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Schuldenschnitt für Griechenland Schäubles Albtraum

Rund 50 Milliarden Euro hat der Bund im griechischen Feuer. Ein Schuldenschnitt, wie ihn der IWF ins Spiel bringt, könnte der Bundesregierung das Genick brechen.

Diese Akteure entscheiden den Griechenland-Poker
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giannis Varoufakis Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: dpa
Christine Lagarde Quelle: dpa
Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Der IWF fordere einen Schuldenschnitt für Griechenland, lautete kurzzeitig die Schlagzeile. Wenig später ließ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dementieren. Der IWF-Vertreter habe bei den jüngsten Gesprächen über Griechenland nur verschiedene Optionen erwähnt, hieß es gestern im Laufe des Tages. Vom Tisch ist ein Schuldenschnitt für die Griechen damit allerdings beileibe nicht.

Der IWF spricht nur aus, was alle anderen auch wissen. Selbst wenn die links-/rechtsextreme Regierung in Athen wieder zum alten Reformkurs ihrer Vorgänger zurückkehrt, kann das Land nicht aus eigener Kraft die Krise stemmen. Selbst 2014 erreichte das Land nicht die gesteckten Wachstumsziele. Für dieses Jahr sieht es zappen duster aus. Die Schuldentragfähigkeit, so heißt der Fachbegriff, ist für Griechenland nicht gegeben. Folglich muss etwas Radikaleres als bisher geschehen – an Reformen, an Strukturveränderungen, am System der Steuererfassung, oder aber auch ein erneuter Schuldenschnitt.

Griechenlands Zahlungsverpflichtungen 2015

Bei ersten Schuldenschnitt mussten Privatanleger und Banken bluten. Inzwischen sind die Europäische Zentralbank und die EU-Partnerländer die größten Gläubiger. Deutschland hat rund 50 Milliarden im Feuer. Ein 50-prozentiger Schuldenschnitt würde also den Haushalt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sofort mit ungefähr 25 Milliarden Euro belasten. Groß wäre der öffentliche Aufschrei. Die Regierung würde der Lüge bezichtigt, die AfD bekäme wieder kräftig Wind unter ihre inzwischen lahmen Flügel, Schäuble wäre seinen ausgeglichenen Haushalt los.

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Bluten für Athen – nein, das ist extrem unpopulär. Vor allem, nachdem die neue Regierung von Alexis Tsipras Deutschland verbal quasi den Krieg erklärt hat und auf aggressive Betteltour gegangen ist, anstatt sich zuallererst im eigenen Land mit einem nationalen Kraftakt aus der Krise zu kämpfen. Das weiß auch die Bundesregierung, und deshalb wird sie alles tun, damit es nicht zu einem Schuldenschnitt für die Griechen kommt. Nicht jetzt, nicht nächstes Jahr und erst recht nicht im Wahljahr 2017.

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