Ukraine-Krise Droht dem Westen eine Energiekrise?

Die Ukraine ist das wichtigste Transitland der EU. Seit Montag erhält es kein Gas aus Russland mehr. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Gasstreit - und seinen Folgen.

Wenn der Gasfluss durch die Ukraine als wichtigstes Transitland für die EU versiegt, kann dies wie beim Gaskonflikt 2009 zu Engpässen im Westen führen. Quelle: AP

Nach dem russischen Stopp der Gaslieferungen hat die ukrainische Regierung einen Krisenstab für die Energieversorgung gebildet. „Das Gremium soll vor allem unsere Ressourcen überwachen“, sagte Regierungschef Arseni Jazenjuk am Dienstag in Kiew. Er warf Russland erneut vor, den Gashahn am Vortag aus politischen Gründen und nicht wegen ausstehender Zahlungen zugedreht zu haben. „Wir waren bereit, sofort eine Milliarde US-Dollar von der ausstehenden Summe zu zahlen, aber Russland hat diesem Kompromiss nicht zugestimmt“, sagte Jazenjuk. Moskau hatte betont, nach dem Verstreichen mehrerer Fristen könne Kiew einen Lieferstopp nur mit der Überweisung von 1,95 Milliarden US-Dollar (rund 1,44 Milliarden Euro) abwenden. Beide Länder streiten zudem auch über den Gaspreis.

Deutschland im Gasstreit gewappnet

Jazenjuk kündigte die Reise einer Regierungsdelegation in EU-Länder an, die dort die Lieferung von Gas aus dem Westen an die Ukraine sondieren soll. Damit soll künftig der „Großteil des Bedarfs“ der Ex-Sowjetrepublik gedeckt werden, sagte der Chef des ukrainischen Naftogaz-Konzerns, Andrej Kobolew. „Wir wollen spätestens im September die ersten Mengen durch slowakische Leitungen importieren“, sagte er. Für die EU ist die Ukraine das wichtigste Transitland für Gas aus Russland.

Haben die von Russland gestoppten Gaslieferungen für die Ukraine schon Auswirkungen auf Deutschland und den Rest der EU?

Bisher nur politischer Art, weil die Lage extrem gespannt ist. Die Gasspeicher sind aber gut gefüllt, weshalb sich deutsche Verbraucher keine Sorgen machen müssen. Sein Gas liefert Russland in vollem Umfang durch die Ukraine weiter für den Transit. Ernst wird es, wenn Kiew wie in der Vergangenheit für den Eigenverbrauch Transitgas abzweigen sollte. Dann drohen wie 2009 in der EU Engpässe. Anders als damals gibt es aber jetzt die Ostseeleitung Nord Stream. Experten erwarten eine monatelange Hängepartie in dem Streit. Ernste Probleme werden im Winter erwartet, wenn der Verbrauch überall höher ist.

Worum geht es in dem Gasstreit?

Um Milliarden. Kiew will deutlich weniger bezahlen, als Moskau fordert. Laut Vertrag von 2009, der noch bis 2019 gilt, hat Russland Anspruch auf 485 US-Dollar (354 Euro) je 1000 Kubikmeter. Zahlen will die vor dem Bankrott stehende Ukraine aber nur 268,5 US-Dollar, weil sie den Vertragspreis für übertrieben und angesichts der Krise zwischen beiden Staaten für politisch hält. Die Russen sind zwar bereit, wie zuletzt Rabatte zu gewähren. Damit aber überhaupt darüber verhandelt wird, fordern sie, dass die Ukrainer zunächst ihre Schulden bezahlen.

Was hat es mit dem Vorwurf auf sich, dass Russland Gas als „politische Waffe“ einsetze?

In jedem Land gibt es andere Preise für russisches Gas. Im postsowjetischen Raum bezahlen mit Russland „befreundete“ Staaten deutlich weniger als solche, die auf Konfrontationskurs sind. Das ist auch im Fall Ukraine so. Allerdings gilt gerade der nun von Kiew wieder geforderte Preis von 268,5 US-Dollar als politischer „Freundschaftspreis“ und nicht als marktüblich. Moskau hatte dies noch unter dem inzwischen gestürzten prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch gewährt. Wer unabhängig sein will, so die Meinung in Moskau, soll Marktpreise akzeptieren.

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