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Schuldenkrise Zeit für die Euro-Wende

Frankreich und Österreich verlieren ihre Top-Bonität, die Verhandlungen zur Umschuldung zwischen Griechenland und den Banken stehen vor dem Scheitern, die Euro-Krise verschärft sich dramatisch. Ist die Währungsunion noch zu retten?

Wie die Agenturen bewerten
Wie die Ratingagenturen die Staaten bewertenDie Ratingagentur S&P hat Frankreich die Topnote entzogen, das sogenannte „Triple A“. Bereits im November hatte die Agentur die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft herabgestuft - allerdings nur versehentlich aufgrund eines „technischen Fehlers“. Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA Quelle: dapd
Österreich hat Anfang 2012 sein Spitzenrating verloren, jedenfalls wenn es nach S&P geht. Experten bemängeln, die Regierung von Kanzler Werner Faymann habe nicht ausreichend gespart. Zudem sei die österreichische Wirtschaft stark mit der italienischen verwoben. Wenn die Krise im Nachbarland weitergeht, könnten andere Agenturen folgen. Doch bislang blieb alles beim alten. Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA Quelle: Reuters
Ungarische Gedenkmünze Quelle: dpa
Portugiesischer Euro unter der Lupe. Quelle: dpa
Die Ära Silvio Berlusconi ist zu Ende, Mario Monti übernimmt. Doch die Probleme Italiens wachsen weiter. Der italienische Schuldenberg ist der zweitgrößte in Europa. Nur Griechenland hat noch mehr Schulden. Alle drei großen Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft, weitere Negativurteile drohen. An den Anleihemärkten sind die Renditen inzwischen auf Niveaus gestiegen, zu denen sich Italien kaum noch refinanzieren kann. Rating (S&P/Moody's/Fitch): A/A2/A- Quelle: dpa
Die Ratingagenturen haben den Daumen über Griechenland als erstes gesenkt. Bereits im Juni 2011 stuften sie das Land als erstes aus Europa auf Ramschniveau herab. Mittlerweile ging es wieder bergauf. Nur Moody's hält seit März 2012 das Rating auf dem niedrigsten Niveau. S&P und Fitch sind etwas nachsichtiger – auch deshalb hat Athen die rote Laterne beim Rating der EU-Staaten abgegeben. (S&P/Moody's/Fitch): B-/C/B- Quelle: Reuters
Premierminister José Luis Rodriguez Zapatero wird die Sorgenfalten nicht los. Spanien bewertet die Ratingagentur Fitch seit Ende Januar mit A statt AA-minus. Die Ratingagentur Moody’s hatte die Bonitätsnote von Spanien bereits im Herbst um zwei Stufen gesenkt, auf "A1". Die Ratingagentur setzte zudem den Ausblick für die Note auf "negativ", in Zukunft sind also weitere Abstufungen möglich. Spanien bleibe in der Krise weiterhin für Marktturbulenzen anfällig, erläuterten die Bonitätswächter. Das Land habe einen großen Finanzierungsbedarf und außerdem hoch verschuldete Banken und Konzerne. Zudem werde ein schwaches Wirtschaftswachstum das Erreichen der ehrgeizigen Sparziele erschweren. S&P hat seine Drohungen wahr gemacht und das Land als eines von neun Euro-Staaten herabgestuft. Quelle: dapd

Für die Euro-Rettungspolitiker in Brüssel, Berlin, Rom und Madrid hatte die vergangene Woche eigentlich vielversprechend angefangen. Italien und Spanien gelang es, neue Anleihen bei Investoren zu platzieren und mehr Geld einzusammeln als erwartet. Das hohe Interesse der Anleger an den Bonds der beiden Länder drückte deren Renditen kräftig nach unten. Italien musste für neue einjährige Staatsanleihen nur 2,7 Prozent Zinsen zahlen. Im Dezember hatten die Investoren für Italo-Bonds gleicher Laufzeit noch knapp 6 Prozent verlangt.

Doch dann, kurz vor dem Wochenende, kam es für die Rettungspolitiker knüppeldick. Erst platzten am Freitag die Umschuldungsverhandlungen Griechenlands mit den privaten Gläubigern. Am späten Abend stufte dann die Rating-Agentur Standard & Poor´s die Kreditwürdigkeit von 9 Euroländern herab, darunter Frankreich und Österreich. Beide Länder verloren ihre Höchstnote AAA und werden jetzt nur noch mit AA+ bewertet. Der Ausblick für beide Länder ist negativ. Italien, Portugal und Spanien stuften die S&P-Ökonomen gleich um zwei Stufen herab.

Dagegen behielten Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg ihre Top-Noten. Allerdings bewertet S&P nur den Ausblick für Deutschland mit stabil, den anderen drei AAA-Ländern attestiert die Ratingagentur einen negativen Ausblick. Zur Begründung der Entscheidung verwies S&P auf die unzureichende Reaktion der Regierungen auf die Euro-Krise, die der Schwere der Probleme nicht Rechnung trage.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

Welche Konsequenzen hat die Entscheidung von S&P für die Euro-Zone? An den Märkten flüchteten die Anleger in deutsche Staatsanleihen, die als sicherer Hafen gelten. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen rutschten am Freitag unter die Marke von 1,8 Prozent. Die Zinsen für die Niederlande und Finnland sanken ebenfalls.

Dagegen kletterten die Zinsen für die herabgestuften Länder nach oben. Allerdings blieb das Ausmaß der Zinsänderungen moderat. Das spricht dafür, dass die Märkte mit der Rating-Entscheidung gerechnet und diese in ihre Zinsforderungen eingepreist haben. So muss Frankreich schon seit einiger Zeit um mehr als einen Prozentpunkt höhere Zinsen berappen als Deutschland.

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