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Schuldenkrise Warum geht Griechenland nie das Geld aus?

Die griechische Haushaltsführung ist auf eine ganz eigene Weise bewundernswert. Seit August dieses Jahres schon verzögert sich die Auszahlung der von EU und Internationalem Währungsfonds versprochenen Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro, weil das Land mal wieder seine Reformvorgaben verfehlt. Seit vier Monaten müsste die Regierung in Athen pleite sein. Doch obwohl sie kein frisches Geld bekommen, halten die Hellenen durch. Wie geht das?

Was aus den Rettungsplänen wurde
GeuroEs war eine Idee des früheren Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer: Griechenland führt eine Parallelwährung ein, den Geuro, der neben dem Euro im Land zirkuliert. Unternehmen könnten dann ihre Beschäftigten mit dem Geuro bezahlen, diese sich  dafür Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter kaufen. Da sich die neue Parallelwährung gegenüber dem Euro schnell abwerten würde, wären griechische Produkte und Dienstleistungen – hier vor allem der Tourismus – schnell wieder wettbewerbsfähig. Nach außen hin könnte das Land weiter in Euro rechnen. Es blieb eine Idee. Quelle: dapd
Striktes SparprogrammGriechenland spart sich gesund. Der Plan sieht vor, dass Griechenland 2013 und 2014 gut 11,5 Milliarden Euro einspart – durch Kürzung der Gehältern der Staatsbediensteten sowie der Renten, des Verteidigungsetat und so weiter. Dass Griechenland seine Sparpläne einhält, glaubt kaum noch jemand. Die Prüfungskommission Troika wurde bisher bitter enttäuscht. Auch Regierungschef Antonis Samaras trägt nicht zum Vertrauen in die Sparbemühungen bei, wenn er wie Ende August geschehen bei den Schuldnerländern um einen Aufschub bis 2016 bittet. In wenigen Wochen wird die Troika ihren neuen Bericht vorlegen, dann wird man sehen, was Griechenland bisher erreicht hat. Quelle: dpa
'Grexit" - Zurück zur DrachmeDas Land erklärt sich bankrott, steigt aus der Europäischen Währungsunion aus und kehrt zur Drachme zurück. Jahrelang warnten Euro-Politiker vor Ansteckungseffekte einer Griechenland-Pleite. Spanien, Italien oder Portugal würden dann ebenfalls in den Abgrund getrieben, hieß es einstimmig aus Brüssel. Doch die Stimmung hat sich gedreht. Das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion wird in den Ländern der Euro-Zone mittlerweile für beherrschbar gehalten. Das "Grexit-Szenario" bleibt eine Option, sollte Griechenland seine Sparpläne nicht in die Tat umsetzen. Quelle: dpa
Konzept "Südo"Die Teilung des Euro in eine Gemeinschaftswährung der Südländer (Südo) und der Nordländer (Nordo) käme zwar vor allem Griechenland, aber auch Italien, Spanien und Portugal zugute. Da eine Abwertung des  Südo gegenüber dem Nordo die unmittelbare Folge einer solchen Teilung wäre, würde sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Euro-Krisenländer entsprechend verbessern. Mit einer solchen Aufteilung wäre die Währungsunion langfristig ökonomisch stabil. Doch die Politik stellt sich quer – das Festhalten an der Einheitswährung ist europäische Staatsräson. Quelle: dapd
Projekt EurekaEs war eine geniale Idee der Unternehmensberatung Roland Berger: Der griechische Staat verkauft große Teile seines Staatsbesitzes – an Kulturgüter wie die Akropolis war dabei allerdings nicht gedacht – an eine europäische Treuhandanstalt. Mit dem Erlös hätte Griechenland seine Auslandsschulden abtragen können. Die Treuhand hätte dann rund 30 Jahre Zeit gehabt,  die griechischen Staatsunternehmen zu sanieren und zu verkaufen. Deutsche und griechische Politiker hatten durchaus Sympathien für diesen Plan mit dem Namen „Eureka“. Doch es wurde nichts daraus. Quelle: dapd
Konzept "Fixit"Um den Griechen das Leben in der Europäischen Währungsunion zu erleichtern, könnten auch finanziell starke und hoch wettbewerbsfähige Länder die Euro-Zone verlassen. So haben etwa die Finnen angekündigt, sie könnten auch ohne Euro leben. Würden die Finnen tatsächlich austreten (Fixit) und machen die Niederlande, Estland und vor allem Deutschland diesen Schritt mit, würde das Griechenland die fällige Anpassung erleichtern. Vom Tisch ist diese Option noch nicht – der Schlüssel dazu liegt bei der Regierung in Helsinki. Quelle: dpa
Geld druckenEs ist der bequemste aller Auswege – und damit der wahrscheinlichste. Die Europäische Zentralbank (EZB) wirft die Notenpresse an. Und das geht so: Die Regierung in Athen gibt Staatsanleihen aus, griechische Banken kaufen die Titel auf und hinterlegen sie bei der EZB. Dafür bekommen sie frisches Zentralbankgeld. Darüber hinaus denkt die EZB darüber nach, wie sie weitere Staatsanleihen der Krisenländer vom Markt nehmen kann. Die Deutsche Bundesbank ist mit ihrem Widerstand gegen dieses Programm isoliert. 'Not kennt kein Gebot', lautet das Motto von EZB-Präsident Mario Draghi – und so ist der Staatsfinanzierung durch die Notenbank Tür und Tor geöffnet.    Quelle: dpa

Die Rettung in der Not bedeuten für die Griechen im Moment dreimonatige Anleihen, sogenannte T-Bills. Die verkauft die Regierung in Athen mehr oder weniger direkt an ihre heimischen Banken. Die Institute haben den Staat damit allein im August im Umfang von geschätzt vier Milliarden Euro gestützt. Dabei haben die Banken selbst eigentlich auch nicht die Mittel, um sich die Staatspapiere leisten zu können.

Sie finanzieren die Käufe deshalb über einen Umweg und hinterlegen die T-Bills als Sicherheit für Kredite bei der griechischen Zentralbank – die ihnen dafür auf eigene Rechnung (und eigene Haftung) Geld gibt. Über diesen Kreislauf finanziert also letztlich die eigene Notenbank den Staat. Das ist auf dem Papier strengstens verboten, doch schon seit längerer Zeit gängige Praxis in der Euro-Zone.

Zukunftsszenarien für Griechenland

Die Notenbank nimmt auch Ramschpapiere

Für die griechischen Banken ist die Finanzierung über die Notfallkreditlinie ELA ("Emergency Liquidity Assistance") inzwischen wichtiger als die reguläre Finanzierung über die Europäische Zentralbank (EZB), denn die Anforderungen an Sicherheiten sind für ELA-Kredite deutlich niedriger. Die griechische Notenbank akzeptiert sogar Ramschpapiere, während die EZB seit Juli gar keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten annimmt, weil diese von zu schlechter Bonität sind.

Über die griechische Notenbank kommen die Banken des Landes weiterhin an Geld, mit dem sie ihren taumelnden Staat stützen. Zudem dient es ihnen dazu, die Kapitalflucht über das Target-Zahlungssystem der Notenbanken zu finanzieren. Dabei sind die T-Bills nur ein kleiner Teil des verdeckten Hilfspakets. Die griechischen ELA-Kredite haben inzwischen ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro erreicht. Zum Vergleich: Die EZB stützt griechische Banken derzeit nur noch mit 30 Milliarden Euro.

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