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Staatsanleihen Deutschland lässt Spanien am Bondsmarkt den Vortritt

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Zusätzliche Anleihen

Wer seine Rechnungen am schnellsten bezahlt
Pünktlichkeit ist scheinbar keine Stärke der Portugiesen. Ihre Zahlungsmoral ist die schlechteste in Europa, zeigt die jüngste D&B-Studie. Gerade einmal 21,8 Prozent der Unternehmen zahlen ihre Schulden rechtzeitig zurück. Am unzuverlässigsten ist das Zahlungsverhalten in den Sektoren Bergbau, Bauwesen und im Einzelhandel. Die pünktlichsten Zahler hingegen stammen hier aus dem Sektor „juristische Dienstleistungen“. Quelle: dpa
Eine böse Überraschung: Großbritannien zeigt eine schwache Zahlungsmoral. Nur 26,3 Prozent der Unternehmen begleichen ihre Rechnungen fristgerecht. Auch sonst steht die Insel derzeit nicht gut da: 2011 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt geschätzt um weniger als 1 Prozent. Für 2012 liegt die Prognose nur bei 0,4 Prozent. Damit besteht die reale Gefahr einer Rezession. Quelle: dpa
Das Zahlungsverhalten der französischen Unternehmen ist mit einer Quote von 33,4 Prozent stabil geblieben. Frankreich liegt damit im Mittelfeld. Insgesamt gilt: Je größer das Unternehmen, desto unpünktlicher die Zahlungen. So sind Kleinstunternehmen mit 40 Prozent bei fristgerechten Zahlungen am zuverlässigsten. Den niedrigsten Wert erreichen hier Großunternehmen mit lediglich 8,5 Prozent. Dafür gelten französische Unternehmen als sehr großzügig bei Zahlungsverzügen ihrer Lieferanten. Quelle: dpa
Die Polen dürfen stolz sein: Ihr Zahlungsverhalten hat sich deutlich verbessert. Mittlerweile bezahlen 34,5 Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen pünktlich. Grund für die Verbesserung ist die gute finanzielle Lage polnischer Unternehmen. So lässt sich ein positiver Trend bei Flexibilität, schnellem Ansprechen auf Veränderungen, guten Managemententscheidungen sowie ein gutes makroökonomisches Umfeld im Land selbst erkennen. Quelle: dpa
Kaum ein Land ist so von der Krise gebeutelt wie Spanien. Darunter leidet auch die Pünktlichkeit der Zahlungen. So zahlten spanische Unternehmen im Jahr 2011 mit einem durchschnittlichen Zahlungsverzug von 102,47 Tagen. Nur 41,1 Prozent der Unternehmen beglichen ihre Rechnungen zum vereinbarten Zeitpunkt. Außerdem führt Spanien die Kategorie „stark verspätete Zahler“ (Zahlungsverzug von mehr als 90 Tagen) weiterhin an. Quelle: rtr
Belgien hat es erstmals über den EU-Durchschnitt geschafft. 41,6 Prozent der Unternehmen zahlen ihre Schulden inzwischen fristgerecht zurück. Auch die belgische Konjunktur erholt sich derzeit von der Krise. Durch den stärkeren privaten Konsum steigt die Importnachfrage. Quelle: dpa
Die Italiener liegen mit einer Quote von 45,7 Prozent im oberen Mittelfeld. Dabei sind die für Italien typischen Kleinstunternehmen pünktlicher als die Großunternehmen. Positiv zu bemerken ist, dass sich Verantwortliche in den Unternehmen nun intensiver mit dem Zahlungs- und Forderungsmanagement beschäftigen. Das belegen beträchtliche Investitionen, die die Unternehmen in Verfahren und Tools für das Zahlungsmanagement getätigt haben. Quelle: dpa

Genauso können Staaten wie Spanien zusätzliche Anleihen begeben, wenn ihr Finanzierungsbedarf überraschend steigt. Gleiches gilt für die Finanzierungssituation: Sind die Renditen gerade niedrig, wie im Falle Spaniens nach der Ankündigung der EZB, Staatsanleihen kaufen zu wollen, können zusätzliche Emissionen veranschlagt werden, um die günstigen Konditionen auszunutzen.

Anleger sollten also nicht vorschnell vom aktuellen Stand der Finanzierung auf die Situation des Landes schließen. „Auch Länder wie Griechenland oder Irland waren was das Tempo der Finanzierung angeht immer sehr weit vorne“, sagt Hartmann. Am Ende habe das dennoch nichts genutzt, beide Staaten mussten hohe Risikoaufschläge für ihre Anleihen zahlen und unter den europäischen Rettungsschirm EFSF schlüpfen.  Angesichts des hohen Refinanzierungsbedarfs Spaniens im kommenden Jahr sei es allerdings positiv, dass der diesjährige Betrag schon in Reichweite sei.  

Europa



Hinzu kommt, dass Deutschland sich auf das Vertrauen der Anleger verlassen kann. Selbst wenn bei einer Emission nicht alle Anleihen sofort am Markt platziert werden können, ist das kein Beinbruch. Die Bundesrepublik verfügt über einen stabilen Zweitmarkt, an dem bereits platzierte Papiere gehandelt werden.

Deutschland kann es sich deshalb leisten, Anleihen zunächst in die eigenen Bücher zu nehmen und dann am Sekundärmarkt zu verkaufen. Dieser Luxus gilt für überschuldete Staaten wie Spanien nicht, im Gegenteil. Die Renditen für spanische Schuldverschreibungen am Zweitmarkt stiegen zuletzt wieder an.

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