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Türkischer Minister Ömer Çelik "Sich gegen die Türkei zu stellen, wäre ein historischer Fehler"

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"Die türkische Wirtschaft ist robust"

Aber das Terrorismus-Problem gab es doch schon vor der Unterzeichnung des Flüchtlingsabkommens. Trotzdem haben Sie auch die Anpassung der Anti-Terror-Gesetze unterzeichnet.

Auch davor standen wir schon im Visier der Terroristen. Bitte haben Sie mehr Empathie mit der Türkei! Stellen Sie sich vor, Deutschland hätte eine Grenze zu Syrien und dem Irak, und dahinter gäbe es keine Polizei und keine Armee. Wir haben unsere Grenzen trotzdem geöffnet für Menschen, die Schutz brauchen.

Die türkische Grenze zu Syrien ist geschlossen.

Sie ist kontrolliert. Würden wir sie öffnen, kämen sofort 100.000 Menschen zu uns.

In Europa sorgen sich im Moment viele über das harte Vorgehen gegen Lehrer, Journalisten und Richter. Ist das noch verhältnismäßig?

Wir gehen mit Bedacht vor. Doch denken Sie nur einmal daran: Ein Drittel der Generäle waren am Putsch beteiligt. Viele andere erhielten Befehle und befolgten sie.

Es ist ein Verbrechen, am Putsch beteiligt gewesen zu sein. Ist es auch schon ein Verbrechen, Mitglied der Gülen-Bewegung zu sein?

Das werden Richter entscheiden. Wenn Sie Ihr Kind auf eine Schule schicken, und der Lehrer versucht, Ihr Kind für diese Organisation anzuwerben, dann ist das ein Verbrechen.

44 Unternehmen wurden bereits beschlagnahmt. Wie viele mehr werden folgen?

Der Prozess läuft noch. Es gibt Beweise, dass dort Geld im großen Stil gewaschen wurde. Wir gehen natürlich mit Bedacht vor, aber wir können es uns nicht leisten, Schwäche in diesem Kampf zu zeigen. Trotzdem halten wir uns an Gesetze. Hätten wir nur Rache nehmen wollen, hätten wir die Putschisten noch in der Nacht getötet. Aber wir haben sie der Justiz übergeben.

Die Türkei ist abhängig vom ausländischen Geld. Viele Investoren sind besorgt. Wie wollen Sie das Vertrauen wiederherstellen?

Jedes Land ist von ausländischen Kapital abhängig. Das ist die Globalisierung.

Sie verharmlosen. Die Türkei ist aufgrund ihrer geringen Sparquote und hohen Leistungsbilanzdefizits wesentlich abhängiger als andere Staaten.

Sie haben gesehen, wie robust die türkische Wirtschaft ist. Die Business-Community ist bester Stimmung. Der Coup hat daran nichts geändert. Wir machen weiter mit einer marktfreundlichen Politik.

Das sehen nicht alle so. Die Rating-Agentur S&P hat die Bonität der Türkei gerade gesenkt. Ist das keine Warnung?

Sie wissen doch, wie die arbeiten! Das sind ein paar Analysten. Deren Ratings haben nicht immer mit der Realität zu tun. Wir haben so viele Krisen bisher überlebt. Das türkische Volk hat die Demokratie verteidigt. Wir haben eine robuste Wirtschaft und eine stabile Regierung.  Diese Zeit sollte als Gelegenheit wahrgenommen werden, die EU sollte neue Kapitel der Beitrittsverhandlungen öffnen. Das könnte die Beziehungen verbessern. Die EU hat ihre eigenen Probleme: Der Brexit, die Erweiterung auf dem Balkan, die Krisen in Syrien und der Ukraine. Sich jetzt gegen die Türkei zu stellen, wäre ein historischer Fehler.

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