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Staatsanleihen Deutschland lässt Spanien am Bondsmarkt den Vortritt

Spanien ist Deutschland am Anleihemarkt einen Schritt voraus – zumindest zeitlich. Fast alle Bonds für 2012 wurden schon ausgegeben. Ein beunruhigendes Zeichen für die Bundesrepublik ist das aber nicht. Warum sich Deutschland bei Anleiheemissionen mehr Zeit lassen kann als Länder wie Spanien oder Italien.

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Spaniens Baustellen
Spanien hat wie die anderen südeuropäischen Euro-Länder von den niedrigen Zinsen in der Währungsunion profitiert und einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Ähnlich wie in Irland bildete sich eine Immobilienblase, die mit einem lauten Knall platzte: Der Bausektor fiel in sich zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Quelle: REUTERS
Seit 2008 stieg die Arbeitslosenquote von knapp über zehn auf fast 25 Prozent. Bei den Jugendlichen ist fast jeder Zweite arbeitslos. Hatten bislang vor allem ungelernte Arbeitskräfte in der Bauwirtschaft und im Servicebereich ihren Job verloren, trifft es jetzt auch qualifizierte Kräfte. Nach einem schwachen Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2011 befindet sich Spaniens Wirtschaft jetzt wieder in der Rezession. In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 Prozent schrumpfen. Quelle: dpa
Das Hauptproblem: Fortbildungsprogramme und Arbeitsvermittlung wurden bislang vernachlässigt, Teilzeitverträge existierten bislang fast gar nicht. Auf Seiten der Arbeitnehmer haben sich zu viele Angestellte in komfortablen Bedingungen eingenistet. Flexibilität und Mobilität bei Stellensuchenden sind so gut wie gar nicht ausgeprägt. Quelle: REUTERS
Ausgerechnet die Hochqualifizierten bewegen sich nun – mit fatalen Folgen für Spanien. Weil Jobs und Perspektiven für Akademiker fehlen, schauen sich junge Iberer zunehmend im Ausland nach Jobs um. In Deutschland könnte sie fündig werden. Die Bundesregierung warb im vergangenen Herbst um spanische Ingenieure. Mit Erfolg. Bis zum Jahresende 2011 bewarben sich mehr als 14.000 junge Iberer um einen Job zwischen Hamburg und München. Spanien droht nun der „brain drain“. Quelle: dpa
Ein weiteres Problem: Spaniens Regierungschef legt ein hohes Reformtempo vor – doch die Kommunal- und Regionalregierungen zeigen keinerlei Sparbereitschaft. Während die Zentraladministration seit 2001 ihr Personal um 22 Prozent reduziert habe, sei die Belegschaft der autonomen Gemeinschaften um 44 Prozent und die der Gemeinden um 39 Prozent gestiegen, rechnete Antonio Beteta vor, der Staatssekretär für öffentliche Verwaltungen. Quelle: REUTERS
Höhere Sozialausgaben und sinkende Steuereinnahmen aufgrund der Rezession und der Abwanderung von Hochqualifizierende führen zwangsläufig zu einem Anstieg der Verschuldung. Die Gesamtverschuldung liegt derzeit mit knapp 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar unter dem Schnitt der Eurozone, aber diese Zahl dürfte bis 2014 rasant wachsen. Die Ratingagentur Moody’s geht davon aus, dass die Verschuldung bis Jahresende bei rund 80 Prozent des BIPs liegen wird. Quelle: dpa
Auch die Finanzmärkte sind skeptisch. Zwar haben die großzügigen Geldausleihen der Europäischen Zentralbank (EZB), bei der sich vor allem südeuropäische Banken mit Liquidität versorgt haben, auch die Renditen spanischer Staatsanleihen auf ein erträgliches Niveau gedrückt. Doch die Anleger verlangten von Spanien zuletzt wieder höhere Renditen als für Italien – ein deutliches Zeichen des Misstrauens. Quelle: REUTERS

