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Türkei Über 200 Festnahmen bei landesweiten Razzien

Wieder erschüttern Anschläge die Türkei. Staatschef Erdogan will mit harter Hand reagieren - und spricht von Vergeltung. Über 200 Menschen werden verhaftet. Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf 44 gestiegen.

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Türkei: Dutzende Festnahmen bei landesweiten Razzien Quelle: AP

Nach dem Doppelanschlag in Istanbul hat die türkische Polizei über 200 Personen festgenommen, darunter viele Vertreter der prokurdischen Partei HDP. Ihnen würden Verbindungen zur verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK zur Last gelegt, teilte das Innenministerium am Montag mit. Zu den Anschlägen hatte sich die als PKK-Ableger eingestufte Miliz TAK bekannt. Innenminister Süleyman Soylu sagte, die Verantwortlichen würden "vom Erdboden getilgt". Die Zahl der Toten erhöhte sich nach den Anschlägen vom Samstag auf 44. Es handelt sich damit um einen der schwersten Angriffe, die in der Türkei kurdischen Aufständischen zugerechnet werden.

Das Innenministerium erklärte, es habe Razzien in elf Provinzen gegeben. Den insgesamt 235 Festgenommenen werde unter anderem vorgeworfen, "terroristische Propaganda" über soziale Medien verbreitet zu haben. Soylu sagte, es habe keinen Sinn, sich hinter Parteien, Politikern und Medien zu verstecken. Die HDP, der viele Festgenommene angehören, ist die zweitgrößte Oppositionsfraktion im türkischen Parlament. Sie hatte die Anschläge scharf kritisiert.

Am Samstagabend waren im Istanbuler Stadtteil Besiktas zwei Sprengsätze am dortigen Fußballstadion detoniert. Durch die Explosion wurden der Regierung zufolge auch rund 150 Menschen verletzt. Die meisten Toten sind Bereitschaftspolizisten. Am Montag wurde eine Kabinettssitzung verschoben, damit Minister an den Trauerfeiern für die Beamten teilnehmen konnten.

Kanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin, bei allen Reaktionen auf die Attentate müssten die Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit beachtet werden. Bereits in den vergangenen Monaten wurden zahlreiche HDP-Politiker festgenommen. Eine Verbindung zu Extremisten weist sie zurück.

Die Regierung hatte umgehend nach den Anschlägen Vergeltungsschläge gegen kurdische Aufständische angekündigt. Inzwischen flogen türkische Kampfflugzeuge Angriffe auf mutmaßliche PKK-Stellungen im Nordirak. Der Armee zufolge wurde bei den Einsätzen unter anderem eine Stellung der PKK zerstört.

Die türkische Luftwaffe greift seit Monaten immer wieder Ziele in den Bergregionen des Nachbarlandes an, wo sie PKK-Kämpfer vermutet. Die PKK kämpft seit drei Jahrzehnten für mehr Autonomie der Kurden. Dabei sind mehr als 40.000 Menschen getötet worden. Auch die USA und die EU stufen die PKK als Terrororganisation ein.

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