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Serie Europa Briefing – Teil 2 Die Zinswende der EZB kommt 2018

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Was tut die EZB, um die Inflation anzuheben?

In den Jahren 2013 und 2014 wurde Deflation im Euroraum zu einer konkreten Bedrohung. Im Dezember 2014 fiel die Teuerungsrate erstmals unter null Prozent. Der Leitzins lag zu diesem Zeitpunkt bereits bei null Prozent. Wie alle großen Zentralbanken griff die EZB zu geldpolitischen Sondermaßnahmen. Die wichtigste davon ist das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten, meist Quantitative Lockerung oder QE-Programm genannt.

Im QE-Programm kauft die EZB seit März 2015 Anleihen im Wert von monatlich 60 Milliarden Euro, zwischenzeitlich auch 80 Milliarden Euro. Das Programm soll noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden. Zum Vergleich: Der deutsche Verteidigungshaushalt für 2017 beträgt etwa 37 Milliarden Euro. Durch den Aufkauf dieser Anleihen schafft die Zentralbank eine enorme Nachfrage für Schuldtitel. Dadurch wird es für Banken attraktiv, mehr Kredite zu günstigeren Konditionen an Unternehmen und Haushalte zu vergeben. Die Investitionen, die mit den Krediten finanziert werden, schaffen Wachstum und Inflation.

Es gibt einige Anzeichen für die Wirksamkeit des QE-Programms: Kredite für Unternehmen und Privatpersonen wurden günstiger und die Arbeitslosigkeit im Euroraum sank. Trotz dieser Entwicklungen ist die Teuerungsrate weiterhin auf zu niedrigem Niveau. Die Wachstumsraten unterschieden sich außerdem von Land zu Land stark.

Für den begrenzten Erfolg der EZB-Politik gibt es mehrere Gründe: In vielen Euroländern kämpfen Banken und Unternehmen immer noch damit, Schulden und faule Kredite abzubauen, die sich vor und während der Finanzkrise aufgetürmt haben. Gleichzeitig verhindern geringe Wachstumsperspektiven, dass Unternehmen genügend investieren. Der europäische Binnenmarkt ist außerdem für eine Währungsunion nicht ausreichend integriert. Beispielsweise sind große Bereiche des Dienstleistungssektors immer noch auf nationale Märkte beschränkt.

Worauf setzt die EZB?

Die EZB hofft, dass sich der derzeitige Widerspruch zwischen schwacher Inflation und solidem Wachstum bald auflöst und der Aufschwung stärker auf die Löhne durchschlägt. Ist ein solcher Trend in den Statistiken erkennbar, kann sie sich auch aus dem QE-Programm zurückziehen.

Geldpolitik der EZB

Dabei will die Zentralbank unbedingt vermeiden, durch einen zu frühen Ausstieg aus dem QE-Programm die wirtschaftliche Erholung zu gefährden. Führt der Ausstieg zu einem Rückfall in niedrige Inflation, könnte auch die Zuversicht der Unternehmen untergraben werden. Die braucht es aber, damit sich die Erholung am Arbeitsmarkt fortsetzt.

Um heftige Ausschläge an den Märkten zu vermeiden, wird die EZB das QE-Programm vermutlich in mehreren kleinen Schritten, dem sogenannten Tapering, beenden. Bei einem schnellen Vorgehen könnte die EZB das Volumen ihrer Anleihekäufe bis Mitte 2018 auf Null zurückfahren. Das wäre eine Kompromisslösung im Streit um die richtige Geldpolitik, denn eine möglichst lange Fortsetzung hilft den Krisenländern; ein schneller Ausstieg kommt hingegen den Ländern entgegen, denen es wirtschaftlich heute schon wieder gut geht.

Unwahrscheinlich ist, dass nach einem Ausstieg die Zinsen sofort wieder anziehen. Das legt die Erfahrung der USA nahe: Der Leitzins der US-Notenbank war zwei Jahre nach Ende des QE-Programms noch unter einem Prozent.

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