Schuldenkrise Troika ruiniert Griechenland-Wirtschaft

Griechenland braucht weitere 15 Milliarden Dollar. Das sei die Schuld der Troika, sagt Wirtschaftsweiser Peter Bofinger.

Die Kardinalfehler bei der Euro-Rettung
Frau mit einem blauen EU-Schirm vor dem EU-Parlament Quelle: dpa
Alter Mann bei einem Friseur Quelle: REUTERS
Die griechische Nationalflagge wird entfernt Quelle: dpa
Angela Merkel, Jose Luis Rodriguez Zapatero, Quelle: dpa
Demonstranten und Polizisten in Athen Quelle: dapd
Kassenbon mit Mehrwertsteuersätzen Quelle: dpa
Mann läuft an geschlossenen Geschäften vorbei Quelle: REUTERS

Griechenland braucht weitere 15 Milliarden Euro, um seine Schulden in den nächsten acht Jahren auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Derzeit beträgt die Schuldenlast noch 160 Prozent des BIP. Das haben die Schuldenprüfer von der Troika herausgefunden. Nun geht in Brüssel das Gerangel weiter, wer dafür aufkommen soll. Die Euroländer und die EZB sollen auf die Summe verzichten - Stichwort Schuldenschnitt.
Da will Deutschland aber nicht mitspielen. „Griechenland braucht eine Reduzierung der privaten Forderungen um 50 Prozent“, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview. „Es braucht keine zusätzlichen Beiträge des öffentlichen Sektors“, sagte er. Und auch die EZB will ihre Forderungen nicht abschreiben.
Die EU-Kommission sieht es anders: Der öffentliche Sektor müsse verzichten, um Griechenland zu retten. Was die Banken und Investoren tun, spiele bei der Entscheidung keine Rolle. Die sind im Übrigen bereits im Gespräch mit der griechischen Regierung. Der scheidende Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann sagte, die Gläubiger seien zu einem Verzicht von "70 Prozent plus X" bereit. Knapp 100 Milliarden Euro Entlastungen stehen zur Debatte.

Troika würgt Wirtschaft ab

Jetzt will die Troika Griechenland noch Lohn- und Rentenkürzungen aufdrücken. Ministerpräsident Lucas Papademos hat sich bereits bereit erklärt, entsprechende Gesetze zu verabschieden. Doch genau das sei der Fehler, urteilt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Das Programm der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank „war von Anfang an falsch angelegt“, sagte das Mitglied des Wirtschafts-Sachverständigenrates der „Frankfurter Rundschau“. Die anhaltende Misere der griechischen Wirtschaft sei eine Folge der Sparauflagen der Troika. „Durch die Sparmaßnahmen wurde die Wirtschaft abgewürgt, dies ließ die Defizite steigen, woraufhin die Troika noch schärfere Sparanstrengungen forderte“, sagte der Ökonom. In diesem Kreislauf sei das System kollabiert. „Die Troika hat grundlegende Gesetze der ökonomischen Schwerkraft missachtet.“

Harsche Kritik - die an den Euroländern abperlt: Für das zweite Paket von Euro-Ländern und IWF in Höhe von 130 Milliarden Euro sollen weitere Reformen und Einsparungen her und das zügig. Wirtschaftsminister Philipp Rösler beispielsweise lehnte es ab, den Griechen mehr Zeit zu geben. Das wäre „schlichtweg das falsche Signal“, sagte er.

mit Material von dpa und Reuters

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