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Schuldenkrise Die griechische Tragödie

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Nicht billig genug

Die größten Nettoempfänger der EU
Ein bulgarischer Landwirt hält eine Nationalflagge während Protesten in Sofia Quelle: dpa
Eine Frau mit einer Rumänischen Flagge Quelle: dapd
Blitze über Bratislava Quelle: dpa
Die Altstadt von Vilnius Quelle: AP
Blick aus dem Rathausturm in Prag Quelle: dpa
Die Projektion der portugiesischen auf einem historischen Gebäude Quelle: REUTERS
Das ungarische Parlament Quelle: dpa

"Wenn Griechenland um 37 Prozent billiger würde, wäre es so teuer wie die Türkei. Die Touristen kämen zurück, und die Griechen würden aufhören, holländische Tomaten und italienisches Olivenöl zu kaufen", rechnete der Präsident des ifo-Instituts in der WirtschaftsWoche vor. "Jedes Land, egal, wie produktiv es ist, wird wettbewerbsfähig, wenn es nur billig genug ist."

Doch an Reformen wagte sich keine Regierung. Weder die sozialistische "Pasok", noch die konservative "Nea Dimokratia". Sie scheut bis heute die Konfrontation mit Kartellen, Gewerkschaften und Zünften. Ein Beispiel sind die "geschlossenen Berufe". Die Zahl der Ärzte, Apotheker, Architekten, Taxifahrer und Rechtsanwälte ist streng reglementiert. Der Staat bestimmt im Dialog mit den Berufsverbänden, wer eine Tätigkeit ausüben darf, wo dies geschieht und welche Tarife verlangt werden dürfen. In über 80 Berufen gibt es in Griechenland keinen Wettbewerb.

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Vetternwirtschaft in den Amtsstuben

Klientelpolitik bestimmt den politischen Alltag. Im Parlament verhindern Anwälte und Notare eine Liberalisierung ihres Berufszweigs, auf regionaler oder kommunaler Ebene werden Posten in der öffentlichen Verwaltung nach der Farbe des Parteibuchs vergeben. Die Qualität der Mitarbeiter ist zweitrangig. Griechenland hat mit knapp 25 Prozent den europaweit höchsten Anteil von Staatsbediensteten an der Gesamterwerbsbevölkerung. An einen Stellenabbau denkt kaum einer.

Der griechische Ökonom Michael Jacobides und sein Kollege Richard Portes von der London Business School sowie Dimitri Vayanos von der London School of Economics halten vor allem die Finanzverwaltung für "unrettbar". Seit 20 Jahren taucht die Bekämpfung von Steuerhinterziehung in jedem Haushaltsentwurf als Priorität auf – doch passiert sei nichts. Gleichzeitig fällt auf, dass die Beamten des Finanzministeriums doppelt so hohe Gehälter kassieren wie ihre Kollegen aus anderen Ministerien. Die drei Ökonomen schlagen vor, die Finanzverwaltung schlicht zu zerschlagen und neu aufzubauen.

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Fünf Jahre lang bergab

Obwohl die Wirtschaft 2006 noch um vier Prozentpunkte wuchs, durchbrach die griechische Staatsverschuldung zum ersten Mal die 200-Milliarden-Euro-Grenze. Zwei Jahre später brach die Wirtschaft ein. Seit nunmehr fünf Jahre geht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Jahr für Jahr zurück, 2012 wohl um 6,5 Prozent. Seit 2008 ist die griechische Wirtschaft bereits um 20 Prozent geschrumpft.

Die Staatsschulden kletterten auf über 350 Milliarden Euro (2011) oder 160,8 Prozent des BIP. Der erste Schuldenschnitt für Griechenland folgte. Doch die Probleme lösten sich damit nicht.

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