WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Ukraine-Krise Droht dem Westen eine Energiekrise?

Seite 2/2

Wie entstehen diese Preise überhaupt?

Westliche Energieexperten sehen durchaus politische Einflüsse, halten sie aber nicht für übertrieben, weil die Tarife am Ende doch öffentlich bekanntwerden und nachvollziehbar sein müssten. Von deutschen Abnehmern ist zu hören, dass die Preise vor allem von den Laufzeiten der Verträge und von vereinbarten Liefermengen abhängen. Ins Gewicht fällt zudem, wie aufwendig die Förderung an der jeweiligen Lagerstätte ist und wie weit das Gas über Leitungsnetze transportiert werden muss. Die Ukraine etwa erhält von Russland auch Transitgebühren in Milliardenhöhe.

Hat die Energiewirtschaft also Verständnis für Russlands Vorgehen im Gaskonflikt?

Auf dem aktuellen World Petroleum Congress in Moskau - einem der größten Treffen von Öl- und Gasexperten - ist die Zustimmung groß. „Es gibt einen Vertrag“, betonte der Chef der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), Abdalla Salem El-Badri, am Dienstag. „Das ist wie im Restaurant, wenn Sie etwas bestellt haben von der Karte“, sagte er. Die Ukraine wolle jetzt plötzlich etwas Neues, weil ihr das Bestellte nicht mehr schmecke. El-Badri warnte vor einer Verschärfung die Krise. „Es gibt kein Vertrauen, wenn ein Partner nicht bezahlt“, sagte er angesichts der Milliardenschulden der Ukraine.

Wie hoch genau sind diese Schulden?

Der russische Energieriese Gazprom gibt sie mit 4,445 Milliarden US-Dollar an: 1,454 Milliarden US-Dollar für Gaslieferungen von November bis Dezember 2013 und 3 Milliarden US-Dollar für April und Mai 2014. Bezahlt hat die Ukraine nach langen Verhandlungen unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger bisher 786 Millionen US-Dollar für das erste Quartal 2014. Außerdem liegt schon die Juni-Rechnung von 1,6 Milliarden US-Dollar auf dem Tisch.

Ukraine in Zahlen

Zu welchen Zugeständnissen ist Russland bereit?

Russland will nun überhaupt erst wieder verhandeln, wenn die Ukraine wenigstens ein Teil des Geldes bezahlt. Dann wäre Moskau bereit, einen Rabatt zu gewähren. Künftig würde Russland dann etwa 385 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas verlangen. Die Ukraine will allerdings nur einen früheren Rabattpreis von 268,5 US-Dollar bezahlen. Die Fronten sind aber verhärtet, weil alle Verhandlungen gescheitert und Kiew und Moskau mit Klagen vor eine internationale Schiedsstelle in Stockholm gezogen sind.

Was kann die verarmte Ukraine der Energiegroßmacht entgegensetzen?

Die Ex-Sowjetrepublik hat kaum eigenes Gas, will sich aber vor allem mit US-Hilfe nun in die ökologisch umstrittene Förderung von Schiefergas vertiefen. Möglich sind auch Flüssiggaslieferungen aus den USA. Außerdem setzt die Ukraine auf ihre Stellung als wichtigstes Transitland Richtung Westen. Weil einige Länder weniger für russisches Gas bezahlen, könnten diese die Energie auch an die Ukraine zurückpumpen. Außerdem soll das marode Leitungsnetz erneuert werden, mit dem die Ukraine von Russland weiterhin wichtige Transitgebühren kassieren kann.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Annehmbar wäre für Russland wohl ein Preis von 360 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas. Eine Einigung erwarten Experten aber erst, wenn auch andere Probleme im russisch-ukrainischen Verhältnis gelöst werden. „Jetzt ist das wichtigste Problem die Anti-Terror-Operation in der Ostukraine“, sagte der Moskauer Politologe Fjodr Lukjanow unlängst. „Wenn die Operation aufhört, könnte Russland der Ukraine einen Kompromiss vorschlagen - auch beim Gas.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%