Übertriebener Wirbel Warum Berlin den Grexit durchspielen muss

Die Planspiele der Bundesregierung über den weiteren Verlauf der Griechenlandkrise sind weder Beweis für einen bevorstehenden "Grexit", noch Panikmache - sondern eine politische Pflicht Deutschlands.

Europa ist nur bedingt wettbewerbsfähig
Ein Mann trägt eine griechische Flagge Quelle: dpa
ItalienAuch Italien büßt zwei Plätze ein und fällt von Rang 44 auf Rang 46. Die Studienleiter kritisieren vor allem das Finanz- und Justizsystem. Die Abgaben seien zu hoch und Verfahren viel zu langwierig und intransparent. Lediglich bei der Produktivität und mit seiner Infrastruktur liegt der Stiefelstaat im Mittelfeld. Ein wenig besser macht es ... Quelle: REUTERS
Ein Mann schwenkt eine portugiesische Flagge Quelle: AP
Stierkampf Quelle: dpa
Eine Frau hält eine Fahne mit einer französischen Flagge in der Hand Quelle: REUTERS
Das Parlamentsgebäude in Wien Quelle: dpa
Finnische Flagge Quelle: dpa
IrlandAuch Irland gelang es im vergangenen Jahr die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Insel liegt 2014 auf Rang 15, zwei Plätze besser als noch 2013. Internationale Investoren lieben das Land, das 2010 als erstes unter den Euro-Rettungsschirm flüchten musste (Rang 4). Auch die Behörden und die Steuerpolitik wird gelobt. Die Beschäftigung (Rang 50) und der Binnenkonsum (Rang 43) bleiben hinter den Erwartungen zurück. Quelle: AP
Ein Mann schwenkt eine Flagge mit der Aufschrift Holland Quelle: AP
 Die deutsche Flagge und der Adle im Bundestages in Berlin Quelle: dpa
Schweizer Fahne Quelle: dpa

Glück ist, so heißt es, wenn Chance auf Vorbereitung trifft. Das Gegenteil ist freilich nicht Pech, sondern Dummheit: wenn man nämlich unvorbereitet in eine absehbare Situation gerät.

Insofern sind die Planspiele der Bundesregierung, welche Konsequenzen aus der Parlamentswahl in Griechenland erwachsen können, keine Sensation, sondern normales Regierungshandeln. Die größere Meldung wäre, wenn es diese Simulationen nicht gäbe – denn das wäre unverantwortliches Nichtstun. Dabei steht ein Ergebnis all der Überlegungen schon fest: Egal wie die Wahlen ausgehen – Griechenland und die übrigen Euroländer bleiben fest aneinander gekettet.

Die Drohgebärde aus Berlin Anfang der Woche (Motto: ein Euro-Austritt ist heute zu verkraften) war das Maximum, das man zur Beeinflussung des hellenischen Wahlkampfs riskieren konnte. Denn zu viel Einmischung könnte eher zu Trotzreaktionen beim Wähler führen.

Niemandem ist an einem Austritt Griechenlands gelegen

Nachdem nicht einmal mehr der Athener Linkenführer Tsipras ein Interesse am Grexit hat, gibt es niemanden mehr, dem ein Austritt gelegen käme. Denn auch Resteuropa möchte ja auf die Griechen nicht verzichten – weniger aus ökonomischen als aus politischen Gründen. Seit Jahren gilt das Primat der Politik: Europa muss zusammenbleiben.

Trotzdem ist es sinnvoll, mögliche Szenarien durchzuspielen: Was passiert, wenn griechische Sparer die Banken stürmen? Welche Ausfälle kämen bei welchem Krisenverlauf auf die deutschen Steuerzahler zu - und wann? Kann man vielleicht die Auszahlung der letzten Hilfs-Tranche stoppen, wenn die Griechen vertragsbrüchig werden und die Reformauflagen aufkündigen?

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Dennoch: Selbst wenn sich die Griechen für einen Austritt aus dem Euro entschieden (was unwahrscheinlich ist), so bedeutete das nicht, dass sie kein Geld mehr aus Europa bekämen. Schon als vor Jahren über einen Grexit gesprochen wurde, war allen klar, dass man Griechenland für seinen Kurs auf eine eigene nationale Währung eine ordentliche Wegzehrung mitgeben müsste, damit die öffentliche Versorgung nicht zusammenbräche.

Denn auch mit einer abwertenden Drachme würde es eine Weile dauern, bis Griechenland wettbewerbsfähig genug wäre, um selbst wieder ausreichend Devisen und Wohlstand zu erwirtschaften, um den Staatshaushalt zu füllen.

Und Care-Pakete über der Peloponnes und den griechischen Inseln abwerfen, damit die Bevölkerung nicht verhungert – diesen Offenbarungseid wollen sich alle in der EU ersparen.

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