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Steigende Lebensmittelpreise in Finnland Finnen flüchten zu Lidl

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"Solange der Vorrat reicht" gilt in Finnland nicht

„Lidl Finnland erzielt eine rege Nachfrage, etwa durch Gastronomen“, erklärt das Unternehmen gegenüber WirtschaftsWoche Online. „Weil Lidl aber alle Privatkunden und Haushalte gleichermaßen bedienen möchte, kann es dazu kommen, dass Artikel nur in begrenzter Stückzahl abgegeben werden – eine Praxis, die im finnischen Lebensmitteleinzelhandel durchaus gängig ist und von unseren Kunden akzeptiert wird.“

Das gilt für Fleisch, Tiefkühlkost und Schokolade, aber auch für Obst und Gemüse. Die Mitarbeiter an der Kasse kontrollieren die Einhaltung der Regeln – auf die im Prospekt auch hingewiesen wird. Lidl und seine Konkurrenten wollen mit der begrenzten Abgabe von Lebensmitteln nicht nur die Kunden zufrieden stellen, sondern auch Konflikte mit dem finnischen Wettbewerbsrecht verhindern. Denn wer Angebote ankündigt, muss diese auch im gesamten Aktionszeitraum gewährleisten. „Hinweise wie ,solange der Vorrat reicht‘ sind nicht zulässig“, bedauert Lidl.

Für die Kunden ist der Einkauf so oft mühsam. „Ein typisches finnisches Kaufverhalten kann ich in meinem Bekanntenkreis nicht erkennen “, sagt Esther Kreutz. Viele Familien würden am Freitag einen großen Wocheneinkauf machen, andere eher in kleinen Schüben. „Ich kaufe eher spontan ein und schaue, was gerade im Angebot ist.“

Wissenswertes über Finnland

Längst rufen die Bürger nach dem Staat, fordern Deregulierung und eine Entlastung bei den Preisen. Doch statt etwa die Mehrwertsteuer zu senken, erhöhte die Regierung in Helsinki die Konsumabgabe. Zum Jahresbeginn stieg sie von 23 auf 24 Prozent (Deutschland: 19 Prozent). Auf Lebensmittel gilt eine reduzierte Umsatzsteuer, doch die liegt immerhin noch bei 14 Prozent (Deutschland: sieben Prozent). Grund für die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist die Schuldenkrise.

Lidl versus Aldi

Finnland fordert, dass in der Währungsgemeinschaft die Haushalte konsolidiert werden – und will mit gutem Beispiel voran gehen. Die Maastricht-Kriterien sollen auch weiter eingehalten werden. In diesem Jahr geht die Regierung von einem Haushaltsdefizit von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Das Problem ist: Die große Mehrheit der Euro-Länder ist nicht annähernd so diszipliniert wie die sparsamen Finnen. Zudem stockt anders als in Finnland fast überall im Euro-Raum die Wirtschaft. Die Europäische Zentralbank reagierte und flutet die Märkte mit billigem Geld. Das hilft dem schwachen Süden, kann aber in den stabilen Ländern zu mehr Inflation führen. So in Finnland. Die Teuerungsrate lag im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 2,72 Prozent – und damit deutlich über dem Richtwert der EZB von 2,0 Prozent.

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