Spanien gibt das Tempo vor: Das krisengebeutelte Land beschafft sich am Anleihemarkt schneller Geld als andere und liegt beim Finanzierungs-Fortschritt für 2012 auf dem zweiten Platz aller Euro-Länder. Dies ermittelten die Experten der Unicredit in einer Analyse. 88 Prozent ihres diesjährigen Bedarfs hätten die Iberer bereits eingesammelt, einzig Österreich sei mit 92 Prozent noch schneller gewesen.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im September angekündigt hatte, im Notfall Staatsanleihen der Länder zu kaufen, die unter den europäischen Rettungsschirm fallen, hat sich die Stimmung an den Anleihemärkten deutlich gebessert – Spanien nutzte die fallenden Renditen und brachte zahlreiche Anleihen an den Markt. Erst am vergangenen Donnerstag platzierte die Regierung in Madrid Bonds über vier Milliarden Euro am Markt. Allerdings handelte es sich dabei ausschließlich um Papiere mit kurzen Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren.  

Während Spanien aufs Tempo drückt, lässt Deutschland sich Zeit. Lediglich 80 Prozent des Finanzbedarfs sei bisher eingesammelt worden, innerhalb der Währungsunion liege die oft als sicherer Hafen bezeichnete Bundesrepublik damit auf dem letzten Platz.

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    Muss sich Deutschland jetzt um seine Finanzierung sorgen? Vermutlich nicht, denn die Bundesrepublik lässt sich bei der Emission ihrer Anleihen traditionell mehr Zeit als andere. „Vom Stand der Refinanzierung eines Landes lässt sich nicht auf die jeweilige Bonität schließen“, erklärt Daniel Hartmann, Analyst beim Anlagespezialisten Bantleon. Für Länder wie Deutschland, die ihre Papiere teilweise sogar zu negativen Zinsen veräußern, bestehe kein Grund zur Eile. „Deutschland liegt genau im Plan“, sagt Hartmann. Solange es keine Probleme bei der Refinanzierung gäbe, bestehe auch kein Anreiz, davon abzuweichen.

    Denn Bundesanleihen werden nach einem festen Zeitplan ausgegeben. Diesen erstellt die zuständige Bundesfinanzagentur jeweils am Jahresende für die kommenden zwölf Monate, auf diese Weise sollen sich Investoren frühzeitig auf die geplanten Emissionen der Bundeswertpapiere einstellen können. Insgesamt will der Bund dieses Jahr 255 Milliarden Euro an Kapital einsammeln, 52 Milliarden davon im abschließenden vierten Quartal. Die Höhe der Emissionen richtet sich nach den auslaufenden Anleihen und dem geschätzten Budgetdefizit. Fällt das kleiner aus als erwartet, können Emissionen am Jahresende sogar abgesagt werden.

