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Kroatien hofft auf europäisches Geld

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und seine kroatische Amtskollegin Vesna Pusic hoffen, dass Kroatiens Wirtschaft von der EU-Mitgliedschaft, die am 1. Juli 2013 beginnt, profitiert. Quelle: dpa

Vom Euro-Beitritt ist Kroatien derzeit so weit entfernt wie Griechenland von soliden Finanzen. Das Land tritt zum 1. Juli 2013 in einem ersten Schritt immerhin der Europäischen Union bei. Politik und Wirtschaft erhoffen sich einen dringend benötigten Wachstumsschub.

Zwar konnte Kroatien bis 2008 ein langjähriges stabiles Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 4,2 Prozent aufweisen, doch die Finanzkrise schickte die Volkswirtschaft auf Sturzflug. Um 6,0 Prozent nahm das Bruttoinlandsprodukt 2009 ab, 2010 wurde ein Minus von 1,2 Prozent verzeichnet und auch in diesem Jahr soll die Wirtschaft – nach einer Mini-Erholung 2011 – wieder in die Rezession rutschen. In einer Wirtschaftsumfrage der deutsch-kroatischen Industrie- und Handelskammer beurteilt nur jedes fünfte Unternehmen die eigene Geschäftslage als gut.

Hohe Löhne, ineffiziente Verwaltung

Die Ursachen sind vielfältig: Wichtigster Handelspartner Kroatiens ist das Euro-Krisenland Italien, die Infrastruktur sowie die technische Ausrüstung der Betriebe ist vielerorts mangelhaft und die Produktionskosten sind sehr hoch. "Die durchschnittlichen Lohn- und Lohnnebenkosten sind in Kroatien höher als in vielen anderen Transformationsländern beziehungsweise Ländern der Region", sagt Peter Presber, Geschäftsführer der deutsch-kroatischen Industrie- und Handelskammer. Insbesondere in der Hauptstadt Zagreb sei das Lohnniveau sehr hoch. Zudem würde die steuerliche Belastung sowie die ineffiziente Verwaltung von den Unternehmen regelmäßig kritisiert werden. "Verwaltungsverfahren werden leider nur selten zügig abgeschlossen", weiß Presber.

Wissenswertes über Kroatien

Mit dem Beitritt zur Europäischen Union soll nun alles besser werden. Kroatien hofft auf Unterstützung bei der Belebung der Wirtschaft von Brüssel. Sowohl von fachlicher Seite, etwa bei der Schulung von öffentlichen Angestellten und dem Umbau der Verwaltung sowie beim Kampf gegen die Kriminalität und der Korruption. Vor allem aber aus finanzieller Sicht. Kroatien kann mit Fördermitteln in Milliardenhöhe rechnen. Geld, das die Regierung dringend braucht, aber selbst nicht hat, um Steuerreformen umzusetzen, die Verwaltung umzubauen und in die Infrastruktur zu investieren. Die Auslandsverschuldung des Staates, des Bankensystems, der Wirtschaft sowie der privaten Haushalte lag Ende 2010 bei 46,5 Milliarden Euro (101,3 Prozent des BIP).

Auch von privater Seite sollen ab dem kommenden Jahr reichlich Euros nach Zagreb fließen. "Mit der Unterzeichnung des Beitrittsvertrages ist Kroatien als Investitionsstandort für viele Unternehmen interessanter geworden, weil die Entwicklungsrichtung klar ist", sagt Presber. Für deutsche Unternehmen seien insbesondere Investitionen im Bereich der Erneuerbaren Energien und in der Logistik interessant. "Die erwartete Investitionsbelebung sowie der Nachhol- und Modernisierungsbedarf in verschiedenen Branchen bieten deutschen Ausrüstungsherstellern wieder bessere Lieferchancen", so Presber.

Bislang konzentrierte sich das deutsche Engagement in Kroatien vor allem auf dem Einzelhandel. Sowohl die Metro, als auch Lidl, Kaufland und dm sind zwischen Istrien und Dalmatien mit Filialen vertreten und machen der größten einheimischen Einzelhandelskette Konzum Konkurrenz.

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