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Schuldenkrise Große Zweifel an Griechenlands Genesung

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Wohl doch kein ganz normales Land

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
Francois hollande Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: dpa
José Manuel Barroso Quelle: REUTERS
Wolfgang Schäuble Quelle: AP
Martin Schulz Quelle: REUTERS
Antonis Samaras Quelle: dapd
Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Venizelos, der als Finanzminister an der Aushandlung des zweiten Hilfspakets für Griechenland beteiligt war, kritisierte indirekt auch die harte deutsche Position bei der Formulierung von Auflagen für Krisenländer. „Es ist für einen deutschen Bürger und Politiker nicht einfach, europäische Vielfalt und das Recht auf einen anderen Lösungsansatz zu akzeptieren“, sagte er. Griechenland könne bei seinem Weg von Anpassungen und Reformen Erfolge wie kein anderes Land der Euro-Zone verweisen. „Das alles wurde ohne Belastung der europäischen Bürger erreicht“, sagte der Minister. „Wir belasten den sogenannten deutschen Steuerzahler nicht.“ Bei den beiden Hilfspaketen über zusammen fast 240 Milliarden Euro für sein Land handele es sich zu wesentlichen Teilen um Kredite, die sein Land bediene.

Noch in diesem Jahr wolle Griechenland zurück an die Kapitalmärkte gehen, sagen Venizelos und Samaras unisono. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hält das für unrealistisch. Die Ankündigung sei „wohl eher politisch motiviert“, als auch taktisch, um den Druck auf die Geldgeber zu erhöhen, einer Umstrukturierung der griechischen Staatsschulden zuzustimmen, so Fratzscher.

Griechenland hofft darauf, dass die Geldgeber einer Verlängerung der Rückzahlungsfristen für die Schulden und einer weiteren Senkung der Zinsen zustimmen. In diesem Fall könnte der griechische Schuldenberg als „tragfähig“ erklärt werden – so die Hoffnung Athens. Das Land könnte dann versuchen, sich wieder auf den Finanzmärkten Geld zu leihen.

Auch der weltweit größte Anleiheinvestor Pimco ist skeptisch, das Griechenland bald wieder seine Schulden selbst an den Kapitalmärkten finanzieren kann. „Wir glauben nicht, dass Griechenland in diesem Jahr Geld an den Finanzmärkten erhält“, sagte Pimco-Manager Myles Bradshaw der „Süddeutschen Zeitung“.

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„Für eine neunjährige griechische Staatsanleihe erhält man derzeit acht Prozent. Wenn das Land zu diesen Konditionen größere Kredite aufnimmt, würde die gesamte Schulden- und Zinslast sehr viel höher ausfallen als bei einer Kreditaufnahme über den Rettungsfonds ESM“, erklärte der Pimco-Manager. Zum Vergleich: Die Kredite aus ESM-Mitteln kosteten Athen nur rund zwei Prozent. Die Schuldenquote Griechenlands beträgt derzeit 175,5 Prozent des BIPs.

Pikant: Die Athener Zeitung „Avgi“ berichten von Briefen des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso und des griechischen Notenbankchefs Georgios Provopoulos. Darin soll es heißen, Griechenland habe erst 2015 Chancen, sich Geld am Finanzmarkt zu leihen. Nein, ein normales Land wird Griechenland wohl auch in diesem Jahr nicht sein.

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