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Schuldenkrise Der Euro ist nicht schuld an der Krise

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Zusammenhänge zwischen Staatsverschuldung und Euro

Nach meiner Meinung trübt eine auf diesen Aspekten beruhende Bewertung jedoch den Blick für den Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Euro. Unbestritten hat die Aushebelung des Defizitverfahrens durch Gerhard Schröder und Jacques Chirac zu einem Glaubwürdigkeitsverlust gegenüber dem Euro geführt, der heute schmerzt. Jedoch reicht aus meiner Sicht eine punktuelle Abweichung einzelner Länder vom Drei-Prozent-Ziel nicht aus, um die generelle Wirkungskraft des Wachstums- und Stabilitätspakts in Frage zu stellen.

Ich halte es sogar für plausibel, dass das damalige Defizit unter Schröder und Chirac noch deutlich höher ausgefallen wäre, wenn es keinen entsprechenden Referenzwert gegeben hätte. Auch den Verweis auf die hohe Schuldenlast der Euro-Länder sehe ich als nicht ausreichend für eine Bewertung des Euro an. Schließlich waren die Schuldenstände der heutigen Euro-Staaten schon vor der Einführung des Euro höher als in den Nicht-Euro-Staaten. Dass der Euro wenig mit der Verfehlung der vom Wachstums- und Stabilitätspakt vorgeschriebenen 60-Prozent-Verschuldungsquote zu tun hat, zeigt schon der Umstand, dass die wenigsten Länder dieses Kriterium bei der Einführung des Euro erfüllten. Auch Deutschland, das als Vorbild für eine solide Fiskalpolitik gilt, ist nach wie vor mit fast 80 Prozent Verschuldung weit von diesem Kriterium entfernt.

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
Francois hollande Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: dpa
José Manuel Barroso Quelle: REUTERS
Wolfgang Schäuble Quelle: AP
Martin Schulz Quelle: REUTERS
Antonis Samaras Quelle: dapd
Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Um schließlich die Bedeutung des Euro einschätzen zu können, möchte ich die Frage in den Mittelpunkt rücken, wie hoch die Verschuldung in den heutigen Euro-Ländern läge, wenn dort der Euro nicht eingeführt worden wäre. Ohne experimentelle Rahmenbedingungen fällt allerdings eine Antwort schwer. Einige bezweifeln grundsätzlich, dass man Länder und die Auswirkungen von Reformen wie der Einführung des Euro quasi im Labor betrachten könne.

Zu einzigartig erscheint die Situation in Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien, deren Verschuldung auf einen komplexen Mix an ökonomischen und politischen Faktoren zurückgeht. So erklären laut empirischer Forschung Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Steuereinnahmen in Kombination mit Föderalismus und ideologischer Ausrichtung der Regierung die Verschuldung eines Landes, die durch ein „schockartiges“ Ereignis wie das Platzen einer Spekulationsblase noch sprunghaft ansteigen kann. Diese grundsätzlichen Einwände halten aber weder Kritiker noch Befürworter davon ab, den Euro beziehungsweise seine Abschaffung für alternativlos zu halten.

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