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S&P-Urteil Euro-Retter auf dem Irrweg

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Anders als die zornige Stimme des Volkes

Angela Merkel, Nicolas Sarkozy Quelle: dpa

Europa, das ist die bittere Wahrheit, ist zum großen Teil überschuldet. Die Staatsdefizite steigen unaufhaltsam weiter an, in Italien und Spanien, in Frankreich und Griechenland. Die Hellenen beispielsweise sind auch nach 18 Monaten Dauer-Hilfe ein hoffnungsloser Fall. Dennoch fließen aus den anderen Eurostaaten immer weitere Milliarden nach Athen, immer weniger Fortschritte macht gleichzeitig das Land.

Wäre die Troika, bestehend aus Vertretern aus IWF, Europäischen Zentralbank und der Europäischen Union, die das Land seit heute wieder untersucht, frei von politischem Einfluss, sie würde kein anderes Urteil fällen können als die Ratingagenturen: Griechenland ist de facto pleite. Wer Milliarden in das Land pumpt, kann nicht damit rechnen, sein Geld je wiederzusehen. Und so belastet das Land auch die Kreditwürdigkeit seiner Gläubiger, insbesondere auch den anderen Ländern Europas.

Übrigens: Standard & Poor’s vertritt, anders als die zornige Stimme des Volkes glauben machen will, keine Einzelmeinung. Auch Fitch hatte zum Ende des vergangenen Jahres die Eurozone ins Visier genommen und etwa Spanien, Italien und Irland mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht. Der Ausblick für das französische Rating wurde von „stabil“ auf „negativ“ gesetzt. Die Chance, dass Frankreich auch bei der zweiten großen US-Ratingagentur sein Top-Rating innerhalb der kommenden zwei Jahre einbüßt, liegt bei knapp über 50 Prozent.

An alle Verschwörungstheoretiker

Allen Anhänger einer Verschwörungstheorie made in USA sei zudem noch einmal gesagt: Anfang August 2011 stufte S&P die Vereinigten Staaten wie nun Frankreich ebenfalls um eine Stufe von „AAA“ auf „AA+“ herab.

Statt zu jammern oder beleidigt zu sein, sollten Europas Politiker die Schuldenkrise nachhaltig und entschieden bekämpfen – und ihre Rettungspolitik überdenken. Statt zu agieren, folgen Berlin, Paris und Brüssel seit Monaten nur noch dem Druck der Märkte. Merkel, Sarkozy und Barroso, selbst die Währungshüter von der Europäischen Zentralbank, haben mit ihrer Euro-Politik das eingebüßt, was sie eigentlich auszeichnen sollte: Unabhängigkeit und Entscheidungsgewalt.

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