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Schuldenkrise Zypern hofft auf Wachstumsschub

Der Inselstaat stellt sein Programm für die EU-Ratspräsidentschaft vor. Das Land will demnach für Wachstum sorgen. Über den Rettungsschirm verliert Zypern bezeichnenderweise kein Wort.

Das Kraftwerk von Vassilikos deckte über 50 Prozent des Elektrizitätsbedarfs Zyperns ab. Am 11. Juli 2011 wurde es durch eine Explosion auf einer angrenzenden Militärbasis schwer beschädigt Quelle: dpa

Der zyprische Präsident Dimitris Christofias will sich während des Ratsvorsitzes seines Landes entschieden für Wachstumsinitiativen einsetzen. Der kommunistische Politiker sprach sich bei der Vorstellung seines Programms am Mittwoch im Europaparlament mit deutlichen Worten gegen eine strenge Sparpolitik aus. „Diese Politik, die uns aus der Krise führen sollte, hat unsere Probleme nicht gelöst, im Gegenteil, sie hat sie noch verschärft“, sagte Christofias. Die Arbeit an der zwischen reichen und armen EU-Ländern umstrittenen Finanzplanung 2014 bis 2020 nannte Christofias die wichtigste Aufgabe der nächsten sechs Monate. Er werde sich darum
bemühen, die Verhandlungen „für einen gerechten Haushalt“ erfolgreich zum Abschluss zu bringen, sagte er.

Zum Euro-Rettungsschirm verlor Zypern bezeichnenderweise kein Wort. Erst in der vergangenen Woche suchte das Land Hilfe vom EFSF, um seine marode Banken zu schützen. Zypern ist nun das erste Land mit EU-Vorsitz sein, das unter dem finanziellen Rettungsschirm der Union arbeiten muss. Das Land hat einen klassischen Fehlstart hingelegt.

Vor einem Jahr spitzte sich die Krise des Inselstaates zu. Am 11. Juli 2011 explodierten auf einer zypriotischen Militärbasis Container mit illegaler Munition aus dem Iran. Zwölf Menschen starben. Zudem wurde das Kraftwerk von Vassilikos, das größte und modernste seiner Art auf Zypern, schwer beschädigt. Es lag nur 300 Meter vom Explosionsort entfernt. Es entstand ein Sachschäden in Milliardenhöhe, der kaum zu tragen ist für die drittkleinste Volkswirtschaft der Euro-Zone, dessen Bruttoinlandsprodukt gerade einmal 17,8 Milliarden Euro beträgt.

Strompreise schießen in die Höhe

Problematisch auch: Das Kraftwerk von Vassilikos deckte über 50 Prozent des Elektrizitätsbedarfs im griechischen Süden der Insel ab. In den ersten Monaten nach der Katastrophe musste immer wieder stundenweise der Strom abgeschaltet werden. Die besonders energiefressenden Meerwasser-Entsalzungsanlagen wurden stillgelegt und die Trinkwasserversorgung rationiert.

Wissenswertes über Zypern

„Die Auswirkungen des Dramas sind noch heute zu spüren“, sagt Eberhard Koch, Kapitän und Geschäftsführer der Reederei "Österreichischer Lloyd", die in der zypriotischen Stadt Limassol ihren Sitz hat. „Es gibt zwar keine Strom-Engpässe mehr, der Windenergie-Sektor ist voll ausgebaut und leistungsstark, aber die Strompreise sind enorm gestiegen.“ Bis zu 30 Prozent höhere Kosten müssten die Unternehmen pro Monat seit dem Unglück tragen, so Koch. Um die Kosten einzudämmen, hätten einige Firmen Mitarbeiter entlassen müssen, ohnehin angeschlagene Unternehmen wurden gar in den Ruin getrieben.

Doch es liegt längst nicht nur an den iranischen Waffenschmugglern und der Explosion vom Juli 2011 das das Land mit dem Rücken zur Wand steht. Zypern hat jede Menge hausgemachte, strukturelle Probleme. Die größten Sorgen aber bereiten die Banken des Landes. Sie haben durch Fehlinvestitionen riesige Kapitallücken angehäuft. Die heimische Regierung kann die Branche aus eigener Kraft nicht stabilisieren, der Inselstaat beantrage am Montag finanzielle Unterstützung aus dem Euro-Rettungsschirm.

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