Schweizer Boni-Deckelung Initiative gegen "Abzockerei" erfolgreich

Jahrelang wurde in der Schweiz gestritten: Muss der Staat allzu üppige Managergehälter per Gesetz bekämpfen? Nein, sagten die Unternehmen. Ja, sagte jetzt ersten Trendrechnungen zufolge das Volk.

Von Novartis bis Nestlé, von Roche bis zur UBS - in Schweizer Weltkonzernen geht Angst vor dem Volk um. Nie zuvor war ein Urnengang in der an Referenden reichen Alpenrepublik so umkämpft, wie der zur Volksinitiative

Überzogene Millionenvergütungen für Spitzenmanager könnten in der Schweiz bald der Vergangenheit angehören. Bei der Schweizer Volksabstimmung über Manager-Millionen zeichnet sich eine deutliche Mehrheit für die Initiative „gegen die Abzockerei“ ab. Das ergaben Trendrechnungen des Forschungsinstituts gfs.bern nach Schließung der Stimmlokale am Sonntag. Das Institut erwarte auf der Basis der Auswertung erster Ergebnisse „ein deutliches Ja zwischen 60 und 70 Prozent“ für den Gesetzesvorschlag des Unternehmers und unabhängigen Abgeordneten Thomas Minder, berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur sda.

Die bestverdienenden Firmenlenker Europas
Platz 10: Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender bei der Daimler AG 8.654.000 EuroQuelle: Die Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) hat die Vergütung der in den Börsenindizes STOXX Europe 50 und EURO STOXX 50 geführten Unternehmen für das Geschäftsjahr 2011 ausgewertet. Quelle: dpa
Platz 9: Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG 8.706.633 Euro Quelle: dpa
Platz 8: Josef Ackermann, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank 9.355.150 EuroLaut hkp-Studie liegen die Gehälter für Manager im Finanz- und Bankenbereich unter dem europäischen Durchschnitt (5.719.286 Euro). Der Grund: Die Marktsituation, sowie eine verstärkte Regulierung der Branche drücken die Gehälter - auch auf den höheren Managementebenen. Noch vor der Wirtschafts- und Finanzkrise waren die CEO-Löhne bei Banken & Co die höchsten in Europa. Quelle: dpa
Platz 7: Sir Terry Leahy, Chief Executive der britischen Handelsmarktkette Tesco 9.922.936 EuroDie Gehälter der Top-Manager in Großbritannien, Schweiz und Deutschland bilden die Spitze im europäischen Vergleich. Im Durchschnitt verdienen die Schweizer CEOs 8.047.000 Euro, ihre Kollegen auf den britischen Inseln 6.730.000 Euro und die deutschen Vorstandsvorsitzenden 6.664.000 Euro. Die hkp-Studie stellt fest, dass innerhalb derselben Branche sich die Gehälter nach und nach annähern, doch die Unterschiede im Ländervergleich bleiben groß. Ein Schlüsselfaktor für die Vergütung: die Unternehmensgröße, die Branche, und der Standort des Konzernsitzes. Die Gehälter der europäischen Manager liegen laut hkp deutlich unterhalb der ihrer us-amerikanischen Kollegen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 6: Severin Schwan, Chief Executive Officer beim Schweizer Pharmakonzern Roche 10.021.932 Euro Quelle: REUTERS
Platz 5: Peter Voser, Chief Executive Officer beim britischen Mineralöl- und Erdgaskonzern Royal Dutch Shell 10.208.000 Euro Quelle: dpa
Platz 4: Bernard Arnault, Chef der französischen Luxusgüter-Gruppe Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) 10.696.670 EuroArnault hat im September die belgische Staatsbürgerschaft beantragt und angenommen - aus Angst vor den Steuererhöhungsplänen der französischen Regierung unter Staatspräsident Francois Hollande. Quelle: dpa

Die nach Minder benannte Initiative zielt darauf ab, Exzesse bei Bonus-Zahlungen, Abfindungen und Gehältern für Manager börsennotierter Unternehmen durch die Stärkung der Aktionärsrechte zu unterbinden. Über die Höhe von Managervergütungen sollen die Aktionäre jährlich entscheiden können. Verstöße gegen entsprechende gesetzliche Regelungen sollen mit bis zu drei Jahren Gefängnis und hohen Geldbußen bestraft werden können.

Der Vorschlag war vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und den bürgerlichen Parteien mit einer millionenteuren Kampagne bekämpft worden. Sie warnten vor Nachteilen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von in der Schweiz ansässigen Konzernen. Die politische Linke befürwortete die Initiative hingegen mehrheitlich.

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Minder äußerte sich erfreut über den klaren Ja-Trend. „Ich bin froh, dass der lange Kampf vorbei ist“, sagte der parteilose Abgeordnete im Schweizer Fernsehen SRF. Nun beginne der Kampf um die Umsetzung. „Man weiß ja, wie zerstritten das Parlament ist“, sagte Minder. Die eidgenössischen Abgeordneten hatten jahrelang um die Initiative und Gegenvorschläge gerungen, bevor das Volksbegehren endlich am Sonntag zur Abstimmung gelangte.

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