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Tausende Stellen unbesetzt Italien gehen die Pizzabäcker aus

Obwohl die Arbeitslosenquote auf fast zwölf Prozent angestiegen ist, finden Pizza-Stuben in Italien kaum Personal. Über 6000 Stellen sind unbesetzt. Warum nur?

In Italien ist die Pizza nach wie vor heißbegehrt. Allerdings finden die Gastronomen kaum noch einheimische Pizzabäcker. Quelle: dapd

Der Bedarf ist riesig: Fasst acht Kilo Pizza isst der Italiener im Durchschnitt jedes Jahr. Gerne auch mal zum Frühstück. Glaubt man Umfragen, hat fast jeder Zehnte Italiener schon am Morgen Lust auf den Teig-Klassiker mit Tomatensauce, Salami oder Schinken, Champignons und Parmesan. Rund 25.000 Pizzerien und Pizza-Imbissbuden gibt es zwischen Mailand und Palermo. Die schlagen nun Alarm. Denn: Ihnen gehen die Arbeitskräfte aus.

Der Unternehmerverband „FIPE“ berichtet, dass jeder fünfte Gastronom einen Pizzabäcker sucht. 6000 offene Stellen gäbe es derzeit – trotz einer Arbeitslosenquote von 11,7 Prozent. Warum nur? Die Arbeitgeber bemängeln, die Italiener seien träge geworden. Kaum einer der jungen Leute sei mehr bereit, körperlich zu arbeiten. Die Pizzabäcker hingegen kritisieren die schlechten Arbeitsbedingungen. Stundenlang stehen und schwitzen sie vor heißen Öfen und das für einen Monatslohn zwischen 1000 und 1500 Euro. Trotz Arbeitszeiten am Abend gibt es keinen Nachtzuschlag. Und: Das wenige Trinkgeld kommt fast nie bei den Angestellten in der Küche an.

Wissenswertes über Italien

Die Arbeitgeber stellen nun immer öfter ungelernte Kräfte ein. Sechs bis sieben Angestellte arbeiten im Schnitt pro Pizzeria. Einen immer höheren Anteil an der Belegschaft machen Nicht-EU-Ausländer aus. Vor allem Ägypter und Bangladescher üben sich immer öfter in der Kunst des Pizzabackens. Laut „FIPE“ könnten sich diese immer öfter hocharbeiten: Vom Tellerwäscher über den Salatputzer zum „Pizzaiolo“. Ihr Handwerk lernen sie in speziellen Kursen bei der Handwerkskammer.

Für die Arbeitgeber ist das ein lohnendes Geschäft. Sie zahlen den ausländischen Pizzabäckern noch weniger als den Einheimischen – und streichen so einen höheren Gewinn pro Pizzeria-Besucher ein. Zwischen neun und 14 Euro lässt sich ein Gast im Schnitt den italienischen Klassiker kosten. Gut möglich, dass die Zahl der Pizzerien und Pizza-Stuben in Italien weiter steigt. Italiener wird man aber wohl immer seltener hinter dem Steinofen antreffen.

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