Skandal um Anglo Irish Bank Ehemaliger Chef der Anglo Irish entschuldigt sich für Telefonate

„Nur Verachtung“ hat die Bundeskanzlerin für den irischen Ex-Banker Drumm und seine Kollegen. Sie hatten sich höhnisch über die Krise der Anglo Irish Bank geäußert. Nun findet Drumm den Ton der aufgezeichneten Gespräche „unverzeihlich“.

Die größten europäischen Banken
Banco Santander Quelle: REUTERS
UBS Quelle: REUTERS
Lloyds Banking Quelle: dapd
ING Quelle: dapd
Société Générale Quelle: dpa
Royal Bank of Scotland Quelle: dapd
Crédit Agricole Quelle: dpa

Der ehemalige Chef der irischen Pleitebank Anglo Irish, David Drumm, hat sich für abfällige Telefonate über die Rettung der Bank entschuldigt. Drumm sagte der irischen Wirtschaftszeitung „Sunday Business Post“, der unangemessene Ton der Gespräche sei ein Ausdruck stressiger Zeiten gewesen. Er nannte den Ton der aufgezeichneten Gespräche „unverzeihlich“.
Zu keiner Zeit habe die Bankführung versucht, der Finanzaufsicht die schwierige Lage der Großbank zu verschweigen, versicherte Drumm. Er betonte, dass die Bank in der Zeit, als es um eine Rettung ging, solvent gewesen sei - und dass die Liquiditätsprobleme der Bank der Aufsicht zu der Zeit bekannt gewesen seien. Drumm sagte weiter, sollten Gespräche zwischen Anglo Irish, der Zentralbank und dem Finanzministerium auch veröffentlicht werden, würde dies die Diskussion in ein anderes Licht rücken.
Die in der vergangenen Woche von der Zeitung „Irish Independent“ veröffentlichten Mitschnitte von Gesprächen unter Top-Managern der Bank hatten nicht nur in Irland hohe Wellen geschlagen. Unter anderem hatte ein Banker mit Blick auf zu erwartende Gelder aus Deutschland die erste Strophe des Deutschlandliedes angestimmt.

Wie in Zentralbanken hineinregiert wird
Europäische Zentralbank (EZB)"Das vorrangige Ziel ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten", heißt es in Artikel 105 des Maastricht-Vertrags. Zwar soll die EZB auch für Stabilität an den Märkten sorgen und die Wirtschaftspolitik der EU unterstützen. Das allerdings nur, wenn dadurch das Ziel der Preisstabilität nicht beeinträchtigt wird. Diese klare Abgrenzung hat anfangs funktioniert. Seit der Euro-Krise jedoch ist die Geldpolitik Teil der EU-Wirtschaftspolitik. Die EZB begründet ihre Eingriffe mit ihrem Mandat der Marktstabilität und behauptet, dass hierdurch die Geldwertstabilität nicht gefährdet sei. Quelle: dapd
Europäische Zentralbank (EZB)Auch wenn EZB-Chef Mario Draghi früher bei Goldman Sachs arbeitete, besitzen private Banken bei der Zentralbank keine direkte Mitsprache. Das EZB-Kapital von 5,76 Milliarden Euro liegt bei den 27 Notenbanken der EU, die sich – bis auf ein paar Anteile der österreichischen Nationalbank – in öffentlichem Besitz befinden. Die Euro-Finanzminister wählen die Mitglieder des sechsköpfigen Direktoriums per Mehrheitsentscheid, die Regierungschefs bestätigen die Wahl. Auch das EU-Parlament darf mitreden. Vergangene Woche lehnten die Abgeordneten die Nominierung des angesehenen Luxemburger Nationalbankpräsidenten Yves Mersch für einen Sitz im EZB-Direktorium ab. Einziger Grund: sein Geschlecht. Sharon Bowles, Vorsitzende des Währungsausschusses: "Wir sind dagegen, dass die mächtigste Institution der EU ausschließlich von Männern geleitet wird." Quelle: dapd
Bank of England (BoE)Die "Old Lady" von der Londoner Threadneedle Street ist die älteste Notenbank der Welt. Doch erst 1997 wurde sie nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank in eine – relative – politische Unabhängigkeit entlassen. Der Einfluss der Politik ist geblieben: Der britische Schatzkanzler gibt der Notenbank ein konkretes Inflationsziel von 2,0 Prozent vor. Wird dieses Ziel verfehlt, muss der Notenbankchef dies gegenüber der Regierung rechtfertigen. Quelle: REUTERS
Bank of England (BoE)Am meisten leidet die Unabhängigkeit der BoE aber dadurch, dass sie mit Aufgaben zugeschüttet wird. Die BoE muss sich nicht nur um eine stabile Währung, sondern auch um die Konjunktur und Stabilität des Finanzsektors kümmern, im nächsten Jahr kommt die Bankenaufsicht hinzu. Zudem ist die persönliche Unabhängigkeit mancher Mitglieder im Zentralbankrat fraglich: Ben Broadbent etwa arbeitete vor seiner Zeit bei der BoE jahrelang für Goldman Sachs. Zuvor war schon sein Kollege David Robert Walton, Chefökonom von Goldman Sachs in Europa, Mitglied im Zentralbankrat geworden. Bis Ende August 2012 saß dort zudem mit Adam Posen ein Geldpolitiker, der enge Verbindungen zu Starinvestor George Soros pflegt. Quelle: dpa
Federal Reserve System (Fed)Die amerikanische Fed – ein Hort politischer Unabhängigkeit? Mitnichten. Die unter einem Dach zusammengeschlossenen zwölf regionalen US-Zentralbanken gehören 3000 privaten Instituten, darunter Großbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley. Die Geldhäuser können direkt bei der Geldpolitik mitmischen, denn sie bestimmen die Direktoren der regionalen Fed-Ableger. Die Direktoren sind an der Wahl der regionalen Fed-Präsidenten beteiligt – und von diesen wiederum sitzen einige im Offenmarktausschuss, dem wichtigsten Gremium der Notenbank, das über die Geldpolitik der USA entscheidet. Der amerikanische Kongress hat der Zentralbank drei Ziele gesetzt, die nicht unbedingt miteinander harmonieren: Die Fed soll die Preise stabil halten, so viele Arbeitsplätze wie möglich garantieren und die Zinsen möglichst niedrig halten. Quelle: REUTERS
Federal Reserve System (Fed)Die Regierung darf den Währungshütern zwar nicht ins Tagesgeschäft hineinreden, aber Zentralbankpräsident Ben Bernanke muss dem Parlament regelmäßig Rede und Antwort stehen. Sollte es anhaltende Konflikte zwischen Fed und Politik geben, kann der Kongress die Unabhängigkeit der Fed beschneiden. Jüngste Debatten ließen darauf schließen, "dass es breite Unterstützung für Restriktionen geben könnte, wenn der Kongress mit der Fed-Politik nicht zufrieden ist", warnt der renommierte US-Ökonom Martin Feldstein. Die Notenbank stehe vor einem Dilemma: "Strafft sie die Geldpolitik, um die Inflation einzudämmen, riskiert sie Gegenmaßnahmen des Kongresses, die ihr die künftige Inflationsbekämpfung erschweren." Quelle: dapd
Bank of Japan (BoJ)Auf dem Papier ist die BoJ unabhängig, aber der politische Druck steigt. Mittlerweile ist es zur Regel geworden, dass ranghohe japanische Politiker offen drohen, das Notenbankgesetz zu ändern, falls die BoJ ihre Geldpolitik nicht noch stärker lockert. Was die Ankäufe von Fremdwährungen betrifft, um den Auftrieb des Yen abzumildern, handelt die Notenbank bereits im Auftrag der Regierung. Quelle: REUTERS


Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dieses Verhalten scharf kritisiert. Am Wochenende legte Finanzminister Wolfgang Schäuble nach: „Diese Banker gefielen sich offensichtlich in der Rolle von abgehobenen Übermenschen, die nur Verachtung für ihre Mitmenschen haben“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Dabei waren sie es, denen unsere Verachtung zuteil kommen sollte und denen wir das Handwerk legen müssen.“
Der angesehenen Zeitung „Irish Independent“ waren Tondokumente zugespielt worden, die sie Anfang der Woche veröffentlichte. Darin wird deutlich, dass die Führungsspitze der Anglo Irish Bank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 die Regierung in Dublin über das wahre Ausmaß der Krise bei der Bank belogen hatte. Noch verheerender wirkte der Tonfall der Banker.

In einer Sequenz stimmt Bankmanager John Bowe in schlechtem Deutsch die erste Strophe des Deutschlandliedes an: „Deutschland, Deutschland über alles...“ - ein Hohn über das Geld deutscher Anleger bei der Bank. Der damalige Bankchef Drumm - inzwischen in die USA umgezogen - bog sich dabei vor Lachen. Der Hohn kam unzweifelhaft trotz des vollen Bewusstseins, dass die Bank in der irischen Immobilienblase gerade Milliarden von Anlegern und Steuerzahlern verzockt hatte. „Wir werden das Geld zurückzahlen, wenn wir es haben... also nie“, heißt es an einer Stelle.
Merkel hatte zuvor gesagt, sie habe dafür „wirklich nur Verachtung“ - und große Zustimmung bei Irlands Notenbankchef Patrick Honohan erhalten: „Der Stil, die Einstellung und Kultur, die sich in diesen Telefonaten widerspiegeln, sind zutiefst abstoßend“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagausgabe). „Die deutsche Bundeskanzlerin hat das sehr klar auf den Punkt gebracht.“

Honohan sagte, die Gespräche vermittelten den Eindruck, die Banker hätten gegenüber der Zentralbank bewusst das Ausmaß ihres Finanzbedarfs heruntergespielt. „Das ist eine neue Dimension“, zitiert die Zeitung den Notenbankchef. Die Zentralbank prüfe rechtliche Schritte.
Schäuble sagte, die Telefonmitschnitte belegten, „wie notwendig und wichtig es war, in den Finanzmärkten klare Regeln einzuziehen“. Auf diesem Weg sei man schon weit vorangekommen. Dazu gehörten die Eigenkapitalregeln, Regeln zur Bankenabwicklung und die Obergrenzen bei Banker-Bonuszahlungen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%