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Schuldenkrise Dem Euro hilft nur noch Plan B

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Politische Utopie

Eine Touristin fotografiert den Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen Quelle: dpa

Die Investoren erkennen, dass die Währungsunion auf einer politischen Utopie beruht, der das ökonomische Fundament fehlt. Von Anfang an betrachteten die Regierungen den Euro als Vehikel, um die politische Einigung voranzutreiben. Warnungen, vor der Einführung einer gemeinsamen Währung müsse man zunächst die wirtschaftliche Konvergenz vollenden, schlugen sie in den Wind.

Dabei hatten Ökonomen schon in den Sechzigerjahren Kriterien entwickelt, um zu beurteilen, welchen Sinn es macht, mehrere Länder unter dem Dach einer gemeinsamen Währung zusammenzufassen. Das Ergebnis: Für einen optimalen Währungsraum ist entscheidend, dass die Löhne flexibel und die Arbeitskräfte mobil sind. Nur so kann das wegfallende Wechselkursscharnier ausgeglichen werden. Zudem müssen Güterhandel und Kapitalverkehr der Länder eng miteinander verflochten sein, damit sich der Wegfall des Wechselkursrisikos als Vorteil erweist. Wichtig ist zudem, dass die Länder eine diversifizierte Branchenstruktur besitzen, damit sie nicht gleich auf Abwertungen angewiesen sind, wenn es einer Branche schlecht geht. Essenziell ist außerdem, dass die beteiligten Länder die gleiche wirtschaftspolitische Strategie verfolgen.

Monostrukturierte Länder sind überfordert

Gemessen daran ist die Euro-Zone kein optimaler Währungsraum. So sind die Löhne in den meisten Ländern durch Tarifverträge und staatliche Lohnersatzzahlungen nach unten starr. Studien der EZB zeigen, dass nach der Lehman-Pleite zwar ein Drittel der Unternehmen die Löhne einfroren. Doch nur zwei Prozent kürzten die Gehälter. „Wo menschliche Arbeitskraft nicht mehr wie Tomaten gehandelt wird, kommen Volkswirtschaften nicht ohne den Anpassungsmechanismus Wechselkurs aus“, konstatiert Voth.

Dazu kommt: Griechenland hat außer Tourismus, landwirtschaftlichen Produkten und Reedereien nicht viel zu bieten. Irlands Wirtschaft hängt von der Finanz- sowie der Bauwirtschaft ab, in Spanien geben Bau und Tourismus den Ton an. Solche monostrukturierten Länder überfordert die Mitgliedschaft in der Währungsunion.

Doch das wohl größte Problem ist, dass es den Ländern der Währungsunion an einem gemeinsamen Konsens in der Wirtschaftspolitik fehlt. Jahrzehntelang waren die Länder im Süden gewöhnt, ihre Verteilungskonflikte durch steigende Staatsausgaben, kräftige Lohnerhöhungen, Inflation und Abwertung zu lösen. In den Ländern des Nordens, dem ehemaligen D-Mark-Block, dagegen dominierte eine Stabilitätsphilosophie, die in einem ausgeglichenen Staatshaushalt, niedriger Inflation und moderaten Lohnzuwächsen den geeigneten Weg zu mehr Wohlstand sieht.

Diese Unterschiede entladen sich nun im Konflikt um den richtigen Kurs in der Euro-Rettung. Während Bundesregierung und Bundesbank darauf pochen, dass die EZB ihre Käufe von Staatsanleihen der Krisenländer zurückfährt und die Regierungen ihren Spar- und Reformkurs verschärfen, trommeln Franzosen, Portugiesen und Italiener vehement für eine Ausweitung der Anleihekäufe der EZB. „Wir betrachten die EZB als ein wichtiges Element der Antwort auf diese Krise“, sagt Frankreichs Finanzminister François Baroin.

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