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Schuldenkrise Portugal stemmt sich gegen die Krise

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"Made in Portugal"

Marode Staatshaushalte und Krisenbanken
frau auf einem Balkon mit portugiesischer Flagge Quelle: dapd
SpanienNotleidende Kredite: 10,7 Prozent der Gesamtkredite (Stand: September 2012) Sparer ziehen Einlagen ab, marode Immobilien bringen die Banken ins Wanken Quelle: dpa
Bank of Ireland Quelle: dpa
Bank Societé Générale Quelle: REUTERS
Gebäude der Dexia-Bank Quelle: dpa
Eine niederländische Flagge und Gebäude der ING Quelle: dapd
Rettungsring und Banken Quelle: AP

Eine Hiobsbotschaft für die Portugiesen, könnte man meinen. Und doch verbesserte das Küstenland seine Leistungsbilanz in den letzten Jahren. Zwar importiert das Land weiterhin mehr als es exportiert. Das Defizit reduzierte sich 2012 aber um mehr als ein Drittel im Vergleich zu 2011.

Portugiesische Unternehmen kompensieren die spanischen Handelsausfälle zunehmend mit globalem Export: Die Ausfuhren nach China stiegen im Vergleich zu 2011 um fast 100 Prozent. Bislang spielte China keine bedeutende Rolle in der portugiesischen Handelsbilanz; mittlerweile ist es das zehntwichtigste Abnehmerland. Auch Angola und die USA nahmen im letzten Jahr bis zu 29 Prozent mehr Waren ab.

Für die portugiesische Plastikguss-Industrie, eine der wichtigsten in der Wertschöpfungskette, ist Deutschland seit 2007 der größte Absatzmarkt, nach Angaben von CEFAMOL, einem Industrieverband. Die Firma Azemoldes beispielsweise stellt Gussformen für Nebelscheinwerfer von Mercedes und für Audis Frontscheinwerfer her. Das Unternehmen mit rund 130 Mitarbeitern kann wachsende Produktionszahlen vorweisen, auch durch die Eurokrise hindurch.

Portugals Zeugnis 2012

Gut ein Viertel aller exportierten Plastikteile gingen 2011 nach Deutschland. Mittlerweile hat sich aber auch Brasilien als einziges Nicht-EU-Land unter die Top-Five der Abnehmer geschoben.

Die portugiesische Regierung will das Wachstum forcieren und versucht sich an einer Reindustrialisierung. Die verarbeitende Industrie soll bis zum Jahr 2020 20 Prozent der Wertschöpfung ausmachen. 2010 waren es rund 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

International bekannt sind vor allem die portugiesische Kork- und Lederindustrie. 2010 wuchsen die Exporte in diesem Sektor um fast 40 Prozent, ein Jahr später noch einmal um  25 Prozent, nach Angaben von AICEP. Mitverantwortlich für diese Wachstumsraten dürfte auch die Modekette H&M sein: Sie verkaufte in ihrer deutschen Winterkollektion Lederschuhe "Made in Portugal". Auch das Kölner Unternehmen Kämpgen, ein regionales Schuhhaus, produziert einen Teil der Eigenmarke "Kämpgen Handmade" in Portugal. 2012 kletterten die Exporte erneut um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch die Korkindustrie konnte im Vergleich zu 2011 noch um vier Prozent wachsen. Amorim Revestimentos, nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Produktion von Korkartikeln, verfrachtet 97 Prozent seiner Waren ins Ausland. Rund die Hälfte geht in die Europäische Union, der größte Einzelabnehmer sind mittlerweile die USA. Dort fragt die Weinindustrie Korken aus Portugal nach. Aber auch ein deutscher Kunde hält den Portugiesen die Treue: Birkenstock beispielsweise bezieht über ein Tochterunternehmen das Material für seine Sohlen von Amorim.  Und selbst der Boden des U-Bahn Zuges Inspiro von Siemens besteht zu Teilen aus portugiesischem Kork. Erste Züge sollen in Warschau in diesem Jahr über die Schienen rollen. Das Unternehmen Amorim wächst seit 2010, teils mit Rekordumsätzen.

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