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Schuldenkrise Dem Euro hilft nur noch Plan B

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Kern-Euro

Euromünzen fallen aus Händen Quelle: AP

Sogar den Euro könnte man bei diesem Coup erhalten, allerdings nur als Währung für den kleinen Kreis der Kernländer, zu denen Deutschland, die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg gehören. Später könnten sich stabilitätsorientierte Länder wie Dänemark, Schweden oder Estland anschließen. Die große Frage ist, was mit Frankreich passiert. Zwar gehört das Land angesichts seiner geldpolitischen Tradition nicht zu den Stabilitätsländern. Manfred Neumann, Währungsexperte von der Uni Bonn, hält die Mitgliedschaft Frankreichs aber aus europapolitischen Gründen für erforderlich. „Wäre Frankreich nicht in der Union, könnte das zu einer Zerreißprobe für die europäische Politik führen.“

Um den Krisenländern des Südens die Scheidung vom Euro schmackhaft zu machen, müsste man ihnen anbieten, ihre Banken, die bei der Sezession unter die Räder zu kommen drohen, mit Hilfsgeldern zu rekapitalisieren. „Man sollte solche Hilfen allerdings auf die systemrelevanten Institute beschränken und im Gegenzug verlangen, dass sie durch Einführung des Trennbankensystems zerschlagen werden“, sagt Voth.

Zudem wäre es ratsam, den Krisenländern anzubieten, ihre Währungen nach einer kräftigen Abwertung, die ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellt, an den Kern-Euro anzudocken. Als Vorbild könnte dabei das Europäische Währungssystem dienen, in dem die Währungen der EU-Länder von 1979 bis 1998 in einer festen, aber anpassungsfähigen Wechselkursbeziehung zueinander standen. Schwächeren Ländern könnte dabei eine größere Schwankungsbandbreite zugestanden werden als stabileren Volkswirtschaften.

Leitkurse anpassen

Nach Ansicht von Währungsexperte Belke hätte das den Vorteil, „dass man die Krisenländer so davon abhält, dauerhaft abzuwerten und die Auslandsvermögen der Kern-Euro-Länder wegzuinflationieren“. Damit das neue Währungsmodell funktioniert, müssten die Leitkurse der Währungen allerdings – anders als im ursprünglichen EWS-System – rechtzeitig angepasst werden, wenn es die wirtschaftliche Entwicklung in den beteiligten Ländern erfordert.

Die Sorge der Politiker, mit dem Platzen des Euro stünde die gesamte europäische Einigung und Integration auf dem Spiel, halten Experten für unbegründet. „Der Binnenmarkt mit der Freizügigkeit von Menschen, Waren und Kapital existierte schon vor dem Euro und ist von dessen Existenz unabhängig“, sagt Renate Ohr, Währungsexpertin an der Uni Göttingen. Die wahre Gefahr für die europäische Integration gehe vielmehr von dem krampfhaften Festhalten der Regierungen an der fehlkonstruierten Währungsunion aus. Auch wenn der alte Kontinent von einer Rückbildung der Währungsunion durch mehr Freiheit und Wachstum profitieren würde, gäbe es wohl einen Verlierer: die EZB. Sie würde weder bei der Rückkehr zu nationalen Währungen noch für eine neue Kern-Währungsunion benötigt.

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