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Terror in Paris Noch ein 9/11 käme Europa teuer zu stehen

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Europa kann nicht so reagieren wie die USA

 

Und schließlich war dieser Krieg ökonomisch kostspielig. Ein so gigantisches Konjunkturprogramm wie den Krieg gegen den Terror hat es in der Weltgeschichte selten gegeben, rund 1,7 Billionen Dollar beträgt bislang das Budget für den "War on Terror", schon rund dreimal so viel wie für den Vietnam-Krieg. 

Viel davon ist versickert, in Afghanistan oder Irak, aber auch an Militärberatern um Washington, in immer irrsinnigere Überwachungsapparate. Dieser Krieg hat viele reich gemacht, aber nicht die Nation. Die steht vor einem nach wie vor gewaltigen (wenn auch mittlerweile schrumpfenden) Haushaltsdefizit, sie muss sich mit einer maroden Infrastruktur herumschlagen, einer zutiefst abstiegsbedrohten Mittelschicht, welche den Glauben in die Gerechtigkeit des amerikanischen Kapitalismus-Modells verloren hat. Das ist nicht alles Schuld des Krieges, auch die Zockerei vor der Weltfinanzkrise hat dazu beigetragen, aber von einer "Kriegsdividende" kann wahrlich keine Rede sein. 

 

So hat auch die soft power der USA verloren. Dass solcher Widerstand gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP herrscht, hat mit übertriebenen antiamerikanischen Reflexen in Deutschland zu tun - aber auch damit, dass die Marke USA in ihrer Glaubwürdigkeit schlimme Kratzer davon getragen hat. 

 

Europa



Kurzum: Ähnlich zu reagieren wie die Amerikaner nach ihrem "9-11", kann Europa sich schlicht nicht leisten, weder moralisch noch politisch noch ökonomisch. Viele Amerikaner wissen das auch, wie die Kommentierung am Tag nach den Anschlägen zeigt. Dort ist von Solidarität die Rede, aber zugleich von der Sorge, Frankreich könne ein ängstliches, ein zorniges, ein isolationistisches Land werden. Die New York Times schreibt voll Ehrfurcht, wie Pariser schon kurz nach den Anschlägen auf Twitter den Hashtag #porteouverte, oder “open door” genutzt hätten, um den Menschen Schutz anzubieten, die vor eben dem Terror fliehen, den Paris nun selber erfahren musste.   

Das klingt beinahe ein wenig neidisch, als wolle man es heute am liebsten anders machen als in den Jahren nach dem 11. September. Die besonneneren Amerikaner (und sie stellen die Mehrheit, ungeachtet einiger Ausreißer im stramm rechten Lager) rufen uns jetzt zu: Besonnenheit ist erste Bürgerpflicht.  

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