Terrorangst in Belgien Brüssel sagt Silvesterfeuerwerk ab

Die belgische Hauptstadt verzichtet wegen Terrorgefahr auf ihr traditionelles Silvesterfeuerwerk. Fahnder nehmen sechs weitere Verdächtige fest. Die Feierlichkeiten in Berlin werden nicht infragestellt.

So soll der Kampf gegen den Terror verschärft werden
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Belgien reagierte auf den Terror in Paris mit Pass- und Fahrzeugkontrollen an der Grenze zu Frankreich Quelle: dpa
SpanienIn Spanien wurde erwartet, dass an der 656 Kilometer langen Grenze zu Frankreich deutlich mehr Sicherheitskräfte eingesetzt werden. Schon nach Anschlägen in Tunesien und Kuwait hatte Madrid im Juni den Alarm auf die zweithöchste Stufe 4 angehoben. Seitdem gelten für Flughäfen und Bahnhöfe, Atomanlagen und Botschaften verschärfte Schutzmaßnahmen. Quelle: AP

Belgiens Hauptstadt Brüssel verzichtet wegen Terrorgefahr auf ihr traditionelles Silvesterfeuerwerk. Auch das Begleitprogramm auf der Festmeile in der Innenstadt fällt am Donnerstagabend aus. Bürgermeister Yvan Mayeur sagte, in Restaurants, Cafés oder Hotels könne hingegen wie geplant gefeiert werden.

Ermittler nahmen im Zusammenhang mit Terrordrohungen gegen „symbolträchtige Orte“ in Brüssel sechs weitere Verdächtige vorläufig fest. Laut Staatsanwaltschaft gab es Durchsuchungen in mehreren Stadtbezirken und in Sint-Pieters-Leeuw im Umland der Hauptstadt.

Die Behörden hatten bereits vor wenigen Tagen Attentatspläne für die Silvesternacht aufgedeckt und zwei Männer wegen Terrorverdachts festgenommen. Die Verdächtigen im Alter von 27 und 30 Jahren bleiben weiter für einen Monat in Haft, so die Staatsanwaltschaft. Der 30-Jährige gilt als Drahtzieher und soll islamistische Komplizen für Terrorakte angeworben haben.

Das bedeuten die Anschläge in Paris für Deutschland

Die Männer kommen laut Medienberichten aus dem Brüsseler Stadtbezirk Anderlecht und sind Mitglieder des Motorrad-Clubs „Kamikaze Riders“, dessen Anhänger in sozialen Netzwerken zum Teil mit antisemitischen Parolen auffielen. Fahnder waren bei Razzien auf Propagandamaterial der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gestoßen. Von einem Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen vom November mit 130 Toten gehen die Ermittler nicht aus.

Auch die Polizei in Brüssel gilt als gefährdet. Sie verschärfte die Vorkehrungen zum eigenen Schutz.

Die Absage des Feuerwerks zum Jahreswechsel ist keine Premiere. Bereits 2007 untersagte die Stadt das Spektakel nach Terrorwarnungen. Vergangenes Jahr waren zu den Silvesterfeierlichkeiten rund 100 000 Menschen gekommen.

Premierminister Charles Michel sagte im Sender RTBF, er halte die Entscheidung in der gegenwärtigen „unsicheren Situation“ für gerechtfertigt. „Es gibt eine spezielle Unruhe, wenn es um Massenereignisse geht.“

"Frankreich hat zur Expansion des Terrorismus beigetragen"
Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hat die Terroranschläge von Paris als „Barbarei“ verurteilt. „Wir vereinigen alle unsere Kräfte und stärken die Solidarität mit dem französischen Volk“, sagte Tsipras am Samstag in einer Fernsehansprache an das griechische Volk. „Es ist unser aller Pflicht, die Werte des Humanismus und der Freiheit zu beschützen.“ Europa werde „ein Land der Freiheit und der Demokratie bleiben“, fügte Tsipras hinzu. Quelle: AP
Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hat den Westen für die Ausbreitung des Terrors mitverantwortlich gemacht. Die Terrorangriffe seien untrennbar damit verbunden, was seit fünf Jahren in Syrien passiere, sagte Assad der amtlichen Nachrichtenagentur SANA zufolge am Samstag bei einem Treffen mit einer Delegation französischer Politiker und Medienvertreter. „Die fehlgeleitete Politik der westlichen Staaten, vor allem Frankreichs (...) haben zur Expansion des Terrorismus beigetragen“, sagte Assad. Quelle: AP
Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: AP
Bundespräsident Joachim Gauck sagte, die Trauer macht am Rhein nicht halt. „Aus unserem Zorn über die Mörder müssen Entschlossenheit und Verteidigungsbereitschaft werden. Auch dabei stehen wir an der Seite der Franzosen.“ Er betonte: „Die Terroristen werden nicht das letzte Wort haben.“ Quelle: dpa
Nach den Anschlägen in Paris hat der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy dem Terrorismus den Kampf angesagt. „Sie können uns Schaden zufügen, sie werden uns aber nicht besiegen“, sagte der konservative Regierungschef in einer Rede in Madrid. Mit fester Stimme fügte Rajoy im Regierungspalast Moncloa an: „Heute sind wir alle Frankreich!“  Quelle: dpa
Frankreichs Präsident Francois Hollande Quelle: AP
US-Präsident Barack Obama Quelle: REUTERS

Ende November war das öffentliche Leben in Brüssel mehrere Tage zum Erliegen gekommen, weil die Behörden einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag fürchteten und zeitweise die höchste Terrorwarnstufe ausriefen. Nun wurde nur die Warnstufe für die Polizeidienststellen sowie Polizisten und Soldaten auf den Straße angehoben. Ansonsten gilt im Land weiter Warnstufe drei von vier, bei der eine Bedrohung als möglich und wahrscheinlich eingestuft wird.

Im Zusammenhang mit den Pariser Terroranschlägen von Mitte November verhängte die belgische Justiz Haftbefehl gegen einen weiteren Verdächtigen. Dem 22-Jährigen werden Teilnahme an einer terroristischen Vereinigung und terroristische Morde vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es sei die zehnte Person, die nach den Pariser Attacken in Belgien vorläufig in Haft genommen wurde.

Der Mann mit belgischer Staatsangehörigkeit wurde bei einer Razzia im Brüsseler Stadtbezirk Molenbeek-St. Jean festgenommen. Aus Molenbeek stammt auch der Terrorverdächtige Salah Abdeslam, der an den Pariser Anschlägen beteiligt gewesen sein soll und der als Staatsfeind Nummer Eins gesucht wird.

In Deutschland ist die Sicherheitslage nach Angaben der Behörden unverändert. „Wir müssen weiterhin von einer hohen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus ausgehen“, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Für die Berliner Polizei besteht nach der Absage in Brüssel kein Anlass, die Feier am Brandenburger Tor infrage zu stellen. „Es gibt keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne“, teilte ein Sprecher mit. Zu Deutschlands größter Silvesterparty am Brandenburger Tor werden Hunderttausende Menschen erwartet.

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