WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Schweiz Auszug aus dem (Steuer-)Paradies

Seite 2/3

Private Banken unter Druck

Die Schweizer Nationalbank SNB. Quelle: dpa

„Eine große Herausforderung des Bankenplatzes Schweiz ist die Wiederherstellung der Reputation, die rund um die Diskussion zur Lockerung des Bankgeheimnisses gelitten hat“, stellen die Schweizerische Bankiervereinigung und die Boston Consulting Group in einer Studie fest. Die Diskussion um das Bankgeheimnis ist aber nur ein Aspekt, mit dem sich das Private Banking in der Schweiz konfrontiert sieht. Der Margendruck hat im Zuge der Finanzkrise global zugenommen, wie verschiedene Studien von McKinsey oder vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich belegen.

Überdurchschnittlich gelitten haben Finanzplätze, die sich auf die Betreuung ausländischer Kunden („offshore“) fokussiert haben. „Der Zwang, sämtliche Regulatorien aus den Herkunftsländern der Gelder zu befolgen, macht das grenzüberschreitende Geschäft für die Schweizer Banken immer schwieriger“, führt Manuel Ammann, Bankenprofessor an der Universität St. Gallen (HSG) aus. Die zunehmende internationale Regulierung erfordert großes Fachwissen über die lokalen Gepflogenheiten und Gesetze. „Es stellt sich die Frage, welche Märkte überhaupt noch bedient werden können“, zeichnet Ammann die Problematik auf. „Eine stärkere Spezialisierung auf einzelne Märkte ist vonnöten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Die Schweiz, die stark im grenzüberschreitenden Geschäft involviert ist, bekam das garstige Marktumfeld voll zu spüren. Die Einnahmen pro Mitarbeiter sind zwischen 2007 und 2010 um 36 Prozent eingebrochen. Die Universität Zürich geht in ihrer Private Banking Study 2011 davon aus, dass auf dem Höhepunkt der Diskussion um das Bankgeheimnis einige Banken innert eines Jahres 5 bis 10 Prozent ihrer verwalteten Vermögen („Assets under Management“) verloren haben, was direkt auf die Erträge durchschlägt.

Die Talsohle durchschritten

Bei der schweizerischen Bankiervereinigung spielt man die Bedeutung dieser Zahlen herunter: „Zu Zu- und Abflüssen können wir uns nicht äußern, weil Währungseffekte dabei eine starke Rolle spielen. Im Rahmen der Steuerverhandlungen hatten unsere Mitglieder keine massiven Mittelabflüsse zu verzeichnen.“ Laut McKinsey ist dies nicht zuletzt auf Wachstumsmärkte wie Lateinamerika und den Mittleren Osten zurückzuführen, welche 2010 einen „Zuwachs im zweistelligen Bereich“ verzeichneten.

Die aktuelle finanzwirtschaftliche Lage in Europa, aber auch die Umwälzungen in den arabischen Ländern kommt der Schweiz zugute. „Angst vor einer plötzlichen Abwertung des eigenen Vermögens oder sogar vor dem Zugriff durch die Behörden motiviertviele Leute dazu, ihr Geld in der Schweiz anzulegen“, ist Bankenprofessor Ammann zuversichtlich.

Die volkswirtschaftlichen Faktoren sprechen nach wie vor für den Finanzplatz Schweiz. „Die Schweiz zeichnet sich durch politische und wirtschaftliche Stabilität aus“, hält die Schweizerische Bankiervereinigung fest. Die tiefe öffentliche Verschuldung und die Stärke des Schweizer Frankens tragen zusätzlich zur Vertrauensbildung bei.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%