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Staatsanleihen Top-Investor Pimco wendet sich von Deutschland ab

Der Vermögensverwalter Pimco trennt sich aus Angst vor einem Zusammenbruch der Euro-Zone zunehmend von deutschen Staatsanleihen. Erstmals wendet sich damit ein Top-Investor ab.

Investoren zeichnen ein düsteres Bild von der Zukunft der Gemeinschaftswährung. Quelle: dpa

Der Vermögensverwalter Pimco hat wegen der Schuldenkrise nur noch wenige Bundesanleihen in seinen Depots. „Deutschland verliert durch die zunehmenden Risiken an Qualität“, erklärte Andrew Bosomworth, Fondsmanager und Deutschland-Chef des Vermögensverwalters am Mittwoch lautstark. Durch die milliardenschweren Rettungsschirme gehe Deutschland immer höhere Risiken ein. Langfristig könne eine Rückzahlung der Kredite nicht mehr garantiert werden.

Die mageren Renditen der deutschen Titel spielten laut Bosomworth nur eine untergeordnete Rolle. „Wir achten in erster Linie auf das Rückzahlungspotenzial und erst in zweiter Linie auf die Rendite. Wenn es sein muss, nehmen wir sogar negative Real-Renditen in Kauf.“

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Der Schritt Pimcos ist überraschend. Zum ersten Mal wendet sich ein Top-Investor von Deutschland ab - einem Land, das bisher als sicherer Hafen in der Welt gilt. Pimco sendet damit ein politisches Signal vor den wohl wichtigsten Wochen für die Gemeinschaftswährung seit dem Ausbruch der Schuldenkrise. Am Sonntag wählt Griechenland ein neues Parlament, Ende des Monats diskutiert ein EU-Gipfel über Bankenunion und Eurobonds.

Analysten halten es dennoch für ausgeschlossen, dass viele Investoren dem Beispiel Pimcos folgen. „Sollte ein Bruch der Euro-Zone wahrscheinlicher werden, wären deutsche Bonds erst recht wieder Zufluchtsort,“ schreiben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar. Es fehle einfach an Alternativen zu Deutschland, urteilte auch Commerzbank-Analyst Marcel Bross.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

Deutsche Auktion 1,4-fach überzeichnet

Bei einer Auktion deutscher Staatsanleihen am Mittwoch griffen die Anleger beherzt zu. Die Emission einer zehnjährigen Bundesanleihe spülte gut vier Milliarden Euro in die Staatskasse, die Versteigerung war 1,4-fach überzeichnet. Im Mai war die Emission noch 1,5-fach überzeichnet. „Das ist ein unspektakuläres, aber solides Ergebnis“, sagte Analyst Sebastian von Koss von HSBC Trinkaus. Auch das hoch verschuldete Italien hat den Kapitalmarkt erfolgreich angezapft und sammelte insgesamt 6,5 Milliarden Euro ein.

Die durchschnittliche Rendite für einjährige Papiere stieg auf 3,97 Prozent. „Angesichts der schwierigen Umstände hätte die Auktion wesentlich schlechter verlaufen können. Aber die Ergebnisse zeigen, dass die Stimmung angespannt ist und die Ansteckungsgefahr zunimmt“, sagte Sergio Capaldi, Analyst bei Intesa Sanpaolo. Italien war an den Märkten zuletzt als nächster Kandidat für Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm gehandelt worden.

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