Tagung der Kontaktgruppe Lawrow fordert Waffenstillstand in der Ukraine

Die prorussischen Separatisten gewinnen militärisch immer mehr die Oberhand in der Ostukraine. Bei Gesprächen der Kontaktgruppe in Minsk wollen sie nun selbstbewusst auftreten.

Während die Ukraine-Kontaktgruppe in Minsk tagt, gehen die Kämpfe im Lande weiter. Quelle: AP

Nach jüngsten militärischen Erfolgen dringen die prorussischen Separatisten verstärkt auf eine Unabhängigkeit der Ostukraine. Der „Vize-Premierminister“ der nicht anerkannten „Volksrepublik“ Donezk, Andrej Purgin, reiste am Montag selbst zu einem Treffen der Kontaktgruppe in die weißrussische Hauptstadt Minsk. Er erwarte aber keinen Durchbruch, sagte er vor den Verhandlungen über die Zukunft der Konfliktregion. Die Aufständischen streben einen eigenen Staat „Noworossija“ (Neurussland) an.

Kremlchef Wladimir Putin sagte auf einer Sibirienreise, dass jetzt „ein sehr wichtiger Prozess direkter Verhandlungen“ beginne. „Die Kontakte werden jetzt erneuert“, sagte Putin bei einem Besuch in Jakutsk. Zugleich kritisierte er, dass sich die ukrainische Führung zu lange einem inhaltlichen politischen Dialog über die Zukunft der Ostukraine verschlossen habe.

Die Kontaktgruppe besteht aus Vertretern der Ukraine, Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Russland hat sich dafür eingesetzt, dass auch die Aufständischen an den Verhandlungstisch geholt werden.

Die prorussischen Separatisten beschossen nach eigener Darstellung erstmals zwei Boote der ukrainischen Küstenwache im Asowschen Meer. Der Grenzschutz in Kiew bestätigte den Angriff auf seine Schiffe in der Nähe der Hafenstadt Mariupol. Diese seien am Sonntag mit Raketen beschossen worden, teilte der Sicherheitsrat mit. Sieben Crew-Mitglieder seien verletzt worden, zwei würden noch vermisst. Ukrainische Medien machten Russland für den Vorfall verantwortlich.

Die prorussischen Separatisten schossen nach eigener Darstellung erneut ein Kampfflugzeug und zwei Militärhubschrauber ab. Rund 100 Soldaten seien zudem bei Gefechten in der Region Donezk verletzt oder getötet worden, teilten sie mit. Die Aufständischen behaupteten überdies, mehrere Ortschaften eingenommen zu haben. Auch sämtliche Zufahrtsstraßen nach Mariupol sollen unter ihrer Kontrolle stehen.

Umkämpft war weiterhin die Flughafen in Donezk. Den Flughafen in Lugansk gaben Regierungstruppen nach Angaben aus Kiew auf. Dort sollte demnach ein russisches Panzerbataillon im Einsatz sein. Der Sicherheitsrat in Kiew teilte mit, innerhalb von 24 Stunden seien im Konfliktgebiet 7 Soldaten getötet und 25 verletzt worden.

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Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies den Vorwurf einer Militärintervention in der Ukraine erneut zurück. „Es wird keine militärische Einmischung geben. Wir treten ausschließlich für eine friedliche Lösung dieser schwersten Krise ein - dieser Tragödie“, sagte er der Agentur Interfax zufolge vor Studenten in Moskau. Zugleich kritisierte Lawrow eine vorbehaltlose Unterstützung des Westens für die Führung in Kiew. Es sei Aufgabe der EU und der USA, das zu fordern, was sie in anderen Konflikten predigten: „Damit aufhören, schwere Waffentechnik und die Luftwaffe gegen zivile Objekte und gegen friedliche Menschen einzusetzen“, sagte der Minister.

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