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SPD Für Martin Schulz geht der Wahlkampf jetzt weiter

Die Sozialdemokraten feiern sich als Gewinner. Dabei bleibt die Union unerreichbar. Spitzenkandidat Martin Schulz aber kämpft.

Merkel: "Das ist kein CSU-Problem, das ist ein Unionsproblem"
CDU-Vorsitzende Angela Merkel lehnt jede Zusammenarbeit mit der AfD ab, dazu gebe es eine einhellige Meinung in den CDU-Gremien, die Union müsse sich aber um deren Wähler und deren Sorgen kümmern. Zum Absturz der Schwesterpartei CSU bei der Europawahl, der zum Teil auf den Umgang mit der AfD zurückgeführt wird, sagte sie: „Das ist kein CSU-Problem, das ist ein Unionsproblem insgesamt.“ CSU-Chef Horst Seehofer übte nach den Verlusten seiner Partei Selbstkritik, schloss aber personelle Konsequenzen aus. Quelle: Reuters
CSU-Chef Horst Seehofer zeigt sich nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei zwar geknickt, schließt für sich aber Konsequenzen aus. "Flucht ist kein anständiger Umgang", sagte er am Montag in München. Die Nachrichtenagentur AFP zitiert ihn zudem mit den Worten: "Ich muss mich im Jahr 2015 wieder der Wahl stellen, und das habe ich auch vor." Quelle: dpa
AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke freut sich über das Ergebnis: Die euro-kritische Partei hat bei ihrer ersten Europawahl am Sonntag nach Prognosen von ARD und ZDF aus dem Stand über sechs Prozent erzielt. Lucke sagte in einer ersten Reaktion: "Es ist Frühling in Deutschland. Die Blumen blühen auf, manche verwelken. Auch manche Parteien gehen in die Knie und verwelken, während die AfD bei dieser Wahl aufgeblüht ist. Die AfD ist aufgeblüht als eine neue Volkspartei, eine freiheitliche, soziale und wertorientierte Partei.“ Später fügte er hinzu, dass seine Partei auf keinen Fall mit rechtsgerichteten Parteien zusammenarbeiten wolle: " Wir werden nur mit Parteien des gemäßigten politischen Spektrums zusammenarbeiten". Quelle: dpa
Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel lobt Martin Schulz in den höchsten Tönen: „Das Wahlergebnis trägt einen Namen und der lautet Martin Schulz." Schulze habe "bewiesen, dass er Menschen in Europa zusammenführen kann. Nichts braucht dieser Kontinent mehr." An Schulz gewandt sagte Gabriel auf der Pressekonferenz: „Wir sind super stolz darauf, dass du einer von uns bist." Quelle: dpa
Der deutsche Sozialdemokrat und Spitzenkandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten Martin Schulz gibt sich hingegen bescheiden: "Vielen Dank Sigmar, für die Worte. Ein solcher Wahlerfolg ist nie der Erfolg einer einzelnen Person." Er fügte hinzu: "Das ist ein großer Tag für diese stolze, sozialdemokratische Partei Deutschlands. Wir haben gute Chancen, stärkste Kraft im Europäischen Parlament zu werden. Daraus leite ich natürlich den Anspruch ab, Kommissionspräsident zu werden. Das Ergebnis in Deutschland ist Rückenwind." Quelle: REUTERS
Die SPD sieht sich als Sieger der Europawahl, sie ist nach den Hochrechnungen aber klar zweite Kraft mit gut 27 Prozent. Thomas Oppermann, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, hat seiner Partei ein „fantastisches Ergebnis“ bescheinigt. Die SPD habe mit einem Zuwachs von voraussichtlich mehr als sechs Prozentpunkten den „höchsten Zuwachs aller Zeiten“ bei einer bundesweiten Wahl erreicht, sagte er. Aus seiner Sicht hat Martin Schulz nun gute Chancen, Präsident der EU-Kommission zu werden. Quelle: dpa
Dass die SPD sich selbst so feiert, löst bei vielen Twitterern Spott aus. Quelle: Screenshot

Applaus, aber kein Jubel. Als um Punkt 18 Uhr die ersten Prognosen über die Bildschirme von ARD und ZDF rauschten, klatschten die Genossen im Willy-Brandt-Haus brav und artig Beifall. Einige nötigten sich ein paar verhaltene Jubelrufe ab. Jeder schien eher damit beschäftigt zu sein, seinen Nachbar zu beobachten, ob die rund 27 Prozent nun als großer Erfolg zu werten sind oder nicht. Die SPD hat Stimmen und Sitze im Europäischen Parlament gewonnen. Angesichts des Wahldebakels von 2009, als die Partei auf gerade mal 20,3 Prozent kam, war das aber auch nicht verwunderlich.

Insgeheim hofften viele der in der Parteizentrale der SPD versammelten Mitglieder, bei der diesjährigen Wahl endlich wieder die 30-Prozentmarke zu knacken. Dieses Ziel, das keiner wagte auszusprechen, wurde klar verfehlt. Die SPD hat ein gutes Ergebnis eingefahren, aber keinen Sieg errungen.

Und so brandete nur zwischenzeitlich mal etwas mehr Beifall auf, als Spitzenkandidat Martin Schulz und Parteivorsitzender Sigmar Gabriel nach knapp einer halben Stunde auf die Bühne kamen.  Einige hielten "Jetzt ist Schulz"-Schilder nach oben. "Das ist der größte Zugewinn, den die SPD bei einer deutschlandweiten Wahl jemals erreichte", begann Gabriel seine Rede. Der SPD-Chef lobte Schulz für seinen "großartigen Wahlkampf". Schulz habe mehr als 28 Staaten, mehr als 200 Wahlkampftermine besucht. "Wir sind wieder da. Wie legen enorm zu", so Gabriel zu den 27 Prozent. Jetzt wurde es tatsächlich mal etwas lauter - aber mehr aus Höflichkeit denn aus Überzeugung. Einige Anwesende versuchten sich mit "Martin, Martin"-Rufen, können sich aber nicht durchsetzen.

Die Union bleibt immer noch unerreichbar für die Sozialdemokraten. Die Konservativen kommen auf 36 Prozent in Deutschland. Trotz Verlusten bei CDU und vor allem der CSU liegen die beiden Volksparteien immer noch weit auseinander. Dieses Wissen lastet weiterhin auf der SPD und trübt die Freude über die gewonnenen Prozentpunkte.

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