnerstag erwartungsgemäß grünes Licht für den Kredit, wie der IWF mitteilte. Erst am Vortag hatten die Eurostaaten die Hilfe über insgesamt 130 Milliarden Euro freigegeben.

Damit fällt der IWF-Beitrag am zweiten Rettungspaket deutlich kleiner aus als noch am ersten Hilfspaket für Griechenland. 2010 hatte der IWF noch für ein Drittel der Gesamtsumme gebürgt. Nun liegt der Anteil des Internationalen Rettungsfonds nur noch bei 21,5 Prozent. Und: 18 Milliarden Euro der Haftungssumme stammt aus nicht abgerufenen Mitteln des ersten Rettungspakets. Somit fließen nur 18 Milliarden Euro an neuen Hilfen aus Washington gen Athen.

S&P droht Italien, Irland wird hochgestuft
Für Frankreich zeigt sich S&P etwas zuversichtlicher, obwohl sich am Rating („AA“) und dem stabilen Ausblick nichts änderte. Die Regierung habe Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitskosten und Unternehmensbesteuerung ergriffen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern, schreibt S&P. Zudem deuteten staatliche Ausgabenkürzungen darauf hin, dass die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft ihr Haushaltsdefizit schrittweise reduzieren werde. Die Staatsverschuldung bleibe aber hoch und werde bis 2017 noch wachsen. Rating (S&P): AAAusblick: stabil Quelle: dpa
Zypern wurde von der Wirtschaftskrise enorm mitgenommen, gerade der aufgeblähte Bankensektor des Inselstaats machte ihm in der Dynamik der Krise schwer zu schaffen. Die Bewertung des Krisenlands wurde von S&P nun um eine Stufe auf „B“ erhöht, Fitch hob den Ausblick für das Rating („B-“) auf positiv an. Bei beiden Agenturen liegt die Kreditnote klar im sogenannten Ramschbereich, der spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Die positiven Ausblicke lassen aber Aufstufungen erwarten - vorausgesetzt, das Land erfüllt weiterhin die Auflagen der internationalen Geldgeber, die Zypern seit dem vergangenem Jahr finanziell stützen. Rating (S&P): BAusblick: positiv Quelle: AP/dpa
Standard & Poor's (S&P) hat das lang- und kurzfristige Fremdwährungsrating für die Ukraine gesenkt. Die Bewertung sei von „B-/B“ mit einem negativen Ausblick herabgestuft worden, teilten die US-Bonitätswächter mit. Hintergrund sei die derzeitige politische Instabilität in dem Land. Seit Wochen demonstrieren Regierungsgegner gegen die Regierung. Präsident Viktor Janukowitsch steht unter anderem wegen eines harten Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in der Kritik. Auslöser war die kurzfristige Ablehnung eines über Jahre hinweg vorbereiteten Abkommens zwischen der Ukraine und der Europäischen Union. Janukowitsch will das Land stattdessen enger an Russland binden. Rating (S&P): „CCC+/C“Ausblick: negativ Quelle: AP
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat Irland gute Bonitätsnoten in Aussicht gestellt. Der Ausblick für das Rating bleibt positiv. S&P begründete die positive Haltung mit verbesserten Wachstumsaussichten des Landes. Im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016 erwartet die Agentur ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Bisher war sie nur von 2,0 Prozent ausgegangen. S&P lobt die Reform- und Sparpolitik des Landes. Die Agentur erwartet eine weiterhin starke Auslandsnachfage und eine anhaltende Erholung der Binnenwirtschaft. Die hohen Investitionen aus dem Ausland stützten die Binnenwirtschaft. Gefahren sieht S&P vor allem noch im Bankensektor. Rating (S&P): A+Ausblick: positiv Quelle: dpa
Portugal droht erst einmal keine weitere Abstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Die Bonitätsnote des Landes stehe nicht mehr unter verschärfter Beobachtung, teilte S&P mit. Portugal dürfte trotz einiger politischer Probleme 2013 das Ziel einer Neuverschuldung von 5,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erreicht haben, schreiben die Experten. In diesem Jahr will Portugal dann die neuen Schulden auf vier Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung senken. Dies halten die S&P-Experten für möglich. Derzeit bewertet Standard & Poor's Portugal mit der Note „BB“. Das ist die zweite Stufe des sogenannten Ramsch-Niveaus, das spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Der grundsätzliche Ausblick bleibe negativ. Rating (S&P): BBAusblick: negativ Quelle: dpa
Alenka Bratušek, seit Anfang 2013 Ministerpräsidentin von Slowenien, muss sich nach wie vor mit einer Bankenkrise und den hohen Schulden ihres Landes befassen. Ein Hilfsprogramm ist nach Einschätzung der EU-Kommission aber nicht von Nöten, solange das Bankensystem reformiert und das Reformtempo hoch gehalten wird. Im Rating von Standard & Poor's schneidet der osteuropäische Staat von den kriselnden noch mit am besten ab. Die Agentur bleibt bei ihrer Einschätzung, dass Sloweniens Kreditwürdigkeit auch künftig stabil bleiben wird. Rating (S&P): A+Ausblick: stabil Quelle: AP
Als Malta 2008 den Euro einführte, war das Land eines der kreditwürdigsten unter den neuen Mitgliedsstaaten. Auch heute gibt es für die Insel noch immer relativ gute Noten. Ratings: BBB+ Ausblick: stabil Quelle: REUTERS

Leidtragender ist vor allem Deutschland. Die Bundesrepublik schultert nun die größte Haftungssumme am Rettungspaket. Weil Berlin für etwa 29 Prozent am Rettungsschirm EFSF geradesteht, ergibt sich eine deutsche Haftungssumme von knapp 30 Milliarden Euro.

Forderung nach höheren Schutzmauern

Die Mitglieder der G-20 knüpften eine finanzielle Aufstockung des Internationalen Währungsfonds zuvor an ein stärkeres Engagement der Europäischen Union gegen ihre Schuldenkrise. „Die Staaten in der Eurozone werden die Stärke ihrer unterstützenden Strukturen im März bewerten“, hieß es in der gemeinsamen Schlusserklärung. Dadurch werde eine wesentliche Voraussetzung für Überlegungen geschaffen, wie weitere Ressourcen für den IWF mobilisiert werden könnten, hieß es weiter. Unter den G-20-Staaten gebe es eine weitverbreitete Erwartung, dass die EU ihre finanziellen Stützmauern erhöhe, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.

Nötig sei demnach, dass die die EU ihren sogenannten Brandmauern gegen eine Ausweitung der Krise noch etwa 500 Milliarden Euro hinzufügt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble lehnen dies kategorisch ab. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. (mit dpa)

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%