    Zusätzliche Anleihen

    Wer seine Rechnungen am schnellsten bezahlt
    Pünktlichkeit ist scheinbar keine Stärke der Portugiesen. Ihre Zahlungsmoral ist die schlechteste in Europa, zeigt die jüngste D&B-Studie. Gerade einmal 21,8 Prozent der Unternehmen zahlen ihre Schulden rechtzeitig zurück. Am unzuverlässigsten ist das Zahlungsverhalten in den Sektoren Bergbau, Bauwesen und im Einzelhandel. Die pünktlichsten Zahler hingegen stammen hier aus dem Sektor „juristische Dienstleistungen“. Quelle: dpa
    Eine böse Überraschung: Großbritannien zeigt eine schwache Zahlungsmoral. Nur 26,3 Prozent der Unternehmen begleichen ihre Rechnungen fristgerecht. Auch sonst steht die Insel derzeit nicht gut da: 2011 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt geschätzt um weniger als 1 Prozent. Für 2012 liegt die Prognose nur bei 0,4 Prozent. Damit besteht die reale Gefahr einer Rezession. Quelle: dpa
    Das Zahlungsverhalten der französischen Unternehmen ist mit einer Quote von 33,4 Prozent stabil geblieben. Frankreich liegt damit im Mittelfeld. Insgesamt gilt: Je größer das Unternehmen, desto unpünktlicher die Zahlungen. So sind Kleinstunternehmen mit 40 Prozent bei fristgerechten Zahlungen am zuverlässigsten. Den niedrigsten Wert erreichen hier Großunternehmen mit lediglich 8,5 Prozent. Dafür gelten französische Unternehmen als sehr großzügig bei Zahlungsverzügen ihrer Lieferanten. Quelle: dpa
    Die Polen dürfen stolz sein: Ihr Zahlungsverhalten hat sich deutlich verbessert. Mittlerweile bezahlen 34,5 Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen pünktlich. Grund für die Verbesserung ist die gute finanzielle Lage polnischer Unternehmen. So lässt sich ein positiver Trend bei Flexibilität, schnellem Ansprechen auf Veränderungen, guten Managemententscheidungen sowie ein gutes makroökonomisches Umfeld im Land selbst erkennen. Quelle: dpa
    Kaum ein Land ist so von der Krise gebeutelt wie Spanien. Darunter leidet auch die Pünktlichkeit der Zahlungen. So zahlten spanische Unternehmen im Jahr 2011 mit einem durchschnittlichen Zahlungsverzug von 102,47 Tagen. Nur 41,1 Prozent der Unternehmen beglichen ihre Rechnungen zum vereinbarten Zeitpunkt. Außerdem führt Spanien die Kategorie „stark verspätete Zahler“ (Zahlungsverzug von mehr als 90 Tagen) weiterhin an. Quelle: rtr
    Belgien hat es erstmals über den EU-Durchschnitt geschafft. 41,6 Prozent der Unternehmen zahlen ihre Schulden inzwischen fristgerecht zurück. Auch die belgische Konjunktur erholt sich derzeit von der Krise. Durch den stärkeren privaten Konsum steigt die Importnachfrage. Quelle: dpa
    Die Italiener liegen mit einer Quote von 45,7 Prozent im oberen Mittelfeld. Dabei sind die für Italien typischen Kleinstunternehmen pünktlicher als die Großunternehmen. Positiv zu bemerken ist, dass sich Verantwortliche in den Unternehmen nun intensiver mit dem Zahlungs- und Forderungsmanagement beschäftigen. Das belegen beträchtliche Investitionen, die die Unternehmen in Verfahren und Tools für das Zahlungsmanagement getätigt haben. Quelle: dpa

    Genauso können Staaten wie Spanien zusätzliche Anleihen begeben, wenn ihr Finanzierungsbedarf überraschend steigt. Gleiches gilt für die Finanzierungssituation: Sind die Renditen gerade niedrig, wie im Falle Spaniens nach der Ankündigung der EZB, Staatsanleihen kaufen zu wollen, können zusätzliche Emissionen veranschlagt werden, um die günstigen Konditionen auszunutzen.

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      Anleger sollten also nicht vorschnell vom aktuellen Stand der Finanzierung auf die Situation des Landes schließen. „Auch Länder wie Griechenland oder Irland waren was das Tempo der Finanzierung angeht immer sehr weit vorne“, sagt Hartmann. Am Ende habe das dennoch nichts genutzt, beide Staaten mussten hohe Risikoaufschläge für ihre Anleihen zahlen und unter den europäischen Rettungsschirm EFSF schlüpfen.  Angesichts des hohen Refinanzierungsbedarfs Spaniens im kommenden Jahr sei es allerdings positiv, dass der diesjährige Betrag schon in Reichweite sei.  

      Europa



      Hinzu kommt, dass Deutschland sich auf das Vertrauen der Anleger verlassen kann. Selbst wenn bei einer Emission nicht alle Anleihen sofort am Markt platziert werden können, ist das kein Beinbruch. Die Bundesrepublik verfügt über einen stabilen Zweitmarkt, an dem bereits platzierte Papiere gehandelt werden.

      Deutschland kann es sich deshalb leisten, Anleihen zunächst in die eigenen Bücher zu nehmen und dann am Sekundärmarkt zu verkaufen. Dieser Luxus gilt für überschuldete Staaten wie Spanien nicht, im Gegenteil. Die Renditen für spanische Schuldverschreibungen am Zweitmarkt stiegen zuletzt wieder an.

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