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Sexpartys Staatsanwalt fordert Freispruch für Strauss-Kahn

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Einst aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat

Doch sie wie alle anderen in der Anklageschrift erwähnten Prostituierten erklärten, sie hätten aus eigenem Antrieb an den Partys teilgenommen und seien nie direkt von Strauss-Kahn bezahlt worden. Auch hätten sie ihm nie gesagt, dass sie für ihre Sexdienstleistungen bezahlt würden.

Selbst einer der Kläger räumte ein, dass der Fall nicht eindeutig sei. „Ich bin absolut sicher, dass Herr Strauss-Kahn wusste, dass in diesem internationalen Ring einige Prostituierte waren. Reicht das aus, um daraus den Vorwurf der Zuhälterei zu begründen? Wir werden darüber diskutieren“, sagte der Anwalt David Lepidi.

Der damalige IWF-Direktor Strauss-Kahn galt als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat, bis er 2011 nach Vorwürfen sexuellen Missbrauchs zurücktreten musste. Die entsprechenden Beschuldigungen eines New Yorker Zimmermädchens wurden später von der Staatsanwaltschaft fallengelassen, der Fall wurde außergerichtlich geregelt.

Aber damit war Strauss-Kahn noch nicht aus dem Schneider. Darüber hinaus beschuldigte ihn eine französische Schriftstellerin der versuchten Vergewaltigung, allerdings war die mutmaßliche Tat verjährt. In Lille steht Strauss-Kahn nun erstmals vor Gericht.

Im Prozess räumte er eine Vorliebe für ausgefallenen Sex ein, erklärte aber, er habe gedacht, die Frauen seien ausschweifende Freigeister wie er selbst. Für einen Schuldspruch müsste im Prozess bewiesen werden, dass Strauss-Kahn wusste, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte und dass er ihre Aktivitäten als Prostituierte organisierte oder finanziell von ihnen profitierte.

Prostitution selbst ist in Frankreich legal, nicht aber die Organisation eines Prostitutionsrings oder Profit aus dem Geschäft einer Prostituierten zu schlagen. Ermittlungsrichtern zufolge zeigen Textbotschaften von Strauss-Kahn und einem Mitangeklagten, dass Strauss-Kahn der „Dreh- und Angelpunkt und der Hauptnutznießer“ der Orgien gewesen sei. Teilweise sei er der Initiator und einziger Nutznießer gewesen und von mehreren Frauen gleichzeitig bedient worden. Zudem habe er die Prostitution gefördert, indem er für einige der Frauen eine Wohnung bereitgestellt habe.

Strauss-Kahn, der im Verlauf des Verfahrens zunehmend selbstsicherer wirkte, könnte zum Abschluss des Prozesses am Freitag selbst noch einmal das Wort ergreifen. Die drei Richter entscheiden am Freitag, wann sie ein Urteil verkünden.

Der Vorsitzende Richter Bernard Lemaire hat - mit frustriertem Unterton in der Stimme - wiederholt erklärt, dass in dem Prozess häufig „Gefühle“ ausgedrückt würden. Harte Fakten vermisste er offenbar. Bei der Eröffnung des Verfahrens betonte er, dass das Gericht nicht über freiwillige sexuelle Handlungen unter Erwachsenen urteilen werde. „Das Gericht“, sagte er, „ist nicht der Wächter der Moral, sondern des Gesetzes.“

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