Schuldenkrise Spanischer Ökonom de Soto stärkt Deutschland den Rücken

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Der spanische Ökonom Jesús Huerta de Soto warnt vor einer Deflationsphobie in Europa unterstützt Deutschland in seinen Forderungen nach durchgreifenden Reformen in den Euro-Krisenländern.

Huerta de Soto Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

"Wirtschaftspolitische Fehler machen sich jetzt direkt in einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit des betroffenen Landes bemerkbar", erklärt de Soto in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. "Das zwingt die Politiker zu harten Reformen. In Spanien haben zwei Regierungen innerhalb von anderthalb Jahren Reformen umgesetzt, von denen ich bisher nicht zu träumen wagte. Mittlerweile bessert sich die wirtschaftliche Lage, und Spanien fährt die Ernte der Reformen ein." Damit sei Spanien ein Beispiel dafür, dass man mit beherzten Reformen aus der Krise kommen könne.

Dass Italien und Frankreich trotzdem zögern, durchgreifende Reformen umzusetzen, ist laut de Soto nicht hinzunehmen. "Die Reformerfolge, die Spanien und andere Euro-Länder erzielt haben, erhöhen den Druck auf Paris und Rom. Die Franzosen werden um eine wirtschaftspolitische Rosskur nicht umhinkommen, auch wenn diese in der Bevölkerung auf Widerstände stößt." Deutschland, fordert de Soto, solle deshalb mit gutem Beispiel vorangehen: "Um den Reformdruck auf Frankreich und Italien möglichst hoch zu halten, sollte Deutschland an seiner Haushaltskonsolidierung festhalten."

Europa ist nur bedingt wettbewerbsfähig
Ein Mann trägt eine griechische Flagge Quelle: dpa
ItalienAuch Italien büßt zwei Plätze ein und fällt von Rang 44 auf Rang 46. Die Studienleiter kritisieren vor allem das Finanz- und Justizsystem. Die Abgaben seien zu hoch und Verfahren viel zu langwierig und intransparent. Lediglich bei der Produktivität und mit seiner Infrastruktur liegt der Stiefelstaat im Mittelfeld. Ein wenig besser macht es ... Quelle: REUTERS
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Stierkampf Quelle: dpa
Eine Frau hält eine Fahne mit einer französischen Flagge in der Hand Quelle: REUTERS
Das Parlamentsgebäude in Wien Quelle: dpa
Finnische Flagge Quelle: dpa

Deflation ist ein Segen für die Wirtschaft

In einer möglichen Deflation sieht der spanische Ökonom keine Gefahr, sondern sogar einen Vorteil für die Eurozone. "Preisdeflation ist keine Katastrophe, sondern ein Segen", sagte der Ökonom in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Spanien sei ein gutes Beispiel, wie bei zurückgehenden Preisen die Wirtschaft wachse. "Dort gehen die Verbraucherpreise derzeit zurück. Zugleich wächst die Wirtschaft, auf das Jahr gerechnet, um rund zwei Prozent", sagte de Soto der WirtschaftsWoche. "2013 entstanden 275.000 neue Arbeitsplätze, die Arbeitslosenquote sank von 26 auf 23 Prozent. Die Fakten widerlegen die Horrorszenarien von der bösen Deflation."

Auch die Verbraucher hätten nichts gegen Deflation. "Ich glaube nicht, dass die normalen Bürger Angst vor sinkenden Preisen haben", so der in Madrid lehrende Ökonom. "Es sind die Vertreter des ökonomischen Mainstreams, die eine Deflationsphobie schüren. Sie argumentieren, Deflation lasse die reale Schuldenlast steigen und würge so die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ab. Dabei lassen die Deflationswarner unter den Tisch fallen, dass bei Deflation die Gläubiger gewinnen – was deren Nachfrage ankurbelt."

Auch die Befürchtung, der Konsum gehe bei sinkenden Preisen zurück, kann de Soto nicht teilen. "Das ist ein abstruses Argument, das man immer wieder hört"“, kritisiert der Ökonom. "Schauen Sie mal, welch reißenden Absatz neue Smartphones finden, obwohl die Käufer wissen, dass die Geräte in ein paar Monaten billiger angeboten werden. Würden die Menschen wegen sinkender Preise den Konsum aufschieben, würden sie letztlich allesamt verhungern."

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