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Schuldenkrise Taumelt Europa dem kollektiven Bankrott entgegen?

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Spiel auf Zeit

Markus Ferber Quelle: dpa

Einen Rest Optimismus hat sich Markus Ferber bewahrt, der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europaparlament: „Es ist noch möglich, Griechenland im Euro zu halten. Das Land hat jetzt eine auf vier Jahre gewählte, stabile Regierung. Wenn die bis zum Jahresende das Ruder herumwirft und die notwendigen Reformen auf den Weg bringt, kann das für Griechenland und diese Regierung ein Erfolg werden.“ Allerdings ist auch Ferber bislang von Politik und Verwaltung in Griechenland enttäuscht: „Die Griechen haben immer noch nicht kapiert, dass es mit Spielchen vorbei ist.“ Aber auch Ferber sagt: „Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro hätte heute keine dramatischen Auswirkungen für den Euro-Raum mehr.“

In Brüssel spielt man auf Zeit. Die Inspekteure der Troika, die vergangene Woche nach Athen zurückgekehrt sind, werden im September zu einer weiteren Mission aufbrechen, ehe sie ihr abschließendes Urteil über die griechische Misere fällen. Doch die Tendenz ist klar: Ein Exit Griechenlands aus der Euro-Zone ist in Brüssel keine populäre Idee – anders als in Berlin.

Entscheidend könnte daher sein, wie sich der IWF verhält. Steigt er wegen der mangelnden Reformbereitschaft der Griechen aus den Hilfen aus, entstünde bis Ende 2015 eine Finanzierungslücke von 26,4 Milliarden Euro, die von den Euro-Ländern geschlossen werden müsste. Gäben die Retter zudem den Forderungen der Griechen nach Streckung der Defizitziele um zwei Jahre nach, entstünden weitere Kosten von bis zu 50 Milliarden Euro. Ein drittes Rettungspaket für Griechenland wäre dann wohl unvermeidbar.

Grafik: Eisberge voraus! Quelle: Statistisches Bundesamt, ifo Institut, Raffelhüschen, Moog

Allerdings ist kaum vorstellbar, dass die Parlamente der Geberländer das abnicken, zumal Finnland und die Niederlande ihre Beteiligung von der Teilnahme des IWF abhängig gemacht haben. Drehen die Euro-Länder Athen den Geldhahn zu, wären der Staat und mit ihm die Banken bankrott. Den Griechen bliebe nichts anders übrig, als den Euro aufzugeben und eigenes Geld zu drucken.

Deutschland und die anderen Euro-Länder müssten ihre Hilfskredite dann abschreiben. Auch die griechischen Staatsanleihen im Besitz der EZB wären nichts mehr wert. Zudem müsste die EZB ihre Target-Forderungen aus dem Zahlungsverkehrssystem der Notenbanken gegenüber der griechischen Zentralbank komplett abschreiben. Insgesamt verzeichneten die Geberländer und der IWF nach Berechnungen des ifo Instituts dann Verluste von rund 308 Milliarden Euro, von denen Deutschland etwa 82 Milliarden schultern müsste. Das entspricht etwa einem Drittel der Steuereinnahmen des Bundeshaushalts. Würden die Lasten durch Kredite finanziert, kletterten die Staatsschulden in diesem Jahr von rund 81 auf 84 Prozent des BIPs.

Noch teurer wird es, wenn auch Spanien komplett unter den Schutzschirm schlüpft, nachdem das Land schon eine Zusage über 100 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds EFSF für die Rekapitalisierung seiner Banken erhalten hat. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy lehnt diesen Schritt bisher zwar ab, weil er ein Anpassungsprogramm à la Griechenland oder Portugal fürchtet.